Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum gilt als das größte reisende Mittelalter-Kultur-Festival der Welt. Timm Schlosser genießt die Festivalatmosphäre mit Handwerkern, Rittern, Musikern, Gauklern und Mägden. "Von Ritterturnieren bis hin zu Feuershows ist alles dabei", berichtet der 18-jährige Oberstufenschüler. Los geht es um acht Uhr morgens. Der Duft von gebratenem Fleisch und frischen Kräutern liegt in der Luft. Schwerter krachen aneinander, Gelächter, Musik und klimpernde Münzen sorgen für eine beachtliche Lautstärke. Händler haben ihre Stände aufgebaut und verkaufen Felle, Weine und Gewürze im Park des Karlsruher Stadtschlosses auf einer Wiesenfläche mit zahlreichen Eichen und Birken.
Edle Ritter stolzieren in glänzenden Rüstungen, um sich mit dem in Lumpen gekleideten Fußvolk zu unterhalten. In feinen Stoff gehüllte Edelleute schreiten mit Hofdamen und Burgfräuleins über die Wiese. Selbst Piraten mischen sich unter das Volk. Schotten in ihren Kilts gehen neben Fabelwesen. Außer den Gewandeten, so nennt man die phantasievoll gekleideten Besucher, tummeln sich auch viele in Alltagskleidung auf dem Festgelände. In einem der Gewandungszelte können sie sich einkleiden - von der Kopfbedeckung bis hin zu Hemden, Mänteln, Hosen, Kleidern, Gürteln und Stiefeln. An weiteren Ständen können die Kostüme mit Halsketten, Amuletten und Armreifen vervollständigt werden. Wer es orientalischer möchte, kann sich eine kunstvolle Hennamalerei auf die Haut zeichnen lassen. Für Goldtaler können die Besucher alles bekommen, was das Herz begehrt. Der Kurs zum Euro beträgt 1:1.
Auch mit Waffen kann sich jeder versorgen. Ob Schwert oder Axt, hier gibt es einiges, was einen Krieger aus alten Tagen ausmacht. Angst macht dies den Besuchern nicht, sie haben die Möglichkeit, die Waffen auszuprobieren und ihr Talent im Bogenschießen oder Axtwerfen auf die Probe zu stellen. Timm Schlosser sagt: "Hier gibt es unzählige Möglichkeiten, komplett in das mittelalterliche Leben einzutauchen. Dafür gibt es extra Mitmachaktionen wie gemeinsame Tänze oder Handwerksarbeiten." Wer es lieber ruhiger angehen möchte, kann sich Vorstellungen ansehen: Hunderte professionelle Darsteller sorgen für aufregende Schwertkämpfe, Artistikund Pferdeshows. Es werden viele Menschen benötigt, um so ein Fest zum Laufen zu bringen. Neben den Showdarstellern gibt es Markthändler, Handwerker, Aufbauhelfer und Brandschutzwachen. Bands spielen mittelalterliche Klänge, Metal und Folk sind beliebt. Die Küche ist speziell. Brötchen werden zu Fladenbroten, Würstchen werden aufgespießt und Eintöpfe in Brotlaiben serviert. Es gibt Spanferkel. Ausgeschenkt wird Honigwein.
Wenn es dunkel wird, weht ein Hauch Romantik durch die Nacht. Ruhe kehrt ein. Hunderte von kleinen Lichtern und flackernden Feuern tanzen ihren stummen Reigen. "Die Fackelläufe sind etwas ganz Besonderes an diesem magischen Tag", sagt Timm Schlosser. Einige Besucher kriechen in die Zelte, die sie im Heerlager aufbauen durften.
Vanessa Preisendörfer, Flörsheim am Main, Graf-Stauffenberg-Gymnasium