Die Sonne brennt. Kommen noch Strand und Musik dazu, entsteht Urlaubsatmosphäre. Wer Sport treiben möchte, der landet meistens bei Beachvolleyball oder Beachsoccer. Mittlerweile wird eine andere Sportart im Sand immer attraktiver: Beachhandball. "Viele Handballer sehen es als eine spaßige Alternative zur stinkenden Halle", erklärt Carsten Zander vom VfV Spandau, der mit seiner Mannschaft von Mai an Beachhandball trainiert. Es sei zwar schwierig, die Sportart mit Hallenhandball zu vergleichen, da es viele andere Regeln gebe, doch beide Sportarten hätten denselben Kern: zwei Teams, zwei Tore und ein Handball. Deshalb nutzt der 36-jährige Tischler, der in seiner Freizeit selbst Handball spielt, diese Abwechslung mit seiner Mannschaft aus 15- bis 18-jährigen Jungs nicht nur zum Spaß, sondern auch, um sie auf die kommende Saison vorzubereiten.
Das Spielfeld ist kleiner als das normale Handballfeld, und es spielen inklusive Torwart vier gegen vier. Eine weitere Besonderheit ist, dass der Torwart auch mit in den Angriff geht und dass somit immer eine Überzahl entsteht. So wird das Spiel besonders schnell. Zusätzlicher Geschwindigkeitsfaktor ist, dass zu jeder Zeit ausgewechselt werden kann. Beide Mannschaften mit je zehn Spielern haben ihre eigene Auswechselseite, das heißt wenn beispielsweise vorne ein Spieler vom Spielfeld rennt, kann sich hinten ein neuer Spieler aufs Feld begeben. "Beachhandball ist einfach noch spektakulärer als Hallenhandball und deshalb auch was fürs Auge", sagt ein Zuschauer. Dies wird bestärkt durch ein ganz anderes Punktesystem. Es gibt für bestimmte Tricktore zwei Punkte anstatt einem Punkt. Ständig sieht man Spieler und Spielerinnen, die sich einmal komplett um die eigene Achse drehen und dabei, während sie in der Luft stehen, aufs Tor werfen. Nicht nur diese "Pirouetten" zählen zwei Punkte, sondern auch "Kempa-Tore". Dieser Trickwurf ist ebenfalls beim Hallenhandball bekannt. Der Ball wird jemandem in der Luft zugespielt und muss, bevor der Boden wieder berührt wird, abgeworfen sein. Auch die Würfe der Torhüter zählen beim Beachhandball doppelt.
"Es gibt zwei Halbzeiten, die jeweils zehn Minuten lang sind. Gewinnen beide Mannschaften jeweils eine Halbzeit, entscheidet ein Shootout darüber, wer das Match gewinnt. Hier bestimmen beide Teams je fünf Schützen, die ähnlich wie beim Elfmeterschießen nur noch den Torwart vor sich haben. Auch hierbei gilt das Punktesystem", erklärt Zander. "Im Gegensatz zur Halle gibt es fast keine Fouls, da Beachhandball ohne Körperkontakt gespielt wird, und ich finde, dass es unter den Spielern einfach genial ist, weil es mehr ein Miteinander ist und kein Gegeneinander", hebt Denise Westhäusler hervor, die seit 2017 im Deutschen Handballbund Beachhandballkoordinatorin ist. Die 30-jährige Senatsangestellte ist die Hauptorganisatorin der Beachhandballturniere in Beach Mitte, dem größten Sandkasten Berlins. Hier werden jährlich die Berliner Meisterschaften in allen Altersklassen ausgetragen. Auch dieses Jahr wurden die Sandkörner aufgewirbelt, um den neuen Meister auszuspielen. Das Team von Carsten Zander holte 2018 den Titel im A-Jugend-Bereich, nachdem sie 2017 den zweiten Platz belegten. "Im Vordergrund sollte natürlich ganz klar der Spaß stehen und dass sich niemand verletzt, aber wenn man es ein bisschen ernsthafter betreibt, will man natürlich auch gewinnen. Als Trainer ist es ganz klar mein Ziel, noch viel mehr Jugendliche von diesem Sport zu begeistern. Eventuell will ich dann versuchen, mit meiner A-Jugend zur deutschen Meisterschaft bei den Männern zu kommen", sagt Zander. Die seit 2015 wiederbelebten offiziellen Meisterschaften des DHB werden ebenfalls in Berlin ausgetragen. 2018 wurden die Teams "Beach & Da Gang" aus Münster bei den Männern und "Strandgeflüster" aus Minden bei den Frauen deutscher Meister, die sich zuvor bei Turnieren qualifiziert haben. Mit dem Titelgewinn buchten beide Mannschaften zugleich das Ticket für den Ende Oktober auf Sizilien ausgetragenen EHF Beachhandball Champions Cup.
"Meine Ziele sind es, den Beachhandball auf DHB-Level so weit wie möglich nach vorne zu bringen", sagt Westhäusler. "Es steckt eine Menge Potential in diesem Sport. Ich bin mir sicher, dass Beachhandball irgendwann ganz oben mitspielt, da es nicht nur für die Spieler selbst ein Riesenspaß ist, sondern weil auch die Zuschauer viel Freude daran haben. Es wird einfach nicht langweilig. Ich denke sogar, dass sich Beachhandball ähnlich etablieren könnte wie Beachvolleyball, aber wir sind noch weit davon entfernt, weil einfach auch die Anlagen fehlen. Wir können nicht einfach die Beachvolleyballplätze benutzen, da diese viel kleiner sind."
Gefördert wird der Sport bisher fast nur mit privaten Geldern und nicht vom Bund, was die Ausdehnung zum Breitensport verlangsamt. Seit 2004 gibt es ebenfalls die IHF Beachhandball World Championship, bei der die Nationalmannschaften der Länder um den Weltmeistertitel beachen. In Russland wurden die Champions von 2018 ausgespielt. Ende des Jahres wird darüber entschieden, ob Beachhandball in das olympische Programm für 2024 in Paris aufgenommen wird.