Seit vielen Jahren steht die ehemalige Bundeswehrkaserne im unterfränkischen Mellrichstadt weitestgehend leer. Seitdem die Soldaten des 352. Panzergrenadierbataillons vor zwölf Jahren die Stadt verließen, sind die Straßen zwischen den Mannschaftsquartieren mit Gras bewachsen, in vielen Gebäuden fehlen die Fensterscheiben, und im Schatten einer Wartungshalle hat es sich ein Katzenpärchen neben einem rostigen Ölfass gemütlich gemacht. Außer einem Motorradfahrschüler, der auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz einen Slalom um die vom Fahrlehrer aufgestellten Pylonen fährt, deutet hier nichts auf menschliche Präsenz hin.
Doch der Schein trügt, denn an manchen Tagen wird es am Rande der ehemaligen Garnisonsstadt so richtig laut: wenn die neuen Rekruten, "Rookies" genannt, kommen, bewaffnet mit Äxten und Motorsägen. Die kräftig gebauten jungen Menschen in Schutzausrüstung, die meisten zwischen 18 und 25 Jahre alt, gehören aber nicht zu einer Spezialeinheit der Bundeswehr. Sie sind Sportler und gehen einer ungewöhnlichen Sportart nach.
Vor fünf Jahren ist ein Teil des ehemaligen Militärgeländes zu einem Trainingscamp der Stihl Timbersports Series, eines internationalen Wettbewerbs im Sportholzfällen umfunktioniert worden. Hier können die Sportler den Ablauf der einzelnen Disziplinen üben und an ihrer Technik feilen und werden auf Wettkämpfe sowie Events vorbereitet.
"Die Timbersports Series wächst und wächst, es interessieren sich immer mehr Menschen für die Sportart", sagt Phillip Vielwerth, Nationaltrainer der deutschen Mannschaft und Leiter des nach ihm benannten Phil's Axmencamp. Vielwerth wohnt mit seiner Familie dort, die trainierenden Sportler können auf dem Gelände kampieren. Er war rund 35 Jahre lang in der Forstwirtschaft tätig und kennt die Herausforderungen. "Im Holzsport kommt es auf die richtigen Techniken an, die über Jahre hinweg antrainiert werden müssen, allein mit körperlicher Kraft wird man in diesem Bereich keine Rekorde aufstellen."
Auf der Welt gibt es mehr als 2000 Athleten, die in der Sportart aktiv sind, darunter einige Frauen, wie Christin Rathke, die für Stihl die Serie in Deutschland betreut, angibt. Interessierte können ein zweitägiges Probetraining absolvieren. "Natürlich müssen wir vor dem Beginn des eigentlichen Trainings sehen, ob sich der Bewerber für die Sportart eignet. Hat jemand zwei linke Hände, dann wird es mit der Ausbildung eher schwierig", lacht Vielwerth. Überzeugt ein Bewerber, kann zeitnah mit der professionellen Ausbildung begonnen werden.
"Da alle Rookies und Profisportler tagsüber ihrem Beruf nachgehen, gestaltet sich ein regelmäßiges Training oft schwierig. Die wenigsten haben nach einem Tag im Büro noch Lust, auf den Trainingsplatz zu gehen und mehrere Stunden lang riesige Holzblöcke zu bearbeiten", erklärt Vielwerth. "Dennoch stehen die meisten Sportler mindestens zweimal die Woche auf dem Platz. Viele machen noch Ausdauer- oder Kraftsport. Das ist für einen gesunden Ausgleich wichtig."
Viele Sportler kommen aus der Forstwirtschaft, was keine Voraussetzung ist, wie Vielwerth betont. "Grundsätzlich ist jeder bei Stihl Timbersports Series willkommen, der mindestens 18 Jahre alt ist und sich für die Sportart eignet. Natürlich haben die Forstwirte einige Vorteile, da sie viele Techniken bereits kennen und im Umgang mit den Motorsägen bestens geschult sind. Außerdem ist das Mindestalter für sie auf 16 Jahre herabgesetzt, da sie mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut sind."
