Im Münchner Wunderland des verrückten Eismachers
Wer durch die Tür ins Wunderland schlüpft, den erwarten nicht nur die Grinsekatze und die Herzkönigin. Hinter den Theken des "Verrückten Eismachers" in der Amalienstraße 77 in München findet man Geschmacksrichtungen von Gerichten, Süßigkeiten und Getränken aus aller Welt - verarbeitet in Eis. Von Weißwurst, Sushi und Döner über Sachertorte bis hin zu Champagner und Glühwein. Im Eiscafé von Matthias Münz ist die einzige Grenze die eigene Vorstellungskraft. Vor dem Café am Hinterausgang der Ludwig-Maximilians-Universität steht eine lange Schlange. Ein Zeitungsartikel und ein Fernsehbeitrag weckten Neugierde. So entstand ein regelrechter Boom.
"Die Leute kommen des besonderen Erlebnisses wegen. Wir haben jeden Tag andere, neue und ungewöhnliche Sorten im Angebot." Er müsse sich eben das Taschengeld zurückholen, das er als Kind täglich in sieben Kugeln Eis investierte, sagt Münz. "Überhaupt, wenn man so viel Eis isst, wie ich es tue, ist es schon sehr lohnenswert, einen eigenen Laden aufzumachen", erzählt er mit seinem typischen breiten Grinsen.
Das Eismacher-Handwerk erlernte er während seines zweimonatigen Aufenthalts im oberitalienischen Spilimbergo, bei dem er sich mit einem "wundervollen Eismacher" anfreundete. Dieser ließ ihn bei sich arbeiten und verriet ihm seine Rezepte. Die Idee eines Wunderland-Eiscafés zog er jedoch buchstäblich aus seinem Zylinderhut. Denn ohne den wollte er nicht arbeiten.
Der 30-Jährige aus Regensburg erzählt eine Anekdote: Während seiner Werksstudentenzeit bei Siemens wurde er wegen des ständigen Tragens eines Zylinderhutes, ein Spleen von ihm, ermahnt: "Herr Münz, Ihr Hut ist nicht businesskonform!" So brauchte er ein Konzept für eine Tätigkeit, die es ihm ermöglichte, seinen Zylinder zu tragen. Auf den wollte er nämlich auf keinen Fall verzichten. So verbindet der verrückte Eismacher sein Wunderland-Konzept mit extravaganten Eissorten, auch, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Angefangen hat alles mit dem berühmten Biereis, das bei den Studenten sofort der Renner war. Dass am Ende "perverse Eissorten" wie Mehlwürmer- oder Schweinebrateneis dabei herauskommen, hat Münz nicht geplant. Er setzte auch die verrücktesten Ideen der Besucher, die ihre Vorschläge in einen Hut im Laden werfen können, in neue Eissorten um, lässt sich auf Reisen oder durch Kinder inspirieren. Die abgefahrensten Sorten seien Dönereis, "mit oder ohne scharf", Weihnachtsgans- und Grashüpfereis. Dass die Originalzutat enthalten ist, schmeckt man deutlich heraus.
Auf die Frage, was er jetzt in den Wintermonaten macht, lacht er geheimnisvoll. In dieser Zeit hat das Eiscafé nur an besonders schönen Tagen geöffnet. "Ich bin gerade daran, Eis für zu Hause zu entwickeln. Das werde ich in Form von Pulver in kleinen Zylinderhütchen über meinen Webshop verkaufen. Man muss dann selber nur noch Milch und Sahne hinzugeben und es in den Kühlschrank stellen. Fertig ist es!" Dabei werden sowohl alkoholische als auch Sorten mit Schokolade, Vanille und Frucht vertreten sein. Außerdem wird ein Rezeptbuch erscheinen. Warum dann nicht gleich auch Eis im Supermarkt verkaufen? "Das reizt mich eher nicht. So groß wachsen möchte ich gar nicht. Mir ist es wichtiger, alles wirklich selbst zu machen. Für mich zählt die Qualität. Es würden auch meine Vorstellungen von Individualität darunter leiden."
Bei so viel Wunderlichem kann man fast nicht glauben, dass seine Lieblingseissorte ganz normales Pistazieneis ist. Wobei das auch nicht ganz richtig ist, denn seine im Eis verarbeiteten Pistazien wachsen auf Vulkanasche in Sizilien. In München sieht man hin und wieder Menschen, die die sehr speziellen Eissorten wieder ausspucken, oder eine Frau, die für sich zwei und für ihren Hund drei Kugeln Biereis kauft. Filialen gibt es in der Holzstraße im Glockenbachviertel und am Viktualienmarkt.