Tropfschläuche für duftende Dämme

Die Sonne scheint auf die besetzten Tische, heiteres Stimmengewirr. Es duftet nach Erdbeeren und Kaffee. Kinder schlürfen Erdbeerlimo. Die vielen Räder zeigen, dass der Huberhof ein Etappenziel für Ausflüge ist, wo man sich stärken und mit Obst und Gemüse eindecken kann. Es sind die Klassiker wie Erdbeerkuchen, Erdbeerbecher oder Erdbeer-, Himbeer- und Rosenblütenprosecco und Spargelgerichte, die die Besucher anlocken. Der Huberhof liegt direkt an Deutschlands schönster Galopprennbahn, die den meisten vermutlich als Erstes in den Kopf kommt, denkt man an das idyllische Iffezheim. Mit neuesten Anbaumethoden, Apps zum Ermitteln des Reifegrades ihrer Produkte und expandierendem Gastronomiebereich versucht Familie Huber auf dem neuesten Stand zu sein. Der 1963 von Otmar Huber gegründete Hof bestand ursprünglich aus einer Schweinemast, wobei es schon damals die ersten Erbeerpflanzen gab, berichtet Stefan Huber, Enkel des Gründers. Heute wird der Hof in zweiter und dritter Generation durch die Huber-Familie geführt, von Stefan Huber und seinen Eltern Joachim und Sibylle.

 

Von dem ursprünglichen Hof ist jedoch nur noch wenig zu sehen. Im Laufe der Zeit hat Joachim Huber die Schweinemast und Tierhaltung beendet und den Fokus auf den Ausbau der Obstsortimente gelegt. Zu den Erdbeeren kamen mit der Zeit Himbeeren, Heidelbeeren und vor allem Spargel hinzu.

 

Stefan Huber, ein bodenständiger und hilfsbereiter Mann, bringt sich offensichtlich mit ganzem Herzen in dem Familienunternehmen ein und zeigt voller Stolz den in idyllischer Ortsrandlage liegenden Hof. Die Erdbeeren werden zum größten Teil und Spargel ausschließlich im Freien angepflanzt. Sie wachsen in Erddämmen heran, die mit Planen bedeckt sind, um zum einem die Wärme des Dammes zu regulieren und zum anderen die Dämme von Unkraut freizuhalten. Die Folie, die die Spargeldämme bedeckt, hat eine schwarze und eine weiße Seite. Die schwarze Seite dient zur Erwärmung des Dammes, um Spargel schneller reifen zu lassen. Die weiße Seite schützt bei Bedarf die wärmeempfindlichen Pflanzen vor zu starker Sonneneinstrahlung. In diesen Dämmen befinden sich Tropfschläuche, die eine punktuelle Bewässerung ermöglichen, wodurch unerwünschte breitflächige Düngung und Nährstoffauswaschung verhindert werden. Etwa 30 Prozent der Erdbeeren und alle Himbeeren werden in Folientunneln angepflanzt.

 

Voller Enthusiasmus berichtet Stefan Huber von der Besonderheit, dass in diesen Folientunneln die Bestäubung der Pflanzen nicht wie typisch durch Bienen, sondern durch Hummeln stattfindet. In der Praxis habe sich gezeigt, dass Hummelvölker geeigneter seien, da sie bereits bei niedrigeren Temperaturen fliegen und somit die Pflanzen früher reife Früchte tragen. Alle Erdbeerpflanzen, die im Freien wachsen, würden per Hand eingepflanzt und von Wildbienen befruchtet. Die Folientunnel garantieren eine hohe Qualität, da die Erdbeeren vor Wind und Wetter geschützt sind, worauf ganz besonderer Wert gelegt wird. Himbeeren werden in Töpfen, gefüllt mit gehäckselten Kokosschalen, gepflanzt. Dadurch werden mögliche Krankheiten der Pflanzen vermieden, da das Substrat an Kokosschalen so gut wie keimfrei sei. Huber erklärt, dass er auf Spritzmittel nicht gänzlich verzichten kann, da er auf einen möglichst verlässlichen Ernteertrag angewiesen sei, um seine gesamte Produktpalette im eigenen Hofladen, in dem firmeneigenen Restaurant mit Erdbeer-Café und an einer Vielzahl von Verkaufständen zuverlässig in der Saison anbieten zu können. Darüber hinaus beliefere er Großhändler und örtliche Lebensmittelläden. Besonderen Wert legt er darauf, dass keine Pflanze, die bereits Früchte trägt, mit Spritzmitteln in Berührung kommt.

 

Trotz einer Vielzahl an Möglichkeiten wie Folientunneln sei die Landwirtschaft stark abhängig von Wetterverhältnissen und Umweltveränderungen. Durch starke Regenfälle, Hagel oder immer frühere Hitzeperioden können die Pflanzen massiv geschädigt und die Ernte erheblich beeinträchtigt werden. Umweltbelastungen, wie das regional verbreitete PFC-Problem, gingen auch am Huberhof nicht spurlos vorbei und seien ein Thema, mit dem alles andere als leichtfertig umgegangen werde. Huber erzählt mit ernster Miene, er lasse, um den Qualitätsstandart zu sichern, seine Anbauflächen nicht nur jährlich durch das Landratsamt Rastatt auf Pestizide überprüfen, sondern veranlasse zusätzlich weitere Tests auf eigene Kosten. Zwei ihrer Felder hätten einen grenznahen PFC-Wert, weshalb diese bewusst nicht mehr für den Anbau von Produkten, die in den Lebensmittelkreislauf gelangen könnten, genutzt werden.

 

Der Spargel wird im nahe gelegenen Hügelsheim angebaut, da dort die Böden sandiger und optimal geeignet sind. Huber hat anhand einer App Zugriff auf eine Datenbank, die über Temperatur-, Luftfeuchtigkeits- und Bodenfeuchtigkeitssensoren Aussagen über die Reife der Erdbeeren und des Spargels sowie den Wassergehalt in den Dämmen trifft.

 

Für Restaurant und Büro sind vor allem Stefan Hubers Frau sowie seine Mutter hauptverantwortlich. Doch sei es oftmals ein fließender Übergang der Arbeitsbereiche, denn jeder packe dort an, wo Hilfe benötigt werde. Dieses Miteinander habe sich in den mehr als 50 Jahren nicht verändert.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2018, Nr. 222, S. 26 - Luna Schlotter

zurück