Wo Frauen gerne baden gehen

Das Frauenbad an der Limmat in Zürich ist ein beliebter Rückzugsort.

An einem sonnigen Sommermorgen, unter einem strahlend blauen Himmel, werden die Bikinis angezogen und Tücher auf dem Sonnendeck ausgebreitet. Nebenan fließt die Limmat unter der Quaibrücke aus dem Zürichsee. Es ist Samstag im Frauenbad am Stadthausquai in Zürich. Mit seiner außergewöhnlichen Lage bietet es nicht nur einen Sprung in die Limmat, sondern auch eine ruhige und blicksichere Atmosphäre für Frauen und Mädchen.

 

Die 47-jährige Sara Künzle hat lange, braune, gewellte Haare und eine ruhige Ausstrahlung. Sie grüßt am Eingang. Seit drei Jahren arbeitet sie als Angestellte im Frauenbad. Zuvor war sie in öffentlichen Badehäusern. Das Frauenbad ist ein kastenförmiger hölzerner Gebäudekomplex, mit einer kleinen Bibliothek, einem Kiosk, Umziehkabinen und zwei Schwimmbecken, die mit der Limmat durchflossen werden. Das Frauenbad besteht seit 1837, dem Jahr, in dem es Frauen erlaubt wurde, öffentlich zu baden. Früher hieß es "Badhaus für Frauenzimmer" und war zunächst nur zur Körperpflege gedacht und nicht als Schwimmbad. Damals gab es in vielen Häusern Zürichs kein fließendes Wasser. Der Kiosk kam nach Ende des Zweiten Weltkriegs dazu. 1988 wurde das Bad im modernen Jugendstil umgebaut. Ab 1997 wurde während der Sommermonate ein abendlicher Barbetrieb erlaubt, zu welchem auch Männer Zutritt haben. Die Bar darf nur barfuß oder in Hausschlappen betreten werden. Der Tag im Bad beginnt um sieben Uhr. Da kommen schon die ersten Gäste, meist ältere Frauen, die die Stille des Morgens genießen, erzählt Künzle. Einige sind treue Stammkunden und kennen sich. Das Wasser der Limmat ist noch kühl zu dieser Stunde. Gegen Mittag füllt sich das Bad mit jungen Frauen und Müttern mit kleinen Kindern. Manche lesen in einem Buch, das sie in der kleinen Bibliothek des Frauenbades ausgeliehen haben, andere plaudern in kleinen Gruppen, einige genießen einfach die warmen Sonnenstrahlen. Am Nachmittag ist das Frauenbad voll. Einige suchen Abkühlung und schwimmen ihre Runden im Becken. Am frühen Abend nimmt der Strom der Kundschaft ab, und es gibt wieder mehr Platz auf dem Sonnendeck, bis das Frauenbad dann um 19.30 Uhr seine Türen schließt und die Bar die ihrigen öffnet.

 

"Frauenbäder sind nicht nur ein Ort, an dem sich Frauen zum Austausch treffen, sondern es verleiht ihnen auch das Gefühl der Sicherheit und der Privatsphäre", meint Künzle. Ein weiterer Grund für die Existenz der Frauenbäder habe mit kulturellen und religiösen Aspekten zu tun. Muslimischen und jüdisch-orthodoxen Frauen bietet das Frauenbad die Möglichkeit, in entspannter Umgebung und ohne Verschleierung zu schwimmen. "Meiner Meinung nach kommen viele Frauen, weil sie sich vor den beurteilenden Blicken der Männer geschützt fühlen", sagt Künzle. Vielen Frauen sei bewusst, dass sie keinen Model-Körper haben. Genau deshalb schätzen sie die Atmosphäre in einem Frauenbad, in welchem sie sich frei bewegen können, ohne Druck oder bewertende Blicke. Das Frauenbad biete eine großartige Erholung vom Alltagsdruck der Gesellschaft, den Frauen immer zu spüren bekommen, fügt Künzle an.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.08.2025, S. 26 - Daniel Fernandes, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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