Meterlange Schlangen von Jugendlichen, die vor einem Eingang warten, kennt man hier eigentlich nur, wenn das neuste iPhone in den Läden erscheint oder Justin Bieber in der Stadt übernachtet. Anders in Madrid. Kapital Young heißt der Club, vor dem Teenager voller Erwartung stehen, in der Hoffnung, durch die eiserne Tür gehen zu dürfen. Im Zentrum der Metropole ist der Club zu finden, nicht weit von der U-Bahn-Haltestelle Atocha, die 2004 das Ziel eines islamistischen Anschlags wurde. Doch dieses traumatische Ereignis scheint überwunden zu sein, wenn die Nacht beginnt. Hinter dem Eingang der Diskothek erwarten die Jugendlichen Tanzflächen, die sich über sieben Etagen erstrecken. In jedem Stockwerk dröhnt eine andere spanische Musikrichtung aus den Lautsprechern. Egal ob Trap und Reggaeton. Wer nicht mehr tanzen mag, kann seine Zeit in einer Pizzeria oder Karaokebar verbringen.
Eine junge Madrileña muss sich die Mühe anzustehen nicht machen. Paula Alvarez geht einfach an der Warteschlange vorbei und begrüßt den Türsteher, als würde sie ihn schon ewig kennen. Und das ist der Fall. Seit vier Jahren arbeitet die Schülerin in der Öffentlichkeitsarbeit für Madrids bekanntesten Club, der für Partygänger ab 14 Jahren geöffnet ist. "Es hat mir so gut in dem Club gefallen, dass ich den Chef einfach nach einem Job gefragt habe. Ich wurde Mitglied von einer Gruppe, die Werbung für bestimmte Partys macht, die in der Disco veranstaltet werden", erzählt die 17-Jährige. Es gibt Mottos wie Karneval, Beach Party und Hollywood. Auch auf das Ende der Examen wird angestoßen.
Social Media spielt eine große Rolle, da es Jugendlichen wichtig ist, ihr Leben vor anderen so perfekt wie möglich darzustellen. Diese Tatsache macht sich Kapital Young zunutze, indem der Club mehr als 250 Jugendliche engagiert, um Werbung über ihre sozialen Medien zu verbreiten. Sie veröffentlichen Flyer über die Partys auf ihrem Instagramprofil und filmen sich, wie sie Spaß haben.
Durch ihr Engagement hat sich Paula Alvarez zu dem Posten als "Boss" der Gruppe hochgearbeitet. Nun bespricht sie mit den anderen Jugendlichen, wie sie die nächste Party organisieren wollen. Samstags treffen sie sich meistens in einer Gruppe von 50 Personen, am Dienstag findet ein Treffen mit den Chefs statt. Von jeglicher anderen Art von Arbeit, die in einem Club nun mal anfällt, halten sich Minderjährige jedoch fern. Die Jobs des Baristas oder des Türstehers sind und bleiben die Aufgaben von Erwachsenen.
Als Schülerin im letzten Jahrgang des "instituto", eines spanischen Gymnasiums, bleibt nicht viel Freizeit übrig, die meiste Zeit ist für das Arbeiten und Lernen verplant. Die Spanierin betont, es mache sie glücklich, neuen Mitarbeitern zu helfen, sich einzuarbeiten und deren Fortschritte zu sehen. Sie gibt den Neueinsteigern Tipps, wie sie durch Werbung neue Gäste gewinnen können. Durch jeden Gast, der durch ihre Flyer angelockt wird, erhalten sie einen finanziellen Bonus.
Obwohl man die Spanier als temperamentvoll kennt, kommen Streitereien selten vor. "Wir verstehen uns einfach alle immer gut, weil wir uns und unsere Arbeit gegenseitig respektieren." Neben ihren voluminös gelockten Haaren fällt Paulas sportliche Figur auf. Die hat sie wohl dadurch, dass sie im Club bis zur siebten Etage Treppen laufen muss. Nach ihrem Abschluss will sie Psychologie studieren. Sie ist sich nicht sicher, ob sie als 25-Jährige noch die Geduld und das Verständnis hat, um mit pubertierenden Teenagern zusammenzuarbeiten. Bisher genießt sie die Folgen ihrer Arbeit. Längst hat sie auf Instagram die 3000-Follower-Marke geknackt, mehr als 600 Menschen drücken den "Gefällt mir"-Button unter ihren Bildern. Immer wieder wird sie auf den Straßen von fremden Menschen begrüßt. Da der Club eine hohe Popularität in ganz Spanien besitzt, kommen oft Prominente zu Besuch. So war Ivan Sanchez im "kapi" zu Gast. Durch die Kuppel-Show "Mujeres y hombres y viceversa", "Frauen und Männer und umgekehrt", erlangte er einen C-Promi-Status und verdreht nun der spanischen Jugend den Kopf. Paula erlebt Stars und Sternchen hautnah und findet es aufregend, mit ihnen Fotos zu machen.