Mit Spikes über Strohballen und künstliche Hügel

Jana ist U-18-Meisterin im Crosslaufen / Die begeisterte Outdoor-Sportlerin hat weit mehr als 100 Läufe hinter sich

Laufen macht immer Spaß", findet Jana Vollert. "Bei der Bewegung an der frischen Luft werden Glückshormone freigesetzt, man fühlt sich, als könnte man ewig weiterlaufen - das muss man selbst ausprobieren." Die schlanke 17-Jährige ist die siebte deutsche U-18-Meisterin im Crosslaufen. Die Streckendistanzen variieren bei dieser Disziplin zwischen drei und fünf Kilometern.

Sie trainiert sechs Mal die Woche nach Trainingsplänen, die ihr der hauptamtliche Teamleiter Lauf im BLV Jörg Stäcker wöchentlich zusammenstellt. Diese bestehen aus Aufwärm- und Koordinationsübungen, wie zum Beispiel Skipping, Anfersen oder Kniehebelauf, sowie verschiedenen Laufeinheiten. In ihnen ist genau festgelegt, wie lange, wie schnell und in welchem Gelände gelaufen werden soll. "Allerdings läuft Jana nicht nur", erläutert der seit 15 Jahren hauptamtliche Trainer, "ein-, zweimal pro Woche geht sie auch schwimmen oder fährt einen Spinning-Kurs mit. Damit ist Jana ein wirklich gutes Vorbild für die Jugendlichen von heute, welche häufig leider wenig bis keinen Sport machen und diese Anstrengung nie erleben. Laufen war vor einigen Jahren noch viel angesagter, hat nun aber leider etwas an Stellenwert verloren. Jana hingegen ist noch ein richtiges Outdoor-Kind."

Zum Laufsport kam sie durch ihre Eltern Elke und Andreas Vollert, beide begeisterte Läufer, die sie schon in jungen Jahren zu Läufen mitnahmen. "Da gibt es häufig Bambiniläufe für die Kleinen, an denen sie teilnahm, sobald sie laufen konnte", erinnert sich ihr Vater, "da war sie gerade mal zwei Jahre alt." Er hat auch einen Tipp für Anfänger: "Sechs Wochen durchhalten und langsam steigern, um den Spaß am Laufen nicht zu verlieren." Nach dieser Zeit ist man fit genug, um eine gute Strecke durchzuhalten und das Laufen dabei genießen zu können. Neben dem Aspekt, dass jeder überall laufen kann, ist der geringe Ausrüstungsaufwand ein großer Vorteil. "Man braucht nur Schuhe mit Spikes, um nicht wegzurutschen", erklärt Jana.

Charakteristisch für Cross sind, im Vergleich zu Marathons oder Triathlons, Hindernisse wie Strohballen oder künstliche Erdhügel, die auf den Strecken überwunden werden müssen. Da diese auch über Wiesen, Felder und durch den Wald führen, sind passende Schuhe unerlässlich, um mit den Füßen guten Halt zu haben. "Bei der Deutschen Meisterschaft im Herbst vor zwei Jahren gab es aufgrund der Witterungsbedingungen Schlammlöcher, in denen mehrere von Janas Gegnern die Schuhe verloren", erinnert sich Jörg Stäcker schmunzelnd, "Crosslauf ist eine der härtesten Disziplinen, sowohl aufgrund der Streckenbeschaffenheit als auch des Wetters, da häufig bei Minustemperaturen gelaufen wird." Als Gefahr im Cross sieht der 47-Jährige Beinverletzungen durch unebene gefrorene Streckenabschnitte, "aber Jana hat ein gutes Auge dafür entwickelt", ergänzt der ehemalige Schwimmer, "ihre Stärken sind ein unheimlich starker Wille, und Kraft durch das Training in profiliertem Gelände um ihre Heimatstadt Schweinfurt."

Dass diese Fähigkeiten auch im Alltag von Vorteil sind, kann Jana direkt bestätigen: In einem Südfrankreich-Urlaub erkundete sie mit ihrer Familie zu Fuß und mit Rad die Gegend, wobei sie sich auf die "back-to-start"-Funktion ihrer GPS-Uhren verließen. "Es dämmerte schon, als wir an einem Fluss feststellen mussten, dass wir auf der falschen Uferseite waren", berichtet die Sportlerin, "wir mussten unsere Schuhe ausziehen und die Mountainbikes durch den Fluss zum anderen Ufer tragen." Lachend fügt sie hinzu: "So kam es ganz unverhofft zu einer Crosslauf-Einheit."

Einmal im Jahr unterzieht sie sich einer sportwissenschaftlichen Untersuchung. "Dabei läuft man auf einem Laufband bei langsamem Tempo", erklärt Jana, "dann wird ein Tropfen Blut, meist aus dem Ohrläppchen, entnommen und der Laktatgehalt gemessen. Anschließend wird das Tempo schrittweise so lange gesteigert, bis man abbrechen muss, weil es zu schnell ist. Währenddessen trägt man eine Maske zur Messung der Atmung und einen Pulsgurt, der die Herzfrequenz aufzeichnet", führt sie weiter aus. "Auch Untersuchungen, wie Herzultraschall, Erstellung eines Blutbilds und Ruhe-EKG-Messungen können Teil eines solchen Tests sein."

Wichtig für die junge Sportlerin der TG Schweinfurt ist auch, dass man gut mit anderen trainieren kann. Oft läuft sie mit der Familie oder Sportlern aus dem Verein. "Beim Vereinstraining sind wir immer um die zehn Leute, aber auch bei Wettläufen entstehen Freundschaften", freut sich Jana lächelnd, "trotz der Konkurrenzsituation." Förderungen durch den Kader gibt es in Form von Lehrgängen und Trainingslagern, wo die besten Läufer Bayerns zusammengezogen werden. Mittlerweile hat sie weit mehr als 100 Läufe absolviert. "Ich möchte mich dahingehend steigern, längere Strecken zu laufen", erläutert die junge Frau ihre Perspektiven, "außerdem möchte ich gerne den Vereinsübungsleiterschein machen". Die Laufsaison ist in vollem Gange, und Jana Vollert ist am Start.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2018, Nr. 162, S. 30 - Joshua Zettelmeier

zurück