Schwanzwedelnd macht Ally, ein großer, karamellfarbener Bernhardiner-und-Border-Collie-Mischling, einen großen Sprung aus dem Auto. Ihre zwei Besitzerinnen nehmen sie an die Leine und steuern auf ein älteres Haus zu mit einer Tafel neben der Tür. "Salon Hot Dog" steht dort in Buchstaben geschrieben. Die drei Besucher werden von einer Frau mit hellem, zum Zopf geflochtenem Haar mit Handschlag begrüßt. Einladend zeigt die lässig gekleidete Frau in den großen Raum hinter ihr, mit hellem Parkettboden und weißen Regalen, die mit Porzellanhunden und -katzen verziert sind. Unter schwarzweißen Hundebildern steht ein grauer Behandlungstisch, daneben ein kleines Hundeskelett.
Nach einer kurzen Vorbesprechung mit der Besitzerin legt Janine Ruch los. Sie zieht sich einen dunkelgrünen Mantel über, damit ihre Kleider nachher nicht voll Haare sind und kniet sich auf den Boden. "Große Hunde behandle ich lieber am Boden, dem Hund ist es am wohlsten, wo er gerade ist. Ich komme dann auch am schnellsten vorwärts." Ganz so wohl ist es der Hündin aber nicht, als sie beginnt, ihr Unterfell auszubürsten. "Sobald Hunde wissen, dass nichts Komisches passiert, beruhigen sie sich", sagt die 50-Jährige, die seit vier Jahren im Züricher Oberland als Hundecoiffeuse arbeitet. Immer wieder wird Ally mit Leckerli und einem ruhigen "Good girl" beruhigt. Eigentlich habe sie es lieber, wenn die Besitzer nicht bleiben, dann sei der Hund viel ruhiger. "Aber ansonsten behandle ich so große Hunde sehr gern, am liebsten jedoch Katzen", erzählt sie nach der Behandlung. "Mein Job heißt entweder Hundecoiffeur oder Profi-Groomer." Dafür absolvierte sie zwei Jahre lang eine Ausbildung in der Schweiz, was eher ungewöhnlich ist, denn die meisten Leute machen eine fünfwöchige Ausbildung in Deutschland.
Unterdessen kämmt sie die längeren Haare an Hinterteil und Rute. "Das Füdli ist immer heikel, auch an der Rute haben sie es gar nicht gern." Mit beiden Händen und einiger Müh und Not hält die Besitzerin den dreijährigen Hund am Platz. Während der Fellberg nebenan langsam wächst, beginnt die Hündin erschöpft zu hecheln. "Jetzt schneide ich die Haare zwischen den Krallen, an dieser Stelle verfängt sich im Winter sonst Salz und Dreck. Dort sind die meisten Hunde kitzlig." Sie hält die eine Pfote hoch, so dass die Unterseite nach oben zeigt. Schließlich wird noch ein bisschen Dekoration gemacht, die Haare um die Ohren, am Hinterteil und Schwanz werden geschnitten. "Bei den Ohren muss man besonders vorsichtig sein."
"Auf den Namen des Salons bin ich während eines Nachtessens mit Kollegen gekommen. Wir haben ein Brainstorming gemacht, und dann hat einer gesagt Hot Dog", erzählt Ruch lachend. Mit ihrem Westernpferd, einem Nackthund, zwei Katzen und ihrem Ehemann lebt sie in einem Haus mit Garten in Wolfhausen. Die Tierliebhaberin arbeitete eigentlich im Marketingbereich, nach einem schweren Unfall musste sie sich jedoch umorientieren. "Ich hatte schon immer sehr gerne Tiere, vor allem der medizinische Bereich interessiert mich. Eigentlich wollte ich ja Tierärztin werden, das Studium war jedoch zu teuer." Ihren Traum, mit Tieren zu arbeiten, ergab sich doch noch. Neben dem Hundesalon bietet sie seit kurzem auch noch Kristalltherapie und Akupunktur für Tiere an.
Janine Ruch führt die Hündin in einen kleinen Raum mit einer Badewanne, sie mischt ein an den Hund angepasstes Shampoo zusammen. Eine Seitenwand der Badewanne kann man hochschieben, damit der Hund hineinkann. Sie beginnt die Hündin vorsichtig mit einem Schlauch abzuspritzen und massiert ihr das Shampoo ins Fell. Nach einer weiteren Dusche und nachdem die Hundecoiffeuse sie kurz abgetrocknet hat, darf Ally wieder aus der Wanne raus und schüttelt sich zuerst mal ausgiebig. Das weitere Trocknen übernimmt dann ein Föhn. Schwanzwedelnd und mit hoch erhobenem Kopf trabt Ally zurück ins Behandlungszimmer. Jetzt sieht sie wirklich aus wie frisch vom Coiffeur.