Köstliches aus Portos Confeitaria do Bolhão
Jeden Tag geht José Fernandez in die Confeitaria do Bolhão. Mit ihrer gemütlichen, aber belebten Atmosphäre hat die 1896 gegründete Konditorei noch denselben Charakter wie vor 122 Jahren. Seit 1998 ist Fernandez zweiter Geschäftsleiter der Confeitaria im Herzen von Porto, die zuerst von reichen Leuten besucht wurde: Die Frauen wurden jeden Morgen von ihren Chauffeuren hingefahren, um dort zu frühstücken, damit sie danach ihre frischen Lebensmittel im Mercado do Bolhão kaufen konnten. Immer noch hat die Konditorei dieselbe bemalte hohe Decke mit großen Blumen und nackten Frauen und die schönen Glaswände. "Die traditionellen Kuchen, wie Bolo Rei, Pão de Ló, Pastel de Nata, und unsere eigenen Spezialitäten, die Tigelinha do Bolhão und den typischen Kuchen von São João, gibt es wie immer. Die Brotsorten wurden aber von mir eingeführt", sagt der Besitzer.
BoloRei ist ein typischer Weihnachtskuchen, der mit vielen Obstsorten, wie Kirschen, Orangen, Birnen, Feigen, Kürbis und Trockenfrüchten, gebacken wird. Dieser Kuchen hat die Form eines Rings mit einem Loch in der Mitte, sieht gelblich aus und wird mit Zuckerflecken bestreut. "Ach, unser Pão de Ló wird von allen geschätzt, von unseren Stammkunden, aber auch von den Touristen, die davon in den Reiseführern gelesen haben. Wenn die Personen es probieren, staunen sie, nicht nur wegen der Farbe, sondern auch wegen der weichen Konsistenz des Kuchens", sagt José Fernandez fröhlich. Pão de Ló hat eine intensive gelbe Farbe, wegen der Zutaten, die fast nur Eier und Zucker sind, und ist sehr groß. Pão de Ló wird zu Ostern, aber auch zu Weihnachten und im Karneval gegessen.
Gegen 11 Uhr morgens hört man die lebhaften Gespräche der Touristen und der Stammkunden, die am Frühstückstisch mit Stühlen rücken. Es duftet nach frischen Brötchen und warmen Croissants. "Na klar, unsere Pastéis de Nata wird man nie vergessen! Jeder, der uns besucht, isst auf jeden Fall ein Pastel de Nata! Sogar die Touristen, die nicht wissen, was das ist, fragen uns, welcher der Kuchen das ist, um diese typisch portugiesische Süßigkeit zu probieren." Pastel de Nata heißt in Lissabon Pastel de Belém. Diese Süßigkeit sieht gelbbraun aus, ist von Blätterteig umgeben, die Cremefüllung schmeckt nach Zimt und Zitrone.
Die Confeitaria do Bolhão hat nicht nur Croissants, Brot und Süßspeisen, sondern eine große Anzahl verschiedener Produkte wie Konserven mit Sardinen oder Tintenfisch, Käsesorten und Portwein im Angebot. Der Raum mit den alten Stühlen ist um 17 Uhr voller Gäste. Die großen Vitrinen, die morgens gefüllt waren, sind aber fast leer. "Unsere Tigelinha do Bolhão wird jeden Tag, mehr als zehnmal frisch gebacken! Alle mögen sie, weil sie sich von allen anderen Kuchen unterscheidet. Die Tigelinha do Bolhão ist rund und sieht aus wie ein Pastel de Nata. Sie hat eine Mischung aus Kokosnuss und andere geheime Zutaten. Die Grundlage ist ein Blätterteig, und wenn sie noch heiß ist, hört man wirklich das Geräusch des zerknackenden Blätterteigs", sagt der Geschäftsführer. In Porto ist der Stadtheilige São João. Deswegen haben die Konditoren den Kuchen Bolo de São João erfunden, der nur für den Johannistag gebacken wird. Ende Juni, wenn dieses Fest gefeiert wird, genießen die Portugiesen den salzigen Kuchen, der aus Räucherwurst, Speck, Schinken und Würstchen gemacht wird. Er sieht wie eine große Semmel aus.
"Unsere Konditorei wurde immer sehr besucht. Seit einigen Jahren kommen Touristen aus China, Spanien, Frankreich, Deutschland, um unsere Konditorei kennenzulernen. Das freut uns natürlich", sagt José Fernandez stolz.