Profis suchen seinen Rat

Anwalt Gonçalves hat sich auf den Sport spezialisiert

Fußball wird auch außerhalb des Feldes gespielt, nämlich vor dem Konferenztisch. "Wir sitzen auf einer Seite, sie sitzen auf der anderen", beschreibt José Ricardo Branco Gonçalves seine Arbeitssituation, während er seine Brille zurechtrückt und sich durch den dunkelgrauen Bart fährt. So spielt sich eine Verhandlung ab, wobei nur die beteiligten Sportler, Vermittler oder Vereinsvorsitzende beider Seiten mit den jeweiligen Rechtsanwälten anwesend sind. Interesse für Sport hat der Anwalt schon immer gehabt, was ein Grund dafür war, warum er sich im Jurastudium unter anderem auf Sportrecht spezialisierte. Gonçalves wurde nach der 11. Klasse an der Deutschen Schule zu Porto an der Universidade Católica Portuguesa in der am Atlantik liegenden portugiesischen Stadt zugelassen, wofür er eine Prüfung in Philosophie, Geschichte und portugiesischer Kultur bestehen musste. Damals hat er sich zwischen seinen Lieblingsberufen Inspektor bei der Kriminalpolizei und Rechtsanwalt für den letzteren entschieden. Nach dem 5. Studienjahr hat er ein 18-monatiges Praktikum und eine letzte Prüfung gemacht.

Bei seinem ersten Fall im Sport hat er einen Fußballspieler bei einem Streit mit dessen einstigem Verein verteidigt. "Es ging um eine Lohnforderung. Die ehemalige Mannschaft wollte die Vergütung nicht bezahlen." Solche Fälle gebe es oft. Dies sei seine Hauptaufgabe: Sowohl als Vertreter der Spieler wie der Vereine muss er Streitigkeiten lösen, vorzugsweise außergerichtlich, denn eine heftige Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit zu führen bringe negative Schlagzeilen mit sich, die keiner Seite nütze.

Der 50-Jährige arbeitet hauptsächlich im Fußball, begleitet aber auch Fälle im Handball und im Tennis. "Ich habe als Kind nicht sehr viel Sport getrieben. Mein Vater spielte aber Handball." In seiner Schulzeit war er Torwart. Nachdem er sein Studium beendet hatte, gründete er eine kleine Kanzlei mit zwei Kollegen und später eine größere mit zehn. Heute ist er Partner bei der führenden Anwaltskanzlei Portugals, PLMJ, die 127 Juristen angestellt hat und Niederlassungen in Lissabon, Coimbra, Guimarães, Faro, auf den Azoren, in Porto führt. Sie hat Partnerschaften mit mehreren europäischen Firmen. Die drei Felder, in denen er sich besten auskennt und arbeitet, umfassen Arbeits- und Sportrecht sowie Litigation oder Rechtsstreit. Wie gelangte er zum Sportrecht? "Es sind manchmal besondere Gelegenheiten, die auftauchen." Er hat einen Freund bei Boavista, einem Fußball-Klub der 1. Liga, der ihn um rechtliche Beratung gebeten habe. Seit zwei Jahren ist José Gonçalves Mitglied des Tribunal Arbitral de Desporto, des portugiesischen Schiedsgerichts.

Zu seinen Aufgaben zählen die rechtliche Beratung seiner Kunden, die Begleitung der Sportler und Vereine beispielsweise bei Transfer-Verhandlungen und das Verfassen von Spieler-Arbeitsverträgen. Kürzlich hat er einen Spieler, der ein Angebot von einem anderen Klub bekommen, aber ein weiteres Jahr mit seinem jetzigen Verein einen Vertrag hatte, beraten. Den Namen des Athleten oder des Teams darf er nicht sagen, seine Tätigkeit ist mit strikter Schweigepflicht verbunden, von der ihn nicht mal die Betroffenen entbinden könnten. Um diese Aufgaben zu erfüllen, müsse er "rund um die Uhr arbeiten". Verhandlungen dauern von zwei, drei Tagen bis zu zwei, drei Monaten.

Deutsch zu können sei ein Vorteil, obwohl die meisten portugiesischen Spieler vor allem nach Spanien, Frankreich, England oder China wechseln. Sein Verdienst variiert. Meist handelt es sich um eine vierstellige Pauschale und eine 5- bis 10-prozentige "success fee". In solchen Verhandlungen geht es letztendlich um Millionen von Euro.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2018, Nr. 162, S. 30 - Sara Alves

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