Froh über tiefe Gräben

Im Rostocker Zoo leben 4000 Tiere 380 verschiedener Arten aus aller Welt. Eine Sandsteinplastik "Eisbärin mit Jungtier" begrüßt als Wappentier die Besucher. Vor drei Jahren erhielt der Zoo den Preis "Bester Zoo Europas" der Kategorie B. Der von Udo Nagel geleitete Zoo empfängt jährlich zwischen 500000 und 1000000 Besucher und hat neben 36 weiteren Bewerbern den ersten Platz bezüglich der Besucherzahlen errungen. Um die Attraktivität aufrechtzuerhalten, bedarf es vieler Anstrengungen. Investitionsengagement, Bildungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit sind unentbehrlich. Dittmar Brandt vom Zoo-Team, das aus vielen Mitarbeitern und Helfern besteht, arbeitet ehrenamtlich im Darwineum des Zoos. Dort gibt es 150 Tierarten zu entdecken, Galapagos-Riesenschildkröten, Schlammspringer, Schnabeligel und weitere lebende Fossilien. In der Tropenhalle kann man Gorillas, Orang-Utans, Gibbons, Brazza-Meerkatzen, Zwergseidenäffchen und Faultiere sehen, eine Evolutionsausstellung auf Charles Darwins Spuren und moderne Tierhaltung in naturnahen Ökosystemen. In der Kategorie "bester Zoo" werden 50 Kriterien berücksichtigt. "Für mich ist es einfach eine Herzensangelegenheit, ehrenamtlich für den Zoo zu arbeiten", sagt Brandt, der für den Erhalt der Zooschule sorgte. Als ehemaliger Lehrer organisiert er den Lehrereinsatz mit. "Besonders Spaß macht es, dass man mit den Leuten ins Gespräch kommt, ihnen was erklären kann, sie mit viel Freude kommen und dann mit noch mehr Freude wieder nach Hause gehen."

Die Vorgeschichte des Darwineums begann Ende der 1960er Jahre mit der Suche nach einer Möglichkeit, die provisorische Unterkunft der Menschenaffen durch eine artgerechtere Haltung zu ersetzen. Nach Analysen, Gutachten und Genehmigungsverfahren wurde 2011 der Grundstein für den Gebäudekomplex gelegt. Mit dem Darwineum rückte das "spielerische Lernen" in den Vordergrund, der ehemalige Zoologische Garten Rostock verwandelte sich in einen Themen- und Erlebniszoo. Seine Enkelkinder hätten sich dank der Aufklärungsangebote im Zoo Rostock intensiv mit dem Problem der Palmölplantagen, besonders in Indonesien, befasst, die dazu beitragen, dass der Lebensraum für die Orang-Utans vernichtet werde, sagt Brandt.

Heutzutage halte man die Tiere viel naturnäher, das heißt in der Regel in großen Gruppen in Freigehegen und ohne Sichtbarrieren. "Früher hatten wir richtig breite Zäune, bei denen man nicht gut durchblicken konnte. Jetzt haben wir eine Grabenanlage, die sowohl für die Besucher als auch für die Tiere schöner ist. Das ist zum Beispiel auch ein Grund, weshalb wir keine Elefanten mehr halten. Elefanten sind Herdentiere, man müsste sie in einer Herde halten, dafür ist momentan einfach nicht genug Platz. Deshalb gibt es im Darwineum nur noch zwei Menschenaffenarten. Wir haben keine Schimpansen mehr, dafür deutlich mehr Platz, den die anderen benötigen." Zurzeit entsteht mit dem Polarium eine neue Anlage für die Eisbären und Pinguine. "Es wird ein Highlight, an dem man wieder ganzjährig als Besucher etwas zu sehen bekommt", schwärmt Brandt. Kostenpunkt etwa 11 Millionen Euro. Mit dem Eintritt ist es nicht finanzierbar. Spendengelder müssen gesammelt werden.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2018, Nr. 168, S. 26 - Luna El-Omari

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