Vorsingen ist einfach ihr Ding

Schon als Baby hörte Zara Kregar gern zu. Die Achtzehnjährige ist heute eine erfolgreiche Sängerin in Slowenien. 2024 wurde sie zum "Gesicht des Jahres" gewählt.

Das "Gesicht des Jahres" ist dezent geschminkt. Ein wenig Eyeliner um ihre dunklen Augen, etwas Rosa auf den Wangen, die schwarzen, langen Haare offen. Zara Kregar trägt ein schlichtes Kleid mit goldenen Knöpfen. Sie ist 18 Jahre alt und Abiturientin am Gymnasium Celje-Center. Die Musikerin hat schon vor Tausenden von Menschen gesungen und auf Einladung der Staatspräsidentin in deren Residenz. Seit ihrem dritten Lebensjahr besucht Zara die Musikschule in Celje. Acht Jahre hat sie Klavier gelernt und vier Jahre klassischen Gesang. "Aber das war nichts für mich. Doch dadurch wurde ein verborgenes Talent entdeckt: Ich habe mich danach für Jazzgesang eingeschrieben."

 

Als Zara 16 war und schon ein paar kleine öffentliche Auftritte hatte, rief sie ein Produzent des slowenischen Fernsehens RTV an. "Ich sang für ihn ein Demo. Er fand es großartig. Auf dem Dach des Senders drehten wir dann ein Musikvideo, improvisierten den ganzen Tag." Es wurde der Eröffnungssong für das Jugendprogramm "Prvic".

 

Während ihres zweiten Schuljahrs am Gymnasium gab Zara bereits 45 Konzerte. Heute dreht sich ihr Leben zu einem großen Teil um Musik. "Ich muss darauf achten, mir bei offenen Fenstern keine Erkältung zu holen, besonders vor einem Auftritt mit einem Vertrag und Honorar", erklärt sie und lacht. Sie genieße bei Auftritten die Kommunikation mit dem Publikum. Zwei eigene Songs hat sie geschrieben, wartet aber noch auf den richtigen Zeitpunkt zur Veröffentlichung.

 

"Bei all meinen Schritten hat mir geholfen, dass ich gerne von den Erfahrungen anderer lerne. Musik ist zwar schon eine Art Beruf für mich geworden, aber noch immer zweitranging. In erster Linie bin ich Gymnasiastin und möchte erfolgreich mein Abitur ablegen. Das ist eine große Herausforderung." Manchmal muss sie sehr früh aufstehen. "In Velenje hatte ich mal einen Auftritt, zu dem ich schon um 4 Uhr mit dem Bus fahren musste. Vor dem Auftritt und hinter der Bühne lernte ich dann für die Schule." Nach dem Unterricht hat sie an drei Tagen in der Woche Einzelstunden in Gesang und zweimal Probe mit der Schulband Slagersi. "Wenn es dann keine Auftritte am Abend gibt, komme ich gegen 18 oder 19 Uhr nach Hause. Und lerne für die Schule. Nur freitags nicht, da entspanne ich, nehme mir Zeit für mich, gehe vielleicht mit Freunden aus oder lege mich früh schlafen."

 

Ein unaufgeregtes Leben - das doch aufgefallen ist. Im Dezember 2024 erhielt Zara in der Nationalgalerie in Ljubljana von Staatspräsidentin Natasa Pirc Musar die Auszeichnung "Faca leta" (Gesicht des Jahres). Für ihr "Talent, Engagement, ihre Authentizität und die Fähigkeit, junge Menschen auf sinnvolle Weise zu inspirieren", erklärt Sonja Merljak Zdovc. Die Journalistin ist Gründerin von "Casoris", Sloweniens einziger Onlinetageszeitung, die speziell für Kinder konzipiert wurde. "Mit 'Faca leta' rücken wir jeden Monat junge Menschen ins Rampenlicht, die etwas Bedeutendes erreicht, Mut, Kreativität oder Freundlichkeit bewiesen oder einen positiven Einfluss auf ihre Gemeinschaft ausgeübt haben, mit denen sich Kinder identifizieren und zu denen sie aufschauen können." Zara wurde im März 2024 von einer Fachjury als "Faca leta" gewählt.

 

Hat diese Auszeichnung sie verändert? "Zara ist sehr bescheiden. Manche in ihrer Klasse wissen nicht einmal, dass sie diesen Preis erhalten hat", sagt Schulleiter Rok Lipnik. Dass sie als Sängerin herausragt, ist vielleicht nicht ganz zufällig. "Meine Frau und ich haben Zara alle Wege selbständig gehen lassen, aber ihre Entscheidungen immer unterstützt", sagt Zaras Vater Tone Kregar. Der 55 Jahre alte promovierte Historiker ist Direktor des Museums für zeitgenössische Geschichte in Celje und das Gesicht von Mi2.

 

"Der Name mag für ausländische Ohren etwas albern klingen, hat aber nichts mit dem britischen Geheimdienst zu tun. Man spricht es als 'mi dva' aus. Übersetzt bedeutet es 'wir zwei'. Das ist der Name unserer Rockband, die 1995 von zwei Freunden gegründet wurde", erklärt Tone Kregar. Gleichzeitig verweise der Name auf eine schöne grammatikalische Besonderheit. "Das Slowenische hat außer Singular und Plural einen Dualis, dazu gehört eben auch 'mi dva'." Seit mehr als 30 Jahren ist Mi2, mittlerweile mit fünf bis sechs Mitgliedern, eine der erfolgreichsten Bands im Land.

 

Tone Kregar ist ihr Songwriter und Sänger. "Meine Frau und ich haben Zara, als sie ein Baby war, immer Lieder vorgesungen und Märchen erzählt. Sehr früh begann sie, selbst zu singen. Als wir erkannten, dass sie Talent und eine starke Motivation hat, haben wir sie im Musikkindergarten angemeldet." Zwar hatte Zara schon mit drei Jahren ihren ersten öffentlichen Auftritt mit ihrem Vater, "vor einem kleinen Publikum", mit dem Lied "O Vrba", nach einem Sonett des slowenischen Nationaldichters France Preseren, arrangiert vom Folkrockmusiker Vlado Kreslin. Aber sie habe von Anfang an ihre eigene Stimme und ihren eigenen Stil gehabt. "Ich bin als Musiker Autodidakt", sagt Tone Kregar. "Und ich kann nur das, was ich kann: Rock 'n' Roll. Zara hat durch ihre Ausbildung ein viel größeres Repertoire. Sie kann zwischen den Genres wechseln, von slowenischen Volks- und Kinderliedern über slowenischen Pop bis zu Rock."

 

Natürlich hatte das Vorbild des Vaters einen Einfluss. "Sie hat mich seit ihrer frühen Kindheit bei Konzerten auf Bühnen oder im Fernsehen erlebt, vielleicht hatte sie deshalb nie Lampenfieber vor einem Mikrofon. Aber ich habe nie Konzerte für sie organisiert oder ihr meine Vorstellungen aufgezwungen." Der Verdienst für ihre Stimme und ihre Konzerte liege ganz bei ihr. Der Vater weiß auch, dass Zara es überhaupt nicht mag, wenn sie als "Tones Tochter vorgestellt wird". Das habe sie auch gar nicht nötig. Mittlerweile wisse sie von Musik viel mehr als er.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH vom 10.08.2026, Nr. 183, S. 26 - Zoya Klara Hrup, Jan Kocivnik Lesjak, Discimus Lab, Videm bei Ptuju/Trzec

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