Und dann ließ sie die Katze aus dem Sack

Vor vier Jahren eröffnete Simge Aglamaz in Zürich das erste Katzencafé der Schweiz

Zwischen duftenden Crêpes und dem sanften Schnurren auf dem Sofa scheint die Zeit stillzustehen. Ein leises Kichern, das Klirren von Tassen, und irgendwo gähnt ein getigerter Kater, als wolle er sagen: "Nur keine Eile." Ein anderer grauer Kater streift lautlos zwischen den Stuhlbeinen hindurch, während die Gäste ihren Cappuccino trinken. Seit gut vier Jahren gibt es das Casa del Gato in Zürich-Wiedikon, das erste Katzencafé der Schweiz. Die Idee dazu hatte Simge Aglamaz, die Katzenliebe und Kaffeekultur verbinden wollte - ein Konzept, das in Asien schon lange verbreitet ist, in der Schweiz aber Pionierarbeit bedeutete. "Es ist schon lustig, dass ein Katzencafé in Tokio Alltag ist, während es hier für manche immer noch ein wenig ungewöhnlich wirkt", sagt sie und streicht durch ihre dunklen Locken.

 

Schon beim Betreten wird klar, dass das Café nicht bloß Casa del Gato, also "Haus des Katers", heißt, sondern auch eines ist: Katzenspielzeuge und Kissen liegen auf dem Boden, Kratzbäume sind gemütlich in den Ecken eingenistet, und überall hat es kleine Häuschen für die Vierbeiner. Das Café ist so eingerichtet, dass sich die Tiere wohlfühlen. Denn: Die fünfköpfige Katerbande lebt hier. Sie sind die Stars der Show. Und hinter den Kulissen arbeiten Aglamaz und ihre fünf Mitarbeiter.

 

"Mein Job ist sehr abwechslungsreich, das gefällt mir", sagt Aglamaz. Die Sechsunddreißigjährige findet man oft mittwochs bis sonntags im Café - sei es beim Kochen, Servieren oder beim Schmusen mit den Katern. Als Inhaberin habe sie keine Fokusaufgabe, doch wenn Hilfe gebraucht werde, sei sie dabei. Sie ist auch für die Buchhaltung, die Betreuung der Kater und die Tierarztbesuche zuständig. "Ehrlich gesagt kann man den Tag ziemlich schlecht durchplanen. Man steht auf und weiß nicht, ob man 50 oder 400 Kunden haben wird."

 

Bis vor wenigen Jahren noch konnte Aglamaz gar nichts mit Katzen anfangen. Als dann aber der hohe Leistungsdruck in ihrem ehemaligen Job im Digital Marketing ihr das Leben schwer machte, schaffte sie sich zwei Katzen an, als Therapie für ihre gesundheitlichen Beschwerden. Der erholsame Effekt der schnurrenden Vierbeiner und ein wenig Inspiration aus Asien hätten sie dann zur beruflichen Neuorientierung bewogen. Ein Jahr lang arbeitete sie am Konzept, bis sie Anfang 2021 die Türen öffnete. "Ich brauchte dringend eine Abwechslung, also wagte ich es."

 

Die Eröffnung war nicht ohne Schwierigkeiten. "Es ist nicht nur das erste Katzencafé der Schweiz, sondern auch das einzige." Der Grund: Es sei unglaublich schwer, eine Bewilligung für so etwas zu erhalten. Die Schweiz habe im Unterschied zu anderen Ländern strengere Regeln zur Hygiene und, glücklicherweise, auch zum Tierschutz. "Man muss zuerst alles finanzieren können. Und nur wenn man die Tiere wirklich gern hat, ist man auch bereit, so viel Geld für sie zu investieren." Für Aglamaz ergibt das strenge Tierschutzgesetz Sinn. "Letzten Samstag hatte Kater Tiego einen epileptischen Anfall. Also mussten wir schnell reagieren. Er ist nun im Spital, aber ohne vorgegebene Notfallmaßnahmen hätte das schlecht enden können." Betriebe wie das Casa del Gato müssen gemäß Schweizer Tierschutzgesetz genau festlegen, wie im Ernstfall reagiert wird - etwa, wie schnell ein Tierarzt erreichbar ist, ob ein Transport bereitsteht und wer vom Team welche Aufgaben übernimmt. Aglamaz führte ihre Regeln ein: keine Katze streicheln, wenn sie nicht berührt werden will, Kinder nur unter Aufsicht, Tiere nicht füttern oder hochnehmen und ja nicht mit dem Spielzeug hinterherlaufen. Falls die Kater sich doch einmal bedrängt fühlen, können sie sich in ihre eigene Zone zurückziehen: "For cats only". "Regeln sind definitiv wichtig. Sie sind gut für ihren Schutz, denn die Tiere fühlen sich schon mal gestresst, wenn 200 Gäste aus dem Nichts kommen."

 

Aglamaz plant nicht, ihr Team zu vergrößern. "Es funktioniert gut, da wir nur fünf Tage in der Woche offen haben." Sie und ihre Mitarbeiter möchten sich auch Zeit für ein Leben außerhalb des Cafés nehmen. Aglamaz geht gerne laufen, fährt Velo oder spielt Klavier. "Alle brauchen mal eine Pause, auch die Kater. Unsere Kater sind so launisch und unordentlich wie ein schlechter Mitbewohner und dennoch so liebevoll und geduldig wie ein bester Freund." Sie seien so unterschiedlich wie Tag und Nacht. "Tiego ist zu Fremden nicht so offen wie die anderen, schenkt aber denen, denen er vertraut, viel Zuneigung. Leonardo erkennt man direkt am krummen Schwanz. Er ist der Chef und sorgt stets für Ruhe und Ordnung. Fernando nimmt's immer gern gemütlich. Er achtet streng darauf, keine Kalorien zu verbrennen", lacht Aglamaz und nickt dem orangenen, sonnenbadenden Kater zu. "Pedro ist der Rebell der Bande. Er überrascht uns gern mit seinen Jagd- und Kletterkünsten. Wegen ihm bleiben die Nachbarskatzen fern. Dann gibt es noch Cesar. Er ist wie ein kleiner Prinz. Die besten Leckerlis, die gemütlichsten Plätze, die tollsten Spielsachen und Menschen, die ihn vergöttern. Er will einfach alles."

 

Tiego, Leonardo und Fernando sind Maine-Coon-Katzen, eine Rasse, die für ihren großen Bau und die luchsartigen Pinselohren bekannt sind. Pedro und Cesar gehören einer kleineren Rasse an, der Britisch Kurzhaar. Laut Aglamaz habe das Tierschutzgesetz diese Rassen ebenso wie Perser- und Sphynx-Katzen als besonders geeignet für Katzencafés vorgeschlagen, weil sie als ruhig gelten und keinen großen Bewegungsradius benötigen. Sie und ihr Team wissen, dass sie eine große Verantwortung tragen. Manchmal übernachten Mitarbeiter sogar im Café, um den Katern Gesellschaft zu leisten. "Irgendwann werden diese Katzen alt und krank, und man kann dieses Business nicht für immer laufen lassen." Eines sei klar: "Diese Kater werden nie im Tierheim landen."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 07.04.2026, Nr. 80. S. 34 - Jade Jeanbourquin, Kantonsschule Zürcher Oberland, Wetzikon

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