Die Timbersports Series finden auf nationaler wie internationaler Ebene statt und bestehen aus sechs Disziplinen. Beim "Standing Block Chop" wird das Fällen eines Baumes mit der Axt simuliert, während beim "Underhand Chop" ein Holzstück mit 32 Zentimeter Durchmesser von oben durchgehackt werden muss, natürlich alles auf Zeit. "Die Disziplinen haben es in sich", sagt Vielwerth. "Schutzkleidung wie Sicherheitsschuhe, Schnittschutzhosen und Kettensocken sind vorgeschrieben." Schwerere Unfälle hat der Nationaltrainer nicht erlebt: "Unsere Jungs wissen mit den Arbeitsgeräten umzugehen. Kleinere Verletzungen in Form blauer Flecken kamen vor, Schlimmeres hat die Schutzausrüstung aber bisher immer verhindert."
Eine spektakuläre Disziplin ist die "Hotsaw". Dabei gilt es, mit einer getunten Hochleistungsmotorsäge, die zwischen 60 und 80 PS aus einem Viertelliter Hubraum mobilisiert, drei möglichst gleichmäßige Scheiben, "Cookies", von einem waagrecht verankerten Holzblock mit 46 Zentimeter Durchmesser zu schneiden. "Die Kunst dabei ist es, die immense Kraft der Motorsäge zu beherrschen. Die Geschwindigkeit der Kette beträgt mitunter bis zu 240 Stundenkilometer, das sind fast 70 Meter pro Sekunde, dazu kommt noch das hohe Eigengewicht von fast 30 Kilogramm." Entscheidend ist die Technik des Sportlers. "Der Amateur würde beim Startkommando erst die Säge hochheben, dann den Motor starten und mit dem Schnitt beginnen. Der Profi hingegen wirft die Hotsaw schon beim Anheben an, und ergattert sich so einige Zehntelsekunden Vorsprung, die ihm schließlich zum Sieg verhelfen können, um nur einen Punkt zu nennen." Der Weltrekord liegt bei 5,20 Sekunden und wird von dem Deutschen Dirk Braun gehalten.
Obwohl deutsche Sportler eine Vielzahl von Erfolgen einfahren konnten, müssen sie sich in der Gesamtauswertung den Overseas, also Sportlern aus Kanada, Australien und Neuseeland geschlagen geben. "Der Holzsport nimmt in diesen Ländern eine vergleichbare Position ein wie bei uns der Fußball, dort stehen schon die Siebenjährigen mit ihrem Vater am Holzscheit", erzählt Vielwerth. "Wir orientieren uns leistungsmäßig an anderen europäischen Ländern, wie etwa Polen oder der Schweiz."
Neben dem Training ist Vielwerth für das Eventmanagement, die Holzproduktion und nationale Wettkämpfe zuständig. Das drei Hektar große Gelände ist sein Eigentum, aber an Stihl verpachtet. Bei den jeweiligen Disziplinen wird teils Holz verwendet. "Pappelholz, das auch häufig für die Papierherstellung verwendet wird, enthält beispielsweise viele Mineralien, das macht die Sägen schnell stumpf", erklärt Vielwerth. "Für Disziplinen, in denen das Holz mit der Axt bearbeitet werden muss, ist es allerdings gut geeignet, da es relativ weich ist." Die größte Kunst sei die Lagerung: "Frisches Holz enthält viel Feuchtigkeit, und ist damit für den Holzsport ungeeignet. Eine bestimmte Restfeuchte muss jedoch trotzdem vorhanden sein, da das Holz sonst zu spröde wird. Nach über 30 Jahren Erfahrung traue ich mir aber durchaus zu, diese goldene Mitte zu finden", lacht Vielwerth. Er beliefert alle Wettkämpfe der Stihl Timbersports Series innerhalb Deutschlands. "Natürlich hat man eine hohe Verantwortung, die Bedingungen müssen für alle Sportler schließlich gleich sein." Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass die Sportler mit dem Holz unzufrieden sind. "Das ist aber nicht ungewöhnlich. Wenn der Sportler nichts gekonnt hat, dann war immer das Holz oder die Axt schuld", bemerkt er mit einem Lächeln.
Es ist ruhig auf dem Trainingsplatz, die letzten Rookies haben ihr Training gestern abgeschlossen. "Es ist schon ein schönes Gefühl, nach dem Training mit den Jungs bei einem kalten Bier die Abendröte zu genießen und dann noch spontan ein bisschen Axtwerfen zu machen." Solche Momente sind nur von kurzer Dauer. Denn in zwei Tagen ist das nächste Training angesetzt, und dann wird wieder gesägt, gehackt und wieder gesägt - bis in die späten Abendstunden.
