Wohnen mit Alligator

Orazio Martino erfüllt sich einen Kindheitstraum

Für die italienische Polizei war ich zu klein, deswegen verdiente ich mein Geld anfangs als Gastronom", beginnt Orazio Martino seine Geschichte, wie er zum Privatzoohalter wurde. Der gebürtige Römer begeisterte sich früh für Reptilien. In seinem Restaurant konnte man Kaimane bewundern, die er in einer deutschen Zoohandlung gekauft hatte. Heute betreibt das ehemalige Heimkind den behördlich genehmigten Privatzoo "L'alligatore". "Es kamen immer mehr Menschen zu mir nach Hause, um Berta und Blacky, meine Mississippi-Alligatoren zu sehen", berichtet der 60-Jährige. Blacky war ein beschlagnahmter Alligator, den sich ein Tourist aus den Vereinigten Staaten an den Oberschenkel geklebt hatte. "Ich werde oft von Privatleuten als auch von der Feuerwehr, Polizei oder dem Zoll angefragt, wenn Tiere abgegeben werden sollen oder gefunden werden, wie zum Beispiel Blacky." Ihn und Berta verkaufte er nach 30 Jahren schweren Herzen nach Landau. "Sie wurden zu groß für das Becken. Ich habe sie weggeben müssen, natürlich nur als Pärchen."

 

Den Nachwuchs Primo hat er behalten. Heute lebt nicht nur der mittlerweile ausgewachsene Alligator Primo in Martinos Haus in Dietzenbach, hier leben auch ungefähr andere 100 Tiere, dazu gehören Pythons, Kaimane, Vogelspinnen, Skorpione, Aga-Kröten, Leguane und Bartagame. Die Kosten für Wasser, Strom und Futter betragen um die 5000 Euro im Monat. Außerdem gibt es noch die Blaustirnamazone Giacomo, den anhänglichen grünen Papagei auf Martinos Schulter. "Er ist mein Markenzeichen geworden, deswegen bin ich ,der Mann mit dem Papagei'." In seiner Khaki-Kleidung war er oft mit seinen Alligatoren und Schlangen Gast bei Fernsehshows wie dem "Dschungelcamp" und "Germanys Next Topmodel". Giacomo ging mit seiner "Knabber-Attacke" auf Dieter Bohlen durchs Netz.

 

Immer wieder gibt es Anfeindungen von Tierschutzorganisationen und Privatpersonen, da die Präsentation der Tiere, ob zu Hause oder auf der Bühne, kritisch gesehen wird. Martino betont, dass er alle Auflagen in Sachen Artenschutz erfüllt. Große Anlagen im Keller bieten den Kaimanen und dem Alligator Platz, Terrarien und Einrichtungen hat er oft selbst gebaut und eingerichtet. Seine Lieblinge fressen im Monat 50 bis 60 Futtertiere, meist Mäuse, dazu kommen Insekten wie Heuschrecken und Heimchen.

 

"Was wir machen, fasziniert die Menschen, gerade für Kinder ist es eine spektakuläre Gelegenheit, den Exoten nahezukommen und was zu lernen. Mädchen sind meist mutiger als die Jungs." Das Wohnzimmer kann man als Vorführ- oder Showraum bezeichnen. Der Geruch erinnert an ein Gewächshaus. Auch hier stehen Terrarien. Durch eine große Glaswand kann man Primo im Untergeschoss bewundern. Hinter einer Tür führt eine Treppe hinunter zum Alligatorbecken. Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind sofort spürbar.

 

Die Zuschauer haben die Gelegenheit, Schlangen, Spinnen und Agamen selbst in die Hand zu nehmen. Mit transportablen Terrarien macht sich Martino auf Anfrage auf den Weg in Möbelhäuser, Einkaufs- oder Gartenzentren. Dort lockt der quirlige Italiener mit Entertainerqualitäten Gäste an. "Mir ist es wichtig, den Leuten die Tiere näherzubringen. Von der Küche aus hört man Primo ins Wasser steigen. Martino hat keine Angst, ihn mit der Hand zu füttern. "Ich kenne meine Tiere und weiß, wie sie drauf sind."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2019, Nr. 65, S. 30 - Sandra Ajmal

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