Hier zapfen und garnieren die Kunden selbst

Eine junge Ernährungswissenschaftlerin betreibt im hessischen Hanau einen Frozen-Yogurt-Laden

Erdbeeren, Gummibärchen, Kiwis, Schokoriegel, Blaubeeren, bunte Streusel und Mandeln. Mit allen diesen Köstlichkeiten und vielen weiteren kann man seinen selbstgestalteten Frozen Yogurt garnieren. Der hauptsächlich aus Joghurt und Milch hergestellte Frozen Yogurt ist ein Trendprodukt der heutigen Zeit. In nahezu jeder Stadt gibt es einen Frozen-Yogurt-Laden. "In Amerika gibt es an jeder Ecke einen Frozen-Yogurt-Laden, da ist eigentlich die Eisdiele die Ausnahme. Der Grund, warum Frozen Yoghurt jetzt überhaupt schnell auf den deutschen Markt kommt, ist die Medienpräsenz", erklärt Friederike Echterhoff. Die junge Mutter ist Besitzerin eines Frozen-Yogurt-Ladens in Hanau am Freiheitsplatz, der den Namen Land of Plenty trägt.

In ihrem Laden, in dem einem die Gerüche von Kaffee, Waffelteig und frischem Obst in die Nase steigen, herrscht das Prinzip der Selbstbedienung. Die erste Station ist die Yogurt-Maschine. Dort kann sich jeder Kunde seine gewünschte Menge der verschiedenen Sorten in seinen Becher zapfen. Danach geht es an die Topping-Theke, wo der Yogurt ganz nach eigenen Wünschen garniert werden kann, sodass ein individuell gestalteter Eisbecher entsteht. Der Yogurt kann im Laden verzehrt oder mitgenommen werden.

"1980 gab es einen Anlauf, dass Frozen Yogurt in Deutschland verkauft werden sollte, das Vorhaben wurde aber nicht verwirklicht. Jetzt hat es sich durchgesetzt, weil es tatsächlich etwas ist, was im amerikanischen Lifestyle integriert ist, an dem man sich heutzutage ein Beispiel nimmt. Das Prinzip, dass jeder den Frozen Yogurt so gestalten kann, wie er möchte, und jeder dies auf seiner medialen Ebene präsentieren kann, hat dazu geführt, dass die Läden nun eine Chance haben zu bestehen." Friederike Echterhoff hat Ernährungswissenschaften studiert und ihre Masterarbeit über Frozen Yogurt geschrieben. Durch ihr angesammeltes Wissen stellt sie den Frozen Yogurt selbst her. Angeboten werden meist drei verschiedene Geschmacksrichtungen, immer im Angebot ist die Sorte Frozen Yogurt Natur, aber auch die Sorten Frozen Yogurt Schoko und Frozen Yogurt Mango werden oft angeboten. Außerdem ist Gründerin und Inhaberin Friederike Echterhoff auch im Besitz eines Diploms zur Herstellung von Speiseeis, sozusagen als zweites Standbein, durch das sie weitere Einnahmen erzielen kann.

Das normale Eis kann bei ihr für den Privatgebrauch erworben oder in Eisdielen weiterverkauft werden. Im Land of Plenty gibt es aber nicht nur Frozen Yogurt, sondern auch Waffeln, Shakes und viele Kaffee-Kreationen. Die Idee, einen Laden zu eröffnen, kam ihr während ihres Auslandssemesters in Amerika. "Da habe ich fast jeden Abend Frozen Yogurt gegessen und mich gefragt, warum es das nicht in Deutschland gibt." Auch heute isst sie noch oft Frozen Yogurt. So eröffnete sie vor fünf Jahren ihr Ladenlokal und gewann dafür ein Jahr später den Hessischen Gründerpreis in der Kategorie mutige Geschäftseröffnung, was sie jedoch eher als blauäugige Geschäftseröffnung beschreibt.

Echterhoff war zur Zeit der Gründung schwanger und ist ein finanzielles Risiko eingegangen. Zudem hatte sie keinerlei Erfahrungen in dem Bereich der Gastronomie. "Ich lebe nach dem kölschen Motto: Et hätt noch immer jot jejange." Bis zu ihrem 19. Lebensjahr lebte Friederike Echterhoff im Rheinland. Ihre Familie, die eine große Rolle in ihrem Leben spielt, stand immer hinter ihr. Heute ist sie verheiratet und Mutter von zwei kleinen Jungen.

Die Verbindung zu Kindern spiegelt sich auch im Laden wider. Neben Wickeltisch und Kinderhockern befindet sich auch unzähliges Spielzeug in der Kinderecke des Lokals. Trotz ihres Erfolgs ist Echterhoff am Boden geblieben. Sie ist selbst jeden Tag im Laden und entwickelt neue Eissorten. Neben ihrem Laden hat sie noch einen mobilen Service. Für Events oder spezielle Anlässe kann man den mobilen Stand mieten. Dennoch beschreibt sie ihr Geschäft als Saisongeschäft. "Im Sommer verdient man viel Geld, aber ab Oktober muss ich aufpassen, dass ich zum Beispiel vermehrt allein arbeite und nicht so viel Personal habe." Zurzeit beschäftigt sie in ihrem Laden fünf Mitarbeiter als Minijobber.

Ein anderes Problem sei die Hemmschwelle, dass ältere Menschen mit dem Begriff Frozen Yogurt in der Regel nichts anfangen können. Echterhoff ist der Meinung, dass man gerade diese Menschen dazu bringen sollte, es zu probieren, da das Prinzip allein schon Spaß mache. "Es ist ja auch ein Vorteil gegenüber normalem Eis, weil du deinen Becher so gestalten kannst, wie du willst. Du kannst dir so viel Eis nehmen, wie du möchtest, und deinen Becher mit den Toppings und Soßen deiner Wahl garnieren. Am Ende wird dein Becher gewogen, und du bezahlst nach der Grammanzahl. Du hast nicht dieses Hindernis, dass du jemandem erklären musst, was du haben willst, sondern kannst den Becher so füllen, wie du es willst." Sie ist zufrieden, dass sie ihre Idee umgesetzt hat, auch wenn es anfangs viel Stress und Arbeit war. "Man ist schon stolz, wenn dir jemand auf der Straße mit einem Eis entgegenkommt und du weißt, dass es deins ist."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2018, Nr. 72, S. 26 - Rebecca Strüter

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