Der sechzehnjährige Portugiese Rodrigo klettert für sein Leben gern.
"Ich sprang in den Pool und schrie so laut ich konnte unter Wasser." Rodrigo Claodio Faesca Fernandes Bento spricht über den 9. September 2025, den Tag, an dem er die Einladung zu einem Trainingslager der portugiesischen mit der spanischen Nationalmannschaft bekam. Der 16-Jährige liebt es, sich an Felswänden oder in Kletterhallen an Griffen hochzuziehen, egal wie groß, klein, dick, dünn, flach, grün, rot, durchsichtig, rau oder rutschig diese auch sein mögen. Entweder bouldert er drei bis vier Meter hohe Wände hoch, ohne Seil, aber mit einer weichen Matte auf dem Boden, oder er klettert Wände bis zu 20 Meter hoch und ist dabei mit einem Gurt und Seil gesichert.
Rodrigos Kletterkarriere begann, als er mit 13 Jahren auf einen Baum kletterte und sein Freund ihm erzählte, dass dies dumm sei und er lieber mal in eine Kletterhalle gehen solle. Damals habe er nicht einmal gewusst, dass Klettern eine Sportart ist. Doch nach wenigen Monaten in einer Kletterhalle in seiner Heimatstadt Lissabon hätte sein Trainer das Talent erkannt. Mit Leichtigkeit erklomm Rodrigo die weltweit anerkannte französische Boulder-Kletter-Skala: Sie beginnt mit 1 (Anfängerniveau) und endet bei 9, wobei jede Ziffer wiederum in A (leicht), B (mittelschwer) und C (schwer) untergliedert ist. Bis heute haben weniger als 20 Extremkletterer die schwerste Boulder-Einstufung, eine 9A, gelöst. Rodrigo erreichte das Niveau 8A in der Halle 9.8 Gravity Climbing in Lissabon.
Doch für ihn ging es nicht immer nur steil bergauf. "Ich dachte, ich wäre tot, als ich in Guia bei einem Outdoor-Klettergebiet sechs Meter tief fiel und mein Fuß auf dem Boden aufschlug. Ich hatte unglaubliches Glück, dass ich ohne irgendwelche Verletzungen aus dieser Situation herauskam."
Mit 13 Jahren hatte er seinen ersten Wettkampf in einem Kletterzentrum in Soure. "Ich saß da, und mein ganzer Körper zitterte. Ich konnte vor lauter Aufregung fast gar nicht mehr vom Stuhl in der Vorbereitungszone aufstehen." Das Ganze läuft wie folgt ab: Sobald ein schriller Piepton erklingt, springen die Kletterer von den Stühlen auf und rennen zu ihrem Boulder. Dort warten sie 15 Sekunden, bis sie dann vier Minuten lang Zeit haben, die vier Meter hohe Wand zu bezwingen. Das ganze Team im Hintergrund, je nach Verein sind das zwischen zwei und 22 Leute, feuert jeden Kletterer an. Man hört, wie die Coaches ihren Schülern Tipps geben, und wenn jemand den Boulder geschafft hat, ertönt ein lautes Klatschen und Jubeln.
Wenn dann erneut der schrille Ton erklingt, müssen alle von der Wand runter. Jetzt haben die Kletterer vier Minuten Pause, in der sie auf ihren Stühlen sitzen, mit dem Rücken zur Wand. Diese Prozedur wiederholt sich noch drei weitere Male, bis sich jeder Wettkämpfer an jedem Boulder versucht hat. Immer mit dem Ziel, möglichst das Top, den letzten höchsten Griff des Boulders, zu erreichen. Mit der Berührung erhält der Wettkämpfer die volle Punktzahl. Auf der Hälfte der Strecke befindet sich eine weitere Zone, dort erhält der Kletterer die Hälfte der Punktzahl.
Nach den vier Durchgängen gibt es eine 30-minütige Pause. Danach beginnt die zweite Runde, mit vier neuen Bouldern in jeweils vier Minuten. Die besten Wettkämpfer jeder Altersklasse ziehen ins Finale ein, wo es vier unterschiedliche Boulder in vier Minuten zu bezwingen gilt. "Ich habe es damals beim ersten Wettkampf sogar auf den vierten Platz geschafft", erinnert sich der heute Sechzehnjährige mit den hell leuchtenden braunen Augen, die durch seine Brille strahlen. Rodrigo wechselte zum Verein Gravity 9.8 in Lissabon, wo 28 Stunden Training pro Woche auf ihn warten, in einem Mix aus Klettern, Flexibilität, Krafttraining und mentalem Training.