Fischen auf den Fidschis

Reif für die Insel und neue Einsichten: Moritz ist nach dem Abitur um die Welt gereist und für vieles hier dankbarer

Man hat einfach nie mehr im Leben so viel Zeit, während man auch noch so jung ist und voller Entdeckungsdrang steckt." Moritz Klug, 21 Jahre alt, wuschelige braune Haare, studiert Online-Medien-Management in Stuttgart und hat nach dem Abitur eine Weltreise angetreten. Nach zwei Monaten bei einem lokalen Konzern hatte er rund 6000 Euro gespart. Seine Tour, die sich über mehrere Monate zog und auf der seine Freundin Bianca mitreiste, ging um die gesamte Welt. Dabei schliefen sie vor allem in Bungalows und Studentenunterkünften, die sie spontan vor Ort buchten. Viele Ziele ergaben sich kurzfristig. Die Reise begann nach 13 Stunden schlaflosem Flug und Jetlag mit einem Monat Thailand. Die ersten Etappen zeichnete Moritz mit Kamera auf und lud sie als kommentierte Videomontage auf seinem Youtube-Kanal hoch. "Die Landschaft in Thailand, besonders im Khao-Sok-Nationalpark, war atemberaubend. Außerdem ist das Land in vielen Gegenden noch nicht so überrannt von Touristen." Traumhafte Sonnenuntergänge und exotische Tiere wie Elefanten oder sogar giftige Schlangen gehören zur Normalität. Da Thailand ein ziemlich günstiges Urlaubsziel ist, was Flug und Unterkunft angeht, bot es sich als perfekter Einstieg an.

Danach ging es auf die Philippinen. Die Natur wird geprägt von einzigartigen Inseln und Bilderbuch-Stränden. "Es gibt hier einfach unglaublich viele Angebote für Aktivitäten, selbst für den kleineren Geldbeutel." Beliebt ist zum Beispiel das Island-Hopping, bei dem man mit gemietetem Boot von Insel zu Insel fahren kann. "Wenn man Glück hat, bekommt man seine eigene Insel mit Strand komplett für sich."

Das nächste Ziel markierten die Fidschi-Inseln. "Hier hatte ich das Highlight meiner Weltreise", sagt Moritz. Bei Vollmond begab er sich mit einem Guide und drei anderen Männern auf Fischjagd. Nachdem sie zuerst nach alter Fidschi-Tradition ihren Bogen mit einem Stahlpfeil ausgerüstet hatten, begann der Tauchgang. "Der Strand und das lauwarme Wasser haben durch den Mondschein fast schon zauberhaft geglitzert." Nach einer halben Stunde gelang es ihm, einen Hummer zu erlegen. "Das Gefühl, seine eigene Beute zu jagen und zu verzehren, ist auf die primitivste Weise befriedigend. Das sind einfache Dinge, die man nicht mehr wirklich kennt." Beeindruckt von diesen Ereignissen, reiste Moritz weiter in die Vereinigten Staaten. "Amerika und vor allem New York waren schon immer mein persönliches Traumziel." Vor allem der starke Kontrast zwischen vorher besuchten Ländern wie Thailand oder den Fidschi-Inseln und New York war eine völlig neue Erfahrung für ihn. "Nachdem du vorher lange die Natur bestaunt hast, beeindruckt dich eine Massenmetropole wie New York auf ihre ganz eigene Weise."

 

Nach der zweiwöchigen Amerika-Reise von Los Angeles bis nach New York ging es nach Island. Hier zeigt sich die Landschaft in neuen Facetten: Riesige Wasserfälle, kilometerweite Vulkanlandschaften und grünbewachsene Schluchten. "Was mich aber vermutlich am meisten geprägt hat, waren die Menschen in den verschiedenen Ländern. Du bemerkst einfach, dass der Großteil der Erdbevölkerung mit seinen schlechten Lebensumständen klarkommen muss und dass die meisten dieser Leute trotzdem mit einem Lächeln durch den Tag laufen. Selbst die Vereinigten Staaten bilden da keine Ausnahme." Nach der Reise sieht er viele Dinge aus einer anderen Perspektive. Zum Beispiel konsumiere er deutlich bewusster Waren im Hinblick auf die Verhältnisse anderer Länder. "Jetzt habe ich viel mehr Lust auf mein Studium."

 

Natürlich birgt so eine Reise auch Risiken. Betrug und Kriminalität, speziell in ärmeren Ländern, sind sicher eines der größten. "Wenn ein fremder Mann auf dich zukommt und dich mit "Hey mein Freund" anspricht, will er in 90 Prozent der Fälle nur dein Geld." Moritz erlebte das hautnah. Als sie auf der Insel Koh Phangan einen gemieteten Roller zurückbringen, verlangt der Händler plötzlich hohe Entschädigungen für einen angeblichen Fehler am Fahrzeug. "Erst als wir die Polizei eingeschaltet haben, konnten wir das Problem lösen."

 

Die Verständigung klappte gut. "In den meisten Ländern sprechen fast alle aufgrund des Tourismus gut Englisch. Selbst in den kleinsten Dörfern gibt es immer einen, der dich versteht. Das größte Sprachproblem hatten wir ironischerweise in Island, aufgrund des starken Dialekts." Auch an die fremde Natur muss man sich gewöhnen. "Als ich auf den Fidschi-Inseln auf eine Palme geklettert bin, hat mich beim Abreißen der Kokosnuss eine Hornisse am Arm erwischt." Den Stich spürt er noch drei Wochen danach.

Die Frage, ob er jedem so eine Reise empfehlen können, bejaht er klar. "Reisen in andere Länder führt einem vor, was für Chancen man selber hat, die andere nicht haben."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2018, Nr. 126, S. 30 - Paul Endhardt

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