Alles ist dunkel, als um 3 Uhr mitten in der Nacht ein ohrenbetäubendes Geräusch ertönt. Jetzt aber schnell die Kleidung anziehen, noch einen Kuss auf die Stirn der Freundin, und schon geht es zügig aus der Haustür raus. Und in diesem Moment rasen, wie jedes Mal, die ganzen, aber dennoch gleichbleibenden Fragen durch den Kopf: Gibt es Verletzte oder gar Tote? Wie wird es vor Ort aussehen? Kann ich mich, bevor meine Arbeit beginnt, noch einmal hinlegen?
All das passiert im Leben von Benjamin Horn häufiger, denn er ist Feuerwehrmann in der freiwilligen Feuerwehr in Glashütten im Taunus. Schon im Kindesalter beteiligte er sich aktiv in der Jugendfeuerwehr, und seit vier Jahren ist er bisher bei mehr als 150 Einsätzen vor Ort gewesen.
"In meiner Familie waren die Männer schon immer bei der Feuerwehr", berichtet der 21-Jährige, der hauptberuflich als Dachdecker tätig ist. Aber nicht nur dies hat ihn dazu gebracht ein Feuerwehrmann zu werden. "Bei der Feuerwehr wird Kameradschaft ganz großgeschrieben, schließlich fahren wir, egal wann, zusammen raus und hoffen alle, dass wir unversehrt zu unseren Familien zurückkommen können. Das ist und bleibt einer der Hauptgründe, weshalb ich bei der Feuerwehr bin."
Eine ganz besondere Herausforderung sei es, Einsätze unter Atemschutz zu bewältigen. Denn hierfür sind eine spezielle Ausbildung sowie eine körperliche Prüfung erforderlich. "Die Sicht bei einem Atemschutzeinsatz ist aufgrund der Maske ohnehin schon beschränkt, was durch den Rauch, die Hitze und die körperliche Belastung auch nicht besser wird - im Gegenteil." Der große, braunhaarige junge Mann hat zahlreiche Seminare und Lehrgänge zur Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen, trotzdem kann er sagen, dass kein Einsatz einem anderen gleicht und man niemanden exakt auf jedes Szenario vorbereiten kann.
Zwei Einsätze, bei denen die 300 Bar in der Flasche mit Sauerstoff-Stickstoff-Gemisch auf seinem Rücken ihm und auch teilweise anderen Menschen das Leben gerettet haben, bleiben ihm nach wie vor in Erinnerung. Bei einem Großbrand im Dachstuhl eines Fachwerkhauses im nahe gelegenen Königstein im Taunus war er mitten im Geschehen und konnte bei der Eingrenzung des Schadens zusammen mit weiteren 100 Rettungskräften helfen. "Dabei merkt man wieder einmal, wie schnell ein Feuer dir deine Existenz nehmen kann", erkennt Horn.
Für ihn gibt es einen Einsatz, an den er sich vermutlich sein ganzes Leben lang erinnern wird. Dabei brannte laut seiner Aussage ein Dachstuhl in Oberems, einem Ortsteil der Gemeinde Glashütten. "Es war für mich der erste Einsatz unter Atemschutz, wobei noch dazukam, dass ich in einem Einsatztrupp mit meinem Vater war. Im Innenangriff war ich plötzlich schockiert, als ich sah, dass ein Kollege von der freiwilligen Feuerwehr aus der Nachbargemeinde mit dem Bein durch den Dachboden krachte und stecken blieb", erzählt er mit hoher Stimme. "Doch zum Glück ist alles gut ausgegangen, ohne schwerwiegende Verletzungen."
Aber die Freiwillige Feuerwehr löscht nicht nur Brände. Es spielt keine Rolle, ob es sich um Verkehrsunfälle, umgefallene Bäume, Türöffnungen oder andere Aufgaben handelt, die Männer und Frauen von Glashütten sind zahlreich und hilfsbereit vor Ort, wenn es zu Schwierigkeiten kommt, und das gleich bei welchem Wetter, um welche Uhrzeit oder in welcher Lebenslage.
Umso schockierender sind die ab und an zu hörenden Aussagen von Außenstehenden, die der Meinung sind, dass die Feuerwehrmänner und -frauen "sich nicht so anstellen sollen", schließlich würden sie ja dafür bezahlt. Doch das ist nicht der Fall. Sie riskieren bei vielen Einsätzen ihr Leben, bilden sich in ihrer Freizeit weiter, trainieren jahrelang, um auf alle möglichen Szenarien bestmöglich vorbereitet zu sein, und sind allzeit bereit, weiterzumachen, auch wenn die Situationen psychische und physische Schäden hinterlassen können. Selbst neben dem Vollzeitjob sorgen sie für ein sicheres Umfeld, helfen, wo sie nur können.