Wenn das berufliche Leben Sinn erhält

Restauratorin Elke Renner bewahrt die Kunst vergangener Zeiten

In der Luft liegt ein Duft von Farben, Holz und Polituren. Es ist still, bis auf das Murmeln eines Radios. Elke Renner, Restauratorin für Architektur, Fassungen und Wandmalerei, beginnt den Tag in ihrer Werkstatt in Berlin-Weißensee. Es sei wichtig, Kunst um sich herum zu haben und zu erhalten, sagt die Frau mit den kurzen orangefarbenen Haaren.

 

Als Jugendliche entdeckte sie in einer Ausbildungszeitschrift eine Anzeige des VEB Denkmalpflege Berlin: eine Facharbeiterausbildung für Wand- und Deckengestaltung mit anschließendem Studium zur Restauratorin. Nach der Lehre zur Spezialhandwerkerin für Malerei folgten ab 1984 drei Jahre Studium zur Restauratorin an der Fachhochschule in Potsdam. Heute steht sie mit blauem Arbeitsanzug und Taschen voller Werkzeug in ihrer eigenen Werkstatt, in der Gemälde auf ihre Rettung warten. Ganz verschiedene Werke, impressionistisch oder realistisch, auf Leinwand oder als Wandgemälde, im DIN- A4-Format oder sich über eine ganze Decke erstreckend, finden hier einen Platz. "Das erfordert nicht nur Fingerspitzengefühl und Geduld, sondern vor allem Verständnis für die Kunstgeschichte." Durch große Oberlichter an der hohen Decke fällt Licht auf die Tische. Mit kleinen Rollwagen lassen sich die Materialien aus den riesigen Schränken voller Pinsel, Farben, Binde- und Lösemitteln an den Platz rollen. Selbst eine Küchenecke gibt es.

 

Für Aufträge vor Ort hat die 60-Jährige einen kleinen Transporter. Sie arbeitet im Schloss Oranienbaum östlich von Dessau-Roßlau. Dort restauriert sie mit fünf anderen Restauratoren Wandbespannungen in den chinesischen Sälen. Die bemalten Leinwände lösen sich von den Holzrahmen und müssen gesäubert, stabilisiert und retuschiert werden. Über mehrere Monate verbringt sie dort einige Tage pro Woche. In ihrem Studium und mithilfe von Referenzbildern hat Renner gelernt die Kunststile nahezu perfekt nachzuahmen. "Die Aufträge, die mich erwarten, sind vielfältig. Es können Galerien mit modernen Ausstellungsstücken, Schlösser mit antiken Wandbemalungen oder alte Gemälde sein." Die Materialien müssen an jedes Gemälde individuell angepasst werden. An einer unauffälligen Stelle am Rand des Werkes, wo das Auge des Betrachters nicht direkt hinfällt, lassen sich kleine Tests durchführen. "Man muss immer Proben machen", erklärt Renner, während sie die Zusammensetzung der Farbe durch ein Mikroskop betrachtet. Auch die Fasern der Leinwand lassen sich so im Detail erkennen. Auf bis zu über 100 Jahre alten Gemälden haben sich mit der Zeit meist viele Verschmutzungen abgesetzt. Diese müssen zuerst mit dem passenden Lösungsmittel abgenommen werden. Dann könne das Problem betrachtet werden. Muss nur die Farbe nachgebessert werden, gibt es Löcher oder sogar Risse? Je nach Fehlstelle gebe es verschiedene Techniken. Beispielsweise eine Vernähung, bei der ein Loch mit Nadel und Faden vernäht werde. Eine andere Möglichkeit sei, ein feines Gewebe von hinten an das Werk zu bügeln, um es vor weiterem Einreißen zu schützen. Auf der Vorderseite werden die gerissenen Fäden dann mit größter Behutsamkeit in ihre Ursprungsposition zurückgelegt. Anschließend werden passende Farben mit Bindemitteln angemischt und dann mit kleinen Pinseln präzise aufgetragen.

 

"Ich habe dann gute Arbeit geleistet, wenn man sie nicht bemerkt. Ein kleines Loch zu flicken, kann in ein paar Tagen getan sein, während die Arbeit in Schlössern meist mehrere Monate dauert." Bei der Arbeit mit reizenden Stoffen und Farben seien Arbeitshandschuhe oder sogar Atemschutzmasken Pflicht. Immer wieder finden besondere Werke ihren Weg zu Renner oder sie zu ihnen. Sie war im Schloss Charlottenburg an den Wandbemalungen in der Japanischen Kammer tätig. Auch ein Deckengemälde in Sanssouci von Antoine Pesne, dem Haus- und Hofmaler von Friedrich II., wurde von ihr drei Monate lang bearbeitet.

 

Ebenso Gemälde des Impressionisten Robert Hermann Sterl sowie moderne Kunst, die meist bei Ausstellungen oder dem Transport beschädigt worden sei. Renner meint, ihr Beruf erfordere ein "kriminalistisches" Wollen, um zu wissen, wie es mal gewesen ist. Es ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch des Verstehens. "Man muss mit ganz viel Herz und Leidenschaft darangehen." Für sie sei Restaurierung mehr als Reparatur. "Kunst ist eine Reflexion auf die Gesellschaft. Sie zu erhalten, tut der Seele gut."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19.05.2025, S. 26 - Ilse Krägenow, Marie-Curie Gymnasium, Hohen Neuendorf

zurück