Klemens Kleitsch ist Instrumentenbauer. Der ehemalige Lehramtsreferendar für Musik und Mathematik stellt neben Hackbrettern auch Cembalos, Zithern und Clavichorde her. "Das Wichtigste ist, dass der Ton klar ist." Er beugt sich über das trapezförmige Instrument und schlägt, die Hackbrettschlägel locker in der Hand, ein paar der Seiten an. Der 60-Jährige in seiner ausgewaschenen Jeans und einem blauen Pullover hat eine entspannte Körperhaltung. Die leicht lockigen, graumelierten Haare verleihen ihm etwas Künstlerisches. Feine, leise Töne erfüllen den hellen Ausstellungsraum im ersten Stock des renovierten Bauernhauses. Mit dem blumenbestückten Balkon und dem großen Garten fügt es sich perfekt in die malerische Umgebung ein. Der Kieferbach durchzieht das von Berghängen umsäumte Tal am Rand von Kiefersfelden, 200 Meter von der österreichischen Grenze entfernt, und mündet im Ortsteil Unterkiefer in den Inn.
"Eigentlich schade, dass ich das Hackbrett nicht professionell spielen kann, wo es doch so schön klingt", meint er bedauernd, als die feinen Töne verklingen. Durch seinen Großvater, den Leiter eines Jugendorchesters, kam er schon früh mit verschiedenen Instrumenten in Kontakt. Später spezialisierte er sich auf Klavier und Klarinette und studierte Musik und Mathematik auf Lehramt. "Ich habe schon während meiner Studienzeit Klaviere gestimmt und repariert." Die Ausbildung brach er 1985 während der Referendarzeit ein halbes Jahr vor dem Abschluss ab. "Mir wurde endgültig klar, dass ich als Lehrer völlig ungeeignet war." Bereits am Ende desselben Jahres baute er seinen ersten eigenen Cembalobausatz, einige Jahre später machte er sich offiziell mit Cembalobau selbständig.
Über einen Freund lernte er Karl Heinz Schickhaus kennen, einen bekannten Hackbrettspieler und Lehrer, der ihm zwei originale Barockhackbretter vorführte und ihn damit inspirierte, eigene Hackbretter zu bauen. "Sie sollten klingen wie die Alten, aber sich spielen lassen wie die Neuen", erklärt Kleitsch und berichtet von seinem Weg zu einem optimierten Herstellungsprozess. Beim Betreten seiner Werkstatt, im hinteren Teil des Erdgeschosses, schlägt einem der Geruch von Sägespänen entgegen, begleitet von einem Schwall warmer Luft. In dem kleinen Raum wird jeder Zentimeter an Wand und Decke genutzt, um Werkzeugkisten, Schachteln und verschiedene Hölzer platzsparend unterzubringen. Eine große Werkbank zieht sich über die Längsseite, obwohl die zahllosen Lagerungsmöglichkeiten einen eher überladenen Eindruck machen, scheinen sie einer Ordnung zu folgen. "Dass es so warm ist, liegt daran, dass die Zitherböden trocknen müssen." Kleitsch deutet auf eine Heizung, an der zwei Holzplatten befestigt sind.
40 bis 50 Stunden benötigt er, um ein Hackbrett herzustellen, wobei er hauptsächlich Fichten- und Buchenholz verwendet. "Zuerst müssen die Innenzargen zugeschnitten und aufeinandergesteckt werden." Er zeigt auf eine der vier Streben eines trapezförmigen Gerippes auf der Werkbank. Seine nächsten Arbeitsschritte bestehen darin, den Körper des Instrumentes durch eine Decke und Boden zu ergänzen und die Stege parallel zu den beiden gleichlangen Seiten des Trapezes zu befestigen. Zuletzt spannt er die 125 Saiten des Instruments auf und fixiert sie durch Wirbel, die es zugleich ermöglichen, das Instrument zu stimmen. "Auf dem Instrument lastet ein Zug von bis zu zwei Tonnen." Auch die Schlägel stellt Kleitsch bis auf die Griffe selbst her. "Die Holzgriffe lasse ich von einer Drechslerei herstellen, die Köpfe aus Buchen- oder Birnbaumholz mache ich selber. Das Leder für die Köpfe fixiere ich mit Holzleim." Das Lederstück kann durch andere Materialien ersetzt werden, wodurch eine andere Klangfarbe entsteht. "Das Hackbrett lässt sich vor allem in der Volksmusik finden, aber in den letzten Jahren sind auch modernere Stücke dazugekommen", meint er.
Dem stimmt Heidi Ilgenfritz, Fachberaterin für Hackbrett beim Verband Bayerischer Sing- und Musikschulen in Rosenheim, zu: "Das Hackbrett ist vielseitiger geworden. Neben den Neukompositionen wurden auch zahlreiche klassische Originalwerke wiederentdeckt." Vor sechs Jahren wurde es sogar in den Bundeswettbewerb des Musikförderprojekts "Jugend musiziert" aufgenommen. Heidi Ilgenfritz studierte Hackbrett am Richard-Strauss-Konservatorium München bei Karl-Heinz Schickhaus. Die 50-Jährige unterrichtet mit ihrer Kollegin Anna Resch an der Musikschule Rosenheim 24 von den 618 Schülern und Schülerinnen, die in Bayern an einer Musikschule Hackbrett lernen. Durch ihre Großmutter, die Hackbrett spielte, wurde sie inspiriert, das Instrument zu lernen. Auch die Lebensdauer des Hackbrettes trägt dazu bei, dass es als traditionelles Musikinstrument angesehen wird und Familienmitglieder unterschiedlicher Altersklassen verbindet. Wie Klemens Kleitsch sagt: "Gute Hackbretter überdauern Generationen."