In seinem Theater in einer Scheune in Kremmen hat Andreas Dalibor schon vielen bekannten Leuten die Bühne bereitet.
Warmes Licht erfüllt den kleinen Saal, als Andreas Dalibor den Lichtschalter betätigt und mit einem "Klick" die Theaterbühne, die Stuhlreihen, die glitzernden Sterne an den Wänden und die Scheinwerfer an der Decke sichtbar werden. Der 67 Jahre alte Theaterbesitzer hat graue, zu einem Zopf gebundene Haare. Er kann sich gut an den Weg zum Erfolg seines Theaters im historischen Scheunenviertel in Kremmen, etwa 30 Kilometer nordwestlich von Berlin, erinnern. In diesem Jahr wird das Theater "tiefste Provinz" 20 Jahre alt.
Seit 2006 bietet es eine Bühne für Kabarett, Comedy, Musik und Lesungen, dort, wo einst Heu und Stroh lagerten. Der Ort sollte eigentlich ein Übungsraum für seine Band "Dalibors Roadshow" werden, doch die Stadt habe ihm geraten, etwas Öffentliches daraus zu machen, um Fördermittel beanspruchen zu können. So bauten die drei Freunde und Bandkollegen eine Bühne ein, und aus der ehemaligen Scheune wurde ein Kulturzentrum, mitten in der tiefsten Provinz Brandenburgs. Anfangs suchte er noch aktiv nach Künstlern, mittlerweile bekommt er "um die 250 Anfragen" jährlich. Und davon kann er nur etwa 30 annehmen.
Früher wurde in der "tiefsten Provinz" häufig politisches Kabarett aufgeführt, doch seit einiger Zeit finden Comedy-Programme mehr Anklang beim Publikum. "Je hochwertiger der Inhalt, desto schwieriger ist es, die Reihen zu füllen. Alle haben genug Mist, der sie beschäftigt, und dann wollen sie einfach mal nur lachen und unterhalten werden. Unser Renner ist 'Emmi & Herr Willnowsky'", sagt der gelernte Diplom-Sozialpädagoge, doch auch Cindy aus Marzahn und Thomas Nicolai seien hier schon auf großes Entzücken gestoßen. Dalibor erinnert sich gern.
Er erzählt von der Berliner Rockband Knorkator, die trotz Wasserrohrbruch und tropfender Decke dem mit Regenschirmen ausgestatteten Publikum ein tolles Programm bot, oder von dem Abend, an dem die Scheune beim Auftritt einer AC/DC-Coverband durch versehentlich angezündete Dekokerzen ganz in dichten Qualm und Ruß gehüllt war. "Die Leute dachten, das gehört zur Show." Jenseits des Programms in seiner Scheune, die auf der Homepage den Leser mit den Worten "Willkommen in der tiefsten Provinz!" begrüßt, organisiert Dalibor im Sommer kleine Festivals im Freien und Familienfeiern in seinem im maritimen Stil eingerichteten Theaterbistro "Kombüse 11". Warum der Name fern der Küste? "Ich sag ja immer, am Ende ist das Meer doch auch nur 200 Kilometer entfernt von hier." Aus einer Musikbox klingt "Tom's Diner" von Suzanne Vega. Das Bistro bildet eine Ergänzung zum rustikalen Theater direkt nebenan.
Dalibor hat sogar mal ein Büchlein geschrieben, das auf seinen Erfahrungen der Arbeit in Kinderheimen beruht, von "Bennis und Matthes", einem Jungen aus einem Heim und seinem Freund aus einer "normalen" Familie. Er singt in zwei Bands, Dalibors Roadshow und Dalibor und die Vorstadtlichter, die Rock mit deutschen Texten beziehungsweise Singer/Songwriter-Musik spielen und gelegentlich in Berlin und Brandenburg auftreten. Als Solokünstler hat er sein drittes Album veröffentlicht: "Der Himmel scheint ein wenig heller". In dem gehe es auch mal in eine politischere Richtung, so der Leadsänger der Band. Er selbst sei großer Fan von Ton Steine Scherben, AC/DC und Rio Reiser.
"Wir waren drei Kinder und teilten uns ein Zimmer, und ich nervte meine Geschwister schon morgens vor der Schule damit, Gitarre zu üben, um besser zu werden." In zwei Jahren möchte er aus dem Theater- und Gastrogeschäft aussteigen. Am liebsten sei ihm ein direkter Nachfolger für das Theater, der die Kultur am Leben hält. "Aber die Leute, die Geld haben und das Gebäude kaufen würden, würden lieber hier wohnen. Und die, die Kultur machen, haben kein Geld."