Kleines Dorf kommt groß raus: Das Hallauer Fest ist eine besondere Tradition.
Es ist 20 Uhr. Wo eben noch Partymusik und laute Stimmen durch die Straßen hallten, gehen plötzlich alle Lichter aus. Eine vorfreudige Ruhe breitet sich aus. Man hört nur noch leises Getuschel. Dann, aus dem Nichts, tauchen bunte Lichter und grelle Scheinwerfer auf, die sich langsam nähern: Der Hallauer Nachtumzug beginnt.
Hallau ist ein kleines Schweizer Dorf mit rund 2400 Einwohnern im Kanton Schaffhausen, direkt an der Grenze zum Südschwarzwald. Die lange Weintradition, das aktive Dorfleben und die Nähe zur Natur machen Hallau zu einem einzigartigen Ort, besonders im Oktober, wenn das traditionelle Hallauer Herbstfest Besucher aus nah und fern anzieht. Das Fest findet von Freitagabend bis Sonntagabend statt und zählt zu den größten Veranstaltungen in der Region. Höhepunkt ist der Sonntag, an dem rund 5000 Besucher das abwechslungsreiche Programm und die regionalen Spezialitäten erleben.
Katharina Klemenz, im Vorstand des Vereins Hallauer Herbstfest für das Marketing zuständig, ist überzeugt, dass in ihrer Gemeinde alles möglich ist. "Wenn du eine Idee hast, dänn findsch äs paar Nase, die sie mit dir umsetzen."
Genauso sieht es Sibylle Meier, ebenfalls Vorstandsmitglied und verantwortlich für das Sponsoring. Für sie ist das Herbstfest vor allem eines: "vielfältig, beeindruckend und traditionell". Für die Kleinen gibt es die liebevoll gestaltete Kinderstraße, einen Kinderflohmarkt und ein "Dampfzügli", das mit den Kindern durch die Straßen von Hallau fährt, Jugendliche treffen sich in der Disco, und Erwachsene genießen ein oder auch mehr als ein Glas Wein. Festbeizen, eine kulinarische Meile, Platzkonzerte, Degustationen und Marktstände tragen zur Vielfalt des Festes bei. Im ganzen Dorf treten auf fünf Musikbühnen Bands und Musikgesellschaften auf, von traditioneller Blasmusik bis hin zu Rock und Pop.
"D'Hallauer Landfraue, wo bached, sind au Tradition", sagt Meier. An deren Stand gibt es "Tubakrollen und Gschläupfti". Tubakrollen sind süße, knusprige Teiggebäcke, die mit geschlagener Sahne gefüllt lecker schmecken. Gschläupti ist ein geknotetes, süßes Teiggebäck. Für die Herstellung der Tubakrollen braucht man drei Landfrauen. "Öppert tuet dä Teig uf än Striezel wicklä, öppert tuets denn fritiere und öppert nimmts use und wälzt es grad im Zucker", erklärt Klemenz.
Ein weiteres Highlight ist der Umzug am Samstagabend bei absoluter Dunkelheit. "Als Chind sind mir scho mitglofe", erwähnt Meier stolz. "Es muess alles vo sich us lüchte", sagt Klemenz. Das ganze Dorf wird verdunkelt, sodass nur der Umzug leuchtet. Jedes Jahr steht der Umzug unter einem bestimmten Motto. Dieses Mal dreht sich alles um das Thema TV-Shows. Unter anderem ist eine Szene aus der Schweizer TV-Show "Auf und davon" nachgestellt. Auf dem Wagen sieht man einen Bagger und eine Puppe des kleinen Richi, wie er vom Vater zurechtgewiesen wird. Das legendäre Zitat "Richi, i ha gseit du söllsch di hebe" sorgt bei den Besuchern für zahlreiche Lacher.
Am Sonntag folgt dann die farbenfrohe Tagesversion des Umzugs. Viele Umzugswagen werden dafür extra noch einmal umgebaut, die Lichter verschwinden, und stattdessen schmücken Blumen und andere Dekorationen die Wagen. Ganz gleich ob Nacht- oder Tagesumzug: "Hallauer Trachte chömed immer zerscht", erklärt Meier, das war schon immer so. Wenn beim Nachtumzug am Anfang die Trachten mit "dä Lüchtschirm chömed", dann ist das ein ganz schöner und ruhiger Moment, findet Klemenz. Gleich danach folgen die leuchtenden, großen und lauten Umzugswagen. Damit die Zuschauer die kunstvoll gestalteten Wagen auch von beiden Seiten betrachten können, führt der Umzug sogar zweimal durchs Dorf. Am Sonntag wird er zusätzlich von Blasmusikgruppen begleitet. Wenn der Umzug vorbei ist, kehren alle wieder zurück zum Fest. Auch Katharina Klemenz und Sibylle Meier genießen dessen letzten Stunden. Kaum ist das Hallauer Herbstfest vorüber, beginnen bereits die Vorbereitungen für das nächste Jahr, wenn es wieder heißt: "Dä Omzug chunt zwaa mol."