Buchautor Markus Bennemann hat einen originellen Ansatz, um die Zusammenhänge der Natur in die Köpfe der Leser zu bringen.
Eine illustre Runde versammelte sich am 23. Mai 2025 in der NDR-Talkshow "3nach9": Popstar Sarah Connor, Schauspielerin Anke Engelke, Scorpions-Sänger Klaus Meine - und mittendrin ein Mann, der auf den ersten Blick nicht so recht in diese Runde passt. Markanter Bart, verschmitztes Lächeln: Markus Bennemann. Kein klassischer Bühnenmensch und doch jemand, der große Geschichten erzählt. Nur eben anders. Der vierundfünfzigjährige Wiesbadener schreibt keine Romane, sondern Bücher über Natur und Evolution. Und darüber, wie alles Leben miteinander verbunden ist. Seine Texte lesen sich wie Geschichten, basieren aber auf wissenschaftlicher Recherche. Oder, wie er selbst sagt: "Ich bin da nur eine Art Übersetzer."
Dass er überhaupt zum Schreiben kam, war eher Zufall. "Ich hatte als Jugendlicher eigentlich gar nicht viel mit Büchern am Hut, aber dann hatte ich da so eine Freundin. Sie hat mich zum Lesen gebracht. Plötzlich habe ich Bücher verschlungen und dachte irgendwann: So was würde ich auch gerne machen." Aus dem Lesen wurde der Wunsch, selbst zu schreiben, und vor allem: Wissen so zu erzählen, dass es hängen bleibt.
Sein Studium der Geschichte und besonders das der Literatur, das er 1997 in Frankfurt abschloss, hilft ihm dabei bis heute. Als Student hatte er kurz überlegt, auf Naturwissenschaften umzusatteln, ist aber dann doch bei den Geisteswissenschaften geblieben. Die Faszination für Natur und Evolution war trotzdem immer da. So stöbert er viel in Artikeln aus der Forschung - von Biologie und Naturgeschichte bis zu Technik und Chemie. Das hat inzwischen auch mit seinem zweiten Beruf als Texter und Redakteur zu tun. Denn vom Bücherschreiben allein kann er nicht leben.
Für Bennemann ist Natur nicht nur etwas, das man erklärt, sondern etwas, das man erzählen kann. "Geworden ist es dann sozusagen eine Mischung aus beidem." Genau das macht seine Bücher besonders: Sie verbinden Fakten mit Bildern im Kopf. "Die Leser sollen alles möglichst genau vor sich sehen können - ob das nun ein Faultier im Dschungel oder eine Geschmacksknospe auf der Zunge ist."
Der Weg zu einem neuen Buch beginne oft mit Neugier. Bennemann liest sich durch Studien und Artikel aus ganz unterschiedlichen Bereichen. "Bei einem guten Thema muss der Funke schnell überspringen, und das ist das Schwierige, nicht nur für mich." Erst wenn er das Gefühl hat, dass auch andere davon gepackt werden könnten, wird aus einem Thema ein Buch. Dabei scheut er sich nicht vor starken Worten. Begriffe wie "böse", "Gifte" oder "Drogen" tauchen immer wieder auf. "Klar, das ist Vermenschlichung, aber es macht's griffiger." Und genau darum geht es: Dinge so zu zeigen, dass sie im Kopf bleiben.
In seinem Buch "Böse Bäume", erschienen 2022, wird der Wald kein idyllischer Rückzugsort, sondern ein Platz voller Konkurrenz. "Wie sie töten, stehlen, Feuer legen - die dunkle Seite unserer liebsten Waldbewohner" lautet der Untertitel. Ein Baum in Australien zum Beispiel kappt anderen Bäumen "mit einer Art Gartenschere die Wurzeln, um sie dann auszusaugen". Solche Geschichten verändern den Blick.
Auch in "Der Anfang aller Köstlichkeit", seinem neuesten Buch, verschiebt Bennemann die Perspektive. Hier geht es um unser Essen, aber aus einer ganz anderen Sicht. Kaffee, Alkohol oder Gewürze sind plötzlich keine reinen Genussmittel mehr. Die Idee dazu kam ihm durch einen Artikel zu den Essgewohnheiten ausgestorbener Tiere und die Erkenntnis, "dass alles auf unserem Teller eine uralte Geschichte hat". So seien viele unserer heutigen Genussmittel ursprünglich in ganz anderen ökologischen Zusammenhängen entstanden, teilweise schon lange bevor Menschen sie nutzten.
Im Buch wird das am Beispiel der Zibetkatzen erzählt, die schon früh Kaffeekirschen fraßen und deren Samen wieder verbreiteten. Ähnlich beschreibt das Buch auch Alkohol oder Gewürze: Alkohol entstand aus natürlicher Gärung überreifer Früchte, Gewürze entwickelten ihre scharfen oder berauschenden Inhaltsstoffe ursprünglich als Schutz gegen Fraßfeinde oder Mikroben.
Was bedeutet das für uns? Eine klare Antwort gibt Bennemann bewusst nicht. Seine Bücher wollen nicht belehren, sondern zum Nachdenken bringen. Denn die Natur funktioniere nicht nach einfachen Regeln. "Kooperation kann wichtiger sein als Kampf", sagt er, auch wenn beides oft zusammengehört. "Glaubt niemandem, der sagt, dass die Dinge einfach sind." Erfolg sei für ihn schön, aber nicht alles. Zwar hat es sein Buch "Böse Bäume", das mittlerweile in der dritten Auflage erschienen ist, auf die "Spiegel"-Bestsellerliste geschafft, und sein Buch "Der Anfang aller Köstlichkeit" wurde für das Wissensbuch des Jahres 2025 nominiert, doch für ihn sind das eher Randnotizen. Viel wichtiger ist etwas anderes: dieses Gefühl des Staunens, das ihn beim Schreiben antreibt und das er weitergeben will; der Blick auf eine Welt, die "schön, verrückt und auf ihre Weise großartig ist".