Seit vielen Jahren steht die ehemalige Bundeswehrkaserne im unterfränkischen Mellrichstadt weitestgehend leer. Seitdem die Soldaten des 352. Panzergrenadierbataillons vor zwölf Jahren die Stadt verließen, sind die Straßen zwischen den Mannschaftsquartieren mit Gras bewachsen, in vielen Gebäuden fehlen die Fensterscheiben, und im Schatten einer Wartungshalle hat es sich ein Katzenpärchen neben einem rostigen Ölfass gemütlich gemacht. Außer einem Motorradfahrschüler, der auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz einen Slalom um die vom Fahrlehrer aufgestellten Pylonen fährt, deutet hier nichts auf menschliche Präsenz hin.
Doch der Schein trügt, denn an manchen Tagen wird es am Rande der ehemaligen Garnisonsstadt so richtig laut: wenn die neuen Rekruten, "Rookies" genannt, kommen, bewaffnet mit Äxten und Motorsägen. Die kräftig gebauten jungen Menschen in Schutzausrüstung, die meisten zwischen 18 und 25 Jahre alt, gehören aber nicht zu einer Spezialeinheit der Bundeswehr. Sie sind Sportler und gehen einer ungewöhnlichen Sportart nach.
Vor fünf Jahren ist ein Teil des ehemaligen Militärgeländes zu einem Trainingscamp der Stihl Timbersports Series, eines internationalen Wettbewerbs im Sportholzfällen umfunktioniert worden. Hier können die Sportler den Ablauf der einzelnen Disziplinen üben und an ihrer Technik feilen und werden auf Wettkämpfe sowie Events vorbereitet.
"Die Timbersports Series wächst und wächst, es interessieren sich immer mehr Menschen für die Sportart", sagt Phillip Vielwerth, Nationaltrainer der deutschen Mannschaft und Leiter des nach ihm benannten Phil's Axmencamp. Vielwerth wohnt mit seiner Familie dort, die trainierenden Sportler können auf dem Gelände kampieren. Er war rund 35 Jahre lang in der Forstwirtschaft tätig und kennt die Herausforderungen. "Im Holzsport kommt es auf die richtigen Techniken an, die über Jahre hinweg antrainiert werden müssen, allein mit körperlicher Kraft wird man in diesem Bereich keine Rekorde aufstellen."
Auf der Welt gibt es mehr als 2000 Athleten, die in der Sportart aktiv sind, darunter einige Frauen, wie Christin Rathke, die für Stihl die Serie in Deutschland betreut, angibt. Interessierte können ein zweitägiges Probetraining absolvieren. "Natürlich müssen wir vor dem Beginn des eigentlichen Trainings sehen, ob sich der Bewerber für die Sportart eignet. Hat jemand zwei linke Hände, dann wird es mit der Ausbildung eher schwierig", lacht Vielwerth. Überzeugt ein Bewerber, kann zeitnah mit der professionellen Ausbildung begonnen werden.
"Da alle Rookies und Profisportler tagsüber ihrem Beruf nachgehen, gestaltet sich ein regelmäßiges Training oft schwierig. Die wenigsten haben nach einem Tag im Büro noch Lust, auf den Trainingsplatz zu gehen und mehrere Stunden lang riesige Holzblöcke zu bearbeiten", erklärt Vielwerth. "Dennoch stehen die meisten Sportler mindestens zweimal die Woche auf dem Platz. Viele machen noch Ausdauer- oder Kraftsport. Das ist für einen gesunden Ausgleich wichtig."
Viele Sportler kommen aus der Forstwirtschaft, was keine Voraussetzung ist, wie Vielwerth betont. "Grundsätzlich ist jeder bei Stihl Timbersports Series willkommen, der mindestens 18 Jahre alt ist und sich für die Sportart eignet. Natürlich haben die Forstwirte einige Vorteile, da sie viele Techniken bereits kennen und im Umgang mit den Motorsägen bestens geschult sind. Außerdem ist das Mindestalter für sie auf 16 Jahre herabgesetzt, da sie mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut sind."
