Bei uns sind wirklich alle willkommen", sagt António José und schüttelt die übrigen Krümel auf den Boden. Sofort kommen seine Freunde, die Spatzen, angeflogen und picken sie auf. "Hier soll sich jeder wohl fühlen." Der 57-Jährige mag die Vögel, auch wenn sie seine eigentliche Klientel, die Hunde, schwer beschäftigen. José hat vor sechs Jahren das Soundwich Restaurant am Rande des Stadtparks in Porto zusammen mit seiner Frau Joana Cencastre gegründet, ihre Spezialität: das Hunde-Menü für 4,50 Euro, von denen 50 Cent an die Organisation für Straßenhunde gehen.
Mit 22 Jahren hat José eine Ausbildung zum Kellner gemacht und anschließend in mehreren Restaurants gearbeitet. 2001 eröffnete er zusammen mit einem Freund sein erstes Restaurant in der Innenstadt von Porto. Sein eigentliches Ziel, das Soundwich-Restaurant zu eröffnen, nahm er 2010 in Angriff und überließ dem Freund das andere. Es störte ihn, dass Hunde in keinem Restaurant in Porto willkommen waren. "Wie jammernde Säcke müssen sie immer draußen bleiben", klagt José. Dies wollte er ändern und schuf ein "Dogfriendly, Babyfriendly und Bikefriendly"-Restaurant. Er deutet stolz auf die fünf von Gras überwachsene Fahrradständer. "Für jeden Hund, der mit seinem Frauchen oder Herrchen das Restaurant betritt, gibt es sofort eine Schüssel Wasser. Die muss noch nicht mal bestellt werden." Die Hunde scheinen sich wohl zu fühlen, denn jeder Hund bekommt ein Leckerlie zum Anfang, "und wenn sie sich gut benommen haben, auch noch eins zum Abschied", erzählt er weiter. Mit wedelndem Schwanz liegen sie auf dem Boden. Andere essen gerade ihre Portion Nassfutter, das in einer Metallbox zusammen mit einer weiteren Schüssel Wasser serviert wird. Egal ob Lamm, Rind, Schwein oder Fisch, "hier ist natürlich alles Bio und dem Geschmack meiner Lieblinge angepasst", meint der Chef von Soundwich. Auf der Karte stehen außer dem Hunde-Menü noch reichlich andere typisch-portugiesische Gerichte, wie etwa Fischsuppe, gegrillte Sardinen und Schweinefleisch mit Muscheln. Auf Empfehlung der Küche wird natürlich der Hauswein angeboten.
Im Hintergrund läuft Jazz-Musik, und Hunde wie Menschen scheinen die Ruhe des Stadtparks und die Sonne zu genießen. Leises Meeresrauschen und die Rufe der Möwen untermalen die idyllische Szenerie. "Schon von Anfang an haben wir eine Zusammenarbeit mit dem Jazz-Radio, Smooth FM, und das ist auch einer der Gründe, warum die Hunde sehr gerne zu uns kommen", scherzt der Hundeliebhaber und lacht. Er erzählt von Maggie, einer Hündin, die sogar auf Facebook eine Berühmtheit ist. Sie sei auf jeder Party anwesend und ließe sich von jedermann streicheln. "Sie prahlt richtig vor den anderen Hunden." Hier gebe es auch eine anhängliche Katze, die sich an jedem Hundebesitzer reibe und somit die Hunde provoziere. "Das gefällt denen gar nicht", sagt er und rümpft die Nase. "Zum Glück hört sie wenigstens auf mich und geht auch weg, wenn ich ihr es sage - hier muss ja schließlich einer das Sagen haben."
Der Gasthof ist mit roten Stühlen und Tischen ausgestattet, die über das ganze Gelände verteilt sind. Das ist dem Restaurantbesitzer wichtig. "Denn alle sollen genügend Platz haben und sich gegenseitig aus dem Weg gehen können, gerade wenn sich mal zwei der Rabauken nicht gut verstehen." Soundwich grenzt direkt an den Parque da Cidade, Portos Stadtpark. Das Gelände ist mit roten, auf alt gemachten kleinen Häusern bestückt, in denen mal ein Kiosk, mal eine Sitzgelegenheit oder nur ein Lagerraum zu finden ist.
"Das Soundwich soll kein typisches Restaurant sein, eher ein Platz, wo Hunde wie Menschen und Spatzen zusammen essen und entspannen können", erläutert der kräftig gebaute Portugiese, der schon seit Jugendzeiten mehrere Hunde besitzt. An einem Samstag wie diesem bedienen etwa 15 Angestellte die Gäste. Fünf bis zehn Hunde besuchen am Tag das Soundwich. "Ich denke schon, dass wir unter den Hunden ein angesagter Laden sind", sagt José. Hier gebe es schöne Musik, leckeres Essen und jede Menge Hunde, die sich kennenlernen und miteinander spielen könnten. "Ich bin sehr stolz, dass ich diesen Ort geschaffen habe."