Franziska Schröpfer hilft Katzen, die ein neues Zuhause suchen.
Franziska Schröpfer schüttelt eine Tüte mit Leckerlis. In dem Moment raschelt es unter dem Bett. Hinter dem Kratzbaum in der Ecke lugt plötzlich ein kleiner, schwarzer Kopf hervor, und unter der Couch taucht ein dreibeiniger Kater auf. Erst da lässt sich erkennen, dass die Wohnung im 6. Stock eines Mehrfamilienhauses in Köpenick nicht nur das Zuhause von Franzi und ihrem Freund, sondern auch von aktuell fünf Katzen ist. Die 33-Jährige arbeitet hauptberuflich als Projektleiterin in der IT, engagiert sich aber ehrenamtlich seit gut sechs Jahren bei dem 2011 in Berlin gegründeten Verein "Ein Freund fürs Leben e.V." und führt eine Pflegestelle für Katzen. Der Tierschutzverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Straßenhunde und -katzen aus dem In- und Ausland aufzupäppeln und ihnen ein neues Leben zu geben.
Sie haben kein eigenes Heim, sondern arbeiten grundsätzlich nur mit privaten Pflegestellen. Das heißt, Freiwillige nehmen die Tiere bei sich zu Hause auf und kümmern sich dort um sie. Franzi und ihr Freund sind eine der bundesweit 100 Stellen. Vor sechs Jahren seien sie von einem Verein, in dem sie sich früher engagiert hatten, gefragt worden, ob sie Platz für zwei Katzen hätten, die in einem Messie-Haushalt sichergestellt wurden.
Und jetzt sind sie knietief im Tierschutz. Sie haben sich auf Katzen spezialisiert und nehmen fast alle auf. "Katzen von Flaschenaufzucht bis Alttiere kommen bei uns unter", erklärt die Frau mit den Dreadlocks ganz selbstverständlich.
Aktuell wohnen neben drei eigenen zwei Pflegekatzen bei ihnen. Die Zahl ändert sich ständig. Im vergangenen Sommer hat sich Schröpfer noch um neun Katzen gekümmert. Damit sei ihre persönliche Kapazität in der Wohnung aber ausgereizt. "Leider müssen wir lernen, Nein zu sagen", bedauert sie, während sie in die Ecke der Wohnung blickt, wo sich die Katzen verstecken.
Die Pflegestellen nehmen die Katzen so lange auf, bis sie vermittelt werden können. Je nach Katze dauert das unterschiedlich lange. Besonders schwer zu vermitteln seien alte, kranke und schüchterne Tiere. "Man sieht viele Katzen auf Social Media, die den ganzen Tag mit einem schmusen wollen. Ich glaube, dass die Leute oft vergessen, dass nicht jedes Tier so ist", sagt Schröpfer und erzählt von Langzeit-Pflegetieren, die sich nicht vermitteln lassen.
Bevor Tiere ihr festes Zuhause finden, stellen die Pflegestellen sicher, dass die Familien gut vorbereitet sind. Es gibt lange Vorgespräche, in denen man versucht, die künftigen Tiereltern so gut wie möglich kennenzulernen. Schröpfer ist für das Matchmaking zuständig. "Es geht nicht darum, die Tiere loszuwerden, sondern darum, für sie das perfekte Zuhause zu finden", erklärt sie. "Wir haben ganz oft Anfragen von tollen Familien, die unbedingt adoptieren wollen, aber sich für ein falsches Tier entschieden haben. Dann liegt es an uns, Hunde oder Katzen vorzuschlagen, die besser zu ihren Bedürfnissen und Lebensumständen passen."
Das Gefühl, zu sehen, dass die Tiere, die sie über Monate gepflegt hat, endlich in einem Zuhause ankommen, sei die beste Belohnung. "Es gibt nichts Besseres, als ab und zu Nachrichten zu bekommen, in denen uns einfach nur ein, zwei Bilder geschickt werden und Updates dazu, wie es dem neuen Familienmitglied ergeht." Anfangs sei es schwer für sie gewesen, die Tiere in die Adoptivfamilien gehen zu lassen, aber mittlerweile sei sie in dieser Hinsicht etwas abgehärtet.
Im Verein ist Schröpfer nicht nur Pflegestelle, sie kümmert sich außerdem um die Betreuung von anderen Katzenpflegestellen und um den Social-Media-Account. Es sei viel Arbeit. "Am Anfang war mein Alltag gar nicht so anders, weil ich nur eine Pflegestelle war. Der Unterschied war, dass wir jetzt Haustiere hatten. Inzwischen ist Tierschutz ein enormes Hobby geworden und nimmt einen Großteil meines Alltags ein."
"Ich verliere manchmal den Glauben an die Menschheit, weil man mit so viel Elend konfrontiert wird, das durch Menschen verursacht wird, aber kaum Beachtung findet." Sie ist der Ansicht, es brauche bessere Tierschutzgesetze. "Super viele Menschen denken, dass wir in Deutschland kein Problem mit Straßenkatzen haben, aber man sieht es einfach nicht so doll wie zum Beispiel in Spanien oder Griechenland."
Trotzdem holt der Verein weiterhin Tiere aus dem Ausland. Sie finden, Tierleid kennt keine Ländergrenzen. "Hier in Deutschland sind wir zwar politisch an der Tierschutzfront schlecht aufgestellt, aber in anderen Ländern ist es noch viel schlimmer. Es gibt weltweit zu viel Tierleid und zu wenig Menschen, die etwas dagegen tun."
Besonders Kastrationsgesetze seien sehr wichtig, vor allem bei Katzen. "Wir werden es niemals hinkriegen, weltweit keine Straßenkatzen mehr zu haben, aber wir verhindern viel Leid, wenn wir die Tiere kastrieren. Schwangerschaften sind anstrengend. Schwangerschaften auf der Straße und die Versorgung von Kitten ohne feste Nahrungsquelle sind noch anstrengender."
Der Verein kümmert sich also selbst um die Kastration der Tiere. Finanziert werde dies, wie auch der Rest der anfallenden Kosten, mit Spendengeldern. "Die Pflegestellen bezahlen im besten Fall alles selbst, außer Tierarztkosten, die der Verein übernimmt. Wir haben aber auch Pflegestellen, die es sich finanziell nicht leisten können, und dann übernehmen wir natürlich." Bei sechs Pflegekatzen, die sechs bis sieben Dosen Nassfutter am Tag sowie Katzenstreu benötigen, und dazu Spielzeug und weiteres Zubehör, schätzt Schröpfer den Betrag, den sie monatlich für ihre Tiere ausgibt, auf ein paar Hundert Euro.
2025 wäre "Ein Freund fürs Leben e.V." fast pleitegegangen, weil sie zu viele Tiere aufgenommen hatten, die noch dazu teure tierärztliche Betreuung brauchten. Nur mithilfe eines großen Spendenaufrufs hätten sie es geschafft, genug Mittel zu sammeln, um den Verein über Wasser zu halten. Seitdem legen sie besonders viel Wert auf Öffentlichkeitsarbeit. Diese hilft dabei, Spendengelder zu generieren sowie neue Tiereltern und Pflegestellen zu finden.
Der Verein vermittele jährlich etwa 500 Lebewesen in ganz Deutschland. Ob es Kitten sind, die von der Straße kommen und noch nie Kontakt zu Menschen hatten, oder verletzte Altkatzen, Schröpfer findet, jedes Tier hat es verdient, ein Zuhause zu finden.