Die Timbersports Series finden auf nationaler wie internationaler Ebene statt und bestehen aus sechs Disziplinen. Beim "Standing Block Chop" wird das Fällen eines Baumes mit der Axt simuliert, während beim "Underhand Chop" ein Holzstück mit 32 Zentimeter Durchmesser von oben durchgehackt werden muss, natürlich alles auf Zeit. "Die Disziplinen haben es in sich", sagt Vielwerth. "Schutzkleidung wie Sicherheitsschuhe, Schnittschutzhosen und Kettensocken sind vorgeschrieben." Schwerere Unfälle hat der Nationaltrainer nicht erlebt: "Unsere Jungs wissen mit den Arbeitsgeräten umzugehen. Kleinere Verletzungen in Form blauer Flecken kamen vor, Schlimmeres hat die Schutzausrüstung aber bisher immer verhindert."
Eine spektakuläre Disziplin ist die "Hotsaw". Dabei gilt es, mit einer getunten Hochleistungsmotorsäge, die zwischen 60 und 80 PS aus einem Viertelliter Hubraum mobilisiert, drei möglichst gleichmäßige Scheiben, "Cookies", von einem waagrecht verankerten Holzblock mit 46 Zentimeter Durchmesser zu schneiden. "Die Kunst dabei ist es, die immense Kraft der Motorsäge zu beherrschen. Die Geschwindigkeit der Kette beträgt mitunter bis zu 240 Stundenkilometer, das sind fast 70 Meter pro Sekunde, dazu kommt noch das hohe Eigengewicht von fast 30 Kilogramm." Entscheidend ist die Technik des Sportlers. "Der Amateur würde beim Startkommando erst die Säge hochheben, dann den Motor starten und mit dem Schnitt beginnen. Der Profi hingegen wirft die Hotsaw schon beim Anheben an, und ergattert sich so einige Zehntelsekunden Vorsprung, die ihm schließlich zum Sieg verhelfen können, um nur einen Punkt zu nennen." Der Weltrekord liegt bei 5,20 Sekunden und wird von dem Deutschen Dirk Braun gehalten.
Obwohl deutsche Sportler eine Vielzahl von Erfolgen einfahren konnten, müssen sie sich in der Gesamtauswertung den Overseas, also Sportlern aus Kanada, Australien und Neuseeland geschlagen geben. "Der Holzsport nimmt in diesen Ländern eine vergleichbare Position ein wie bei uns der Fußball, dort stehen schon die Siebenjährigen mit ihrem Vater am Holzscheit", erzählt Vielwerth. "Wir orientieren uns leistungsmäßig an anderen europäischen Ländern, wie etwa Polen oder der Schweiz."
Neben dem Training ist Vielwerth für das Eventmanagement, die Holzproduktion und nationale Wettkämpfe zuständig. Das drei Hektar große Gelände ist sein Eigentum, aber an Stihl verpachtet. Bei den jeweiligen Disziplinen wird teils Holz verwendet. "Pappelholz, das auch häufig für die Papierherstellung verwendet wird, enthält beispielsweise viele Mineralien, das macht die Sägen schnell stumpf", erklärt Vielwerth. "Für Disziplinen, in denen das Holz mit der Axt bearbeitet werden muss, ist es allerdings gut geeignet, da es relativ weich ist." Die größte Kunst sei die Lagerung: "Frisches Holz enthält viel Feuchtigkeit, und ist damit für den Holzsport ungeeignet. Eine bestimmte Restfeuchte muss jedoch trotzdem vorhanden sein, da das Holz sonst zu spröde wird. Nach über 30 Jahren Erfahrung traue ich mir aber durchaus zu, diese goldene Mitte zu finden", lacht Vielwerth. Er beliefert alle Wettkämpfe der Stihl Timbersports Series innerhalb Deutschlands. "Natürlich hat man eine hohe Verantwortung, die Bedingungen müssen für alle Sportler schließlich gleich sein." Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass die Sportler mit dem Holz unzufrieden sind. "Das ist aber nicht ungewöhnlich. Wenn der Sportler nichts gekonnt hat, dann war immer das Holz oder die Axt schuld", bemerkt er mit einem Lächeln.
Es ist ruhig auf dem Trainingsplatz, die letzten Rookies haben ihr Training gestern abgeschlossen. "Es ist schon ein schönes Gefühl, nach dem Training mit den Jungs bei einem kalten Bier die Abendröte zu genießen und dann noch spontan ein bisschen Axtwerfen zu machen." Solche Momente sind nur von kurzer Dauer. Denn in zwei Tagen ist das nächste Training angesetzt, und dann wird wieder gesägt, gehackt und wieder gesägt - bis in die späten Abendstunden.