Ständig auf dem Sprung

Mara Grewe ist mit den Cheerleadern der Wiesbaden Phantoms Vize-Weltmeisterin.

Nach einem langen Arbeitstag geht es für Mara Grewe nicht nach Hause auf die Couch, sondern direkt ins Training. In der Sporthalle der Diltheyschule in Wiesbaden schallen kurze Kommandos durch den Raum, Turnmatten dämpfen die Schritte, und immer wieder werden dieselben Abläufe wiederholt. Die 18-Jährige aus Hochheim macht eine Ausbildung zur Drogistin und trainiert mehrmals in der Woche Cheerleading bei den Wiesbaden Phantoms. Bei den Spielen des American-Football-Teams heizen sie das Publikum mit ihren Choreographien an. Ihr Team ist der Cheerleadervereinigung Deutschland zugeordnet, ein im American Football Verband Deutschland organisierter Verband. Die Teams messen sich bei Ausscheidungswettbewerben auf Landesebene und auf Bundesebene. Für das Siegerteam des Bundeswettbewerbs geht es zu internationalen Wettkämpfen.

 

"Ich komme nach Hause, ziehe mich schnell um, esse etwas und gehe direkt ins Training", erzählt Mara. Viel Freizeit bleibe nicht. Trotzdem sei das Training mit den anderen 19 Mädchen kein zusätzlicher Stress, sondern Ausgleich zum Alltag. Mit dem Cheerleading begann Mara mit 13 Jahren, nachdem sie die Netflix-Dokumentation "Cheer" gesehen hatte. Eigentlich wollte sie früher anfangen, doch durch die Corona-Pandemie verzögerte sich ihr Einstieg. Nach der Pandemie absolvierte sie ein Probetraining bei den Cheerleadern der Wiesbaden Phantoms. Heute ist sie bei den "Seniors", der Mannschaft der über 17-Jährigen. Was sie am meisten motiviert, ist das Team. "Der Zusammenhalt und das Vertrauen untereinander haben mich fasziniert."

 

Im Team "Phantastics" übernimmt Mara die Positionen Flyer und Front. Das bedeutet, dass sie bei vielen Figuren oben steht und auf ihre Teamkolleginnen angewiesen ist. "Wenn einer nicht aufpasst, kann das richtig schiefgehen." Cheerleading sei deutlich mehr als nur Unterhaltung, sondern ein anspruchsvoller Leistungssport.

 

Von August bis Dezember 2025 bereitete sich das Team intensiv auf die Cheerleading-Weltmeisterschaft in Japan vor. Neben dem normalen Training gab es zusätzliche Einheiten und Unterstützung durch Coaches. Mehrmals pro Woche wurde trainiert, teilweise auch mit speziellen Hilfsmitteln, um die Abläufe zu perfektionieren. "Es war sehr hart", meint Mara. Besonders herausfordernd sei es gewesen, die Belastung aus Ausbildung, Schule und Training gleichzeitig zu bewältigen. "Es gab Momente, in denen ich gezweifelt habe."

 

Am 9. Dezember 2025 reiste das Team als Teil von Team Germany nach Takasaki in Japan, wo am 13. Dezember die Weltmeisterschaft stattfand. Für viele war es die erste Teilnahme auf internationalem Niveau. "Das Level war viel höher als bei Wettkämpfen in Deutschland." Auch die Atmosphäre sei eine andere gewesen. Die Halle war deutlich größer, die 1500 Zuschauer waren viel lauter, überall liefen Teams aus verschiedenen Ländern durch die Aufwärmzonen. Auch die Finanzierung der Reise war nicht einfach. Ein Teil der Kosten wurde über Crowdfunding gedeckt, den Großteil mussten sie selbst bezahlen. Der Wettkampf selbst war für Mara vor allem mit Nervosität verbunden. "Ich war sehr aufgeregt und wollte einfach, dass alles klappt und wir als Team zufrieden sind." Jeder Handgriff musste stimmen.

 

Am Ende sicherte sich das Gastgeberland Japan den ersten Platz, während Mara und ihr Team den zweiten Platz erreichten. Als bei der Siegerehrung klar wurde, dass ihr Team in der Kategorie "Senior Cheerleading All Female" Vize-Weltmeister geworden ist, war die Freude riesig. "Das Gefühl war unbeschreiblich", meint Mara. Der Titel bedeutet ihr viel. "Er zeigt mir, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat. Ich habe mehr Selbstvertrauen bekommen und weiß jetzt, dass ich auch große Ziele erreichen kann."

 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 27.07.2026, Nr. 171, S. 26 - Pauline Brück Friedrich-List-Schule, Wiesbaden

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