Die Lieder suchen das Weite

Das Slowenische Jugendorchester ist eine private Initiative. Ukrainische Flüchtlinge spielen mit, wie Sasha.

Born to play trumpet", steht in goldenen Buchstaben auf dem schwarzen T-Shirt, das Sasha Hrim bei der Konzertprobe des Slowenischen Jugendorchesters trägt. Seit vier Jahren ist der 18-Jährige mit dem kurzen, braunen Haar dabei. Gerade bereitet er sich auf seine Matura am Konservatorium für Musik und Ballett in Ljubljana vor. Es klingt wie die Erfolgsgeschichte eines jungen Künstlers. Doch als größten Erfolg nennt Sasha "Essen auf meinem Teller, mein Zuhause und meine Trompete".

 

Geboren und aufgewachsen ist er in der Ukraine. 2022 kam er als unbegleiteter 14-jähriger Kriegsflüchtling nach Ljubljana, in die Familie von Ziva Ploj Persuh. Die 1977 in Maribor geborene Dirigentin studierte Musikwissenschaft in Ljubljana und anschließend Orchester- und Chor-Dirigieren in Mannheim. Bei der Arbeit folgt die Frau mit den braunen Locken ihrer "heiligen Dreifaltigkeit: gute Ausbildung, viel Reisen und ordentliche Manieren". Selbst bei der Hausarbeit lerne sie Noten "wie eine Sprache, Wort für Wort, denn ich möchte beim Dirigieren den Chor oder das Orchester im Auge haben und nicht nur die Partitur".

 

Sie mag es, ihrem 11-jährigen Sohn vorzusingen, und sagt: "Ich bedauere es, dass wir in Kindergärten das Singen fördern, es den Kindern in der Schule aber geradezu verweigern. Musik kann komplexes Denken und Aufmerksamkeit fördern." Zusammen mit ihrem Mann Tomo Persuh hat sie 2019 das Slowenische Jugendorchester gegründet. "Wir haben für unser Budget von 300.000 Euro keine systematische staatliche Förderung und müssen immer wieder Unterstützer und Probenräume finden", erklärt der 50-jährige Projektmanager.

 

"Mit diesem Symphonieorchester können wir Musikern aus allen Landesteilen zwischen 16 und 26 Jahren einen Mittelpunkt für ihre professionelle Entwicklung geben", ergänzt die Dirigentin. "Außerdem ist das Orchester längst ein Aushängeschild. Auftritte im Wiener Konzerthaus und internationale Tourneen gehören dazu." Ein Meilenstein ist das Projekt "Music for the Future". Sasha Hrim spielt dabei eine wichtige Rolle. "2022 sah ich nach Ausbruch des Krieges einen Bericht auf BBC über das Bombardement einer Musikschule. Ich wusste, dass es in der Ukraine ein Jugendorchester gab", erzählt Tomo Persuh.

 

Seine Frau ergänzt: "Ich sah auf Social Media ein Treffen von Mitgliedern dieses Jugendorchesters, als auf einmal einer der Jugendlichen aufgeregt von einem Bombardement berichtete und sich die Jugendlichen nach und nach aus dem Treffen ausloggten. Der Bildschirm war plötzlich schwarz, und mir wurde schlagartig klar: Wir müssen etwas tun." Tomo nahm Kontakt mit Oksana Lyniv auf, der Dirigentin des Jugendorchesters, und fragte, wie sie helfen können. "Holt die jungen Musiker raus", habe sie geantwortet. "Innerhalb von zwei Tagen haben wir dann mit Hilfe des Bürgermeisters von Ljubljana zwei Reisebusse organisiert."

 

So kamen 118 überwiegend junge Menschen nach Slowenien, darunter 15 unbegleitete Jugendliche. Bis zum 6. März waren es 142 Personen. Ziva sagt: "Unser Sohn muss essen." Da mache es kaum einen Unterschied, ob man für mehrere kocht. Schnell war auch unbürokratische Hilfe organisiert. Alle Flüchtlinge erhielten einen Schutzstatus. Bald war Wohnraum für alle gefunden. Und die Slovenska filantropija bot psychologische Hilfe an. Tomo und Ziva erinnern sich an den Moment, als die jungen Musiker erstmals wieder ihre Instrumente in die Hand nahmen. "Sofort wurden aus desorientierten, verängstigten Kindern fokussierte junge Musiker, die ihre Würde zurückhatten. Wir mussten den Raum verlassen und weinen."

 

Bald aber wurde klar, dass längerfristig Wohnungen organisiert und finanziert werden mussten. "Das deutsche Bundesjugendorchester spendete 120.000 Euro und unterstützt bis heute mit Mentoring. Und wir mussten uns ja auch um das slowenische Jugendorchester kümmern", erklärt die Dirigentin. So wurde das "Music for the Future"-Projekt gegründet, ukrainische Musiker wurden in das Slowenische Jugendorchester integriert. Dessen Konzerte sollten auch Auslagen für den Aufenthalt der Jugendlichen decken. Dann habe sie der Violinist Gidon Kremer überrascht. "Er sagte spontan zu, für ein Konzert mit unseren Jugendlichen nach Ljubljana zu kommen." In fünf Monaten folgten 50 Konzerte in fünf Ländern, später auch das "Peace Child Musical" mit David Gordon, dem Bruder von Yusuf Islam, vormals Cat Stevens, zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges.

 

Im Slowenischen Jugendorchester tragen alle die gleichen T-Shirts. "So erkennt man nicht, woher ein Musiker kommt. Musik ist eine universale Sprache, in der es um harmonischen Gleichklang geht." 82 der 142 Flüchtlinge leben weiterhin in Slowenien, darunter Sasha Hrim. Hin und wieder besuchen ihn seine Mutter und sein jüngerer Bruder bei seinen slowenischen Gasteltern. Sein Vater ist in der Ukraine an der Front. "In Slowenien haben wir die Tradition des Matura-Tanzes zum Abschluss der gymnasialen Ausbildung. Dazu laden die Absolventen ihre Eltern ein. Sasha hat uns dazu eingeladen", erzählt Ziva Ploj Persuh gerührt. Später möchte Sasha wenigstens einmal im Wiener Konzerthaus und einmal solo ein Trompetenkonzert spielen. "Denn ich wurde geboren, um Trompete zu spielen."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 15.06.2026, Nr. 135, S. 26 - Milenca Stepisnik, Discimus Lab, Videm bei Ptuju/Trzec

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