Mit Büffeln gegen die Verbuschung

Ein verregneter Nachmittag am Köllerbach im Saarland. Ein Dutzend dunkelbrauner Büffel traben zum Zaun ihrer Weide und begrüßen Matthias Fösges. Sie lassen sich von ihm füttern und streicheln. Auf dem 13,5 Hektar großen Gelände grasen 13 Wasserbüffel, Bubalus arnee in der Fachsprache. Zwei trächtige Kühe und eine Kuh mit ihrem Kalb werden in wenigen Tagen an ein ähnliches Weideprojekt in der Rheinebene verkauft. "Angefangen hat alles mit der Emma, der Paula und der Fiona", erzählt der 63-Jährige. Diese Kühe kamen im März 2013 nach Köllerbach, einen Monat später folgte ein drei Jahre alter Bulle, Shrek. Im September folgte eine Überraschung: Paula war unerkannt trächtig gewesen und gebar hier das erste Kalb, Frieda.

Den Anfang nahm das Weideprojekt vor sieben Jahren, eingeleitet vom Runden Tisch Landschaft der Stadt Püttlingen. Ein großes Gebiet wurde landwirtschaftlich nicht mehr genutzt, weil es sich nicht mehr lohnte. Um die Verbuschung entlang des Bachs aufzuhalten und die offene Landschaft zu erhalten, starteten mehrere Weideprojekte, eines davon waren die Wasserbüffel. Die ersten Stücke wurden eingezäunt, ein Stall wurde gebaut. Das Gebiet wird durch zwei parallele Wege in drei Teile eingeteilt, zwischen denen die Tiere regelmäßig wechseln. "Das ist nicht nur wichtig für die Büffel, damit sie Abwechslung haben, sondern auch für das Gebiet an sich", erklärt Fösges. Die zur Gattung der Asiatischen Büffel gehörenden Tiere machen ihren Job gut, wie der hochgewachsene Mann an einem Beispiel zeigt: "Hier konnte man früher nicht durch das Unterholz durchgucken, jetzt kann man gerade durchgehen." Natürlich sind die Wasserbüffel auch wählerisch. Es gibt nicht nur Süßgräser, die die Tiere bevorzugen, sondern auch saure Gräser. Sie sind der Grund, warum Wasserbüffel angesiedelt wurden. Herkömmliche Rinder können die sauren Gräser nicht verdauen. Die Büffel fressen nicht nur Gräser, Klee, Breitwegerich, sondern auch Bucheckern, Haselnüsse, Eicheln und Walnüsse; alles, was von den Bäumen so runterfällt. "Wenn du die Wahl zwischen einem Schnitzel und ein bisschen trocken Brot hast, was isst du dann? Das Schnitzel natürlich", lacht Fösges.

Ihren Namen verdanken die Tiere der Tatsache, dass sie besonders in den wärmeren Monaten Abkühlung im Wasser suchen. Dabei bevorzugen sie dreckige Gewässer, damit die Schmutzschicht sie vor Stechmücken schützen kann. Hier können sie im Köllerbach baden oder in von ihnen geschaffenen oder künstlich angelegten Suhlen. Da dieser Sommer so trocken war, mussten Fösges und seine Helfer Wasser in eine Suhle pumpen. Die Büffel haben schon Schlimmeres überstanden: Anfang Juni plagten das Saarland schwere Unwetter. Das Wasser stand auf dem flachen Teil der Weiden bis zu 50 Zentimeter hoch. Die Büffel waren zum Glück auf einem höheren Teil.

Auch drei Koniks, polnische Wildpferde, weiden hier. Wegen des hohen Fischbestands sieht man einen Fischreiher. Dazu kommen Füchse, Hasen, Fasane, Biber, ein Eisvogel und verschiedene Amphibien- und Reptilienarten.

Fösges ist zusammen mit Werner Telke und Günter von dem Broch ehrenamtlich dabei. Er ist der Gärtnermeister der Stadt Püttlingen. Wenn er bald in Pension geht, wird er sich weiter als Hobby um die Büffel kümmern. Das sollte die Tiere freuen, da sie personenbezogen sind. "Letztes Jahr war ich acht Wochen nicht hier, weil ich in Reha war. Als ich wiederkam, stand ich nur am Zaun, da kamen die alle schon angerannt. Als ich reingekommen bin, haben sie sich um mich gedrängt und wollten gestreichelt werden." Auch wenn sie zutraulich sind, sind sie doch stattlich: Mit einer Schulterhöhe von bis zu 180 Zentimetern und einer Spannweite der Hörner von bis zu zwei Metern sind die bis zu einer Tonne schweren Tiere durchaus angsteinflößend. Die Herde wurde schon oft erweitert, 15 Tiere wurden verkauft, mit dem Geld konnte Futter, meistens Heu, für den Winter gekauft werden.

Seit 2013 sind 17 Kälber geboren worden. Eine Kuh, Gerda, gebar ihr Kalb in einem Wasserloch, in dem das Kalb eine Stunde lag, bevor es gerettet werden konnte. Um das unterkühlte Neugeborene aufzuwärmen, rieb Fösges es mit Stroh ein. Dann wollte Gerda ihr Kalb nicht mehr annehmen. Nachdem es dann mit der Nachgeburt eingerieben wurde, akzeptierte sie es. Kaum vier Stunden später fand Fösges das Kalb wieder am Wasser, diesmal war es im Schlamm stecken geblieben. "Da hab ich beschlossen, der verdient einen ganz besonderen Namen. Deshalb heißt er Herkules." Die Wasserbüffel locken jeden Tag zahlreiche Besucher an, die spazieren gehen, Fahrrad fahren oder ihre Hunde ausführen. Fronleichnam ist das Büffelfest. Neben Gemüsesuppe gab es dieses Jahr sogar echte Büffelfrikadellen.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2018, Nr. 293, S. 27 - Gustav Eltze, Teresa Weiten

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