Das Eichenholz knistert und kracht. Die Würstchen brutzeln, die Gesichter glühen, die Augen der Jugendlichen leuchten beim Blick ins Feuer. Mit einem "Wer von euch hat denn schon wieder das Zelt offen gelassen?" wird die romantische Atmosphäre zerstört. Jetzt ist die nächste Mücke im Zelt, die die ganze Nacht summend auf sich aufmerksam machen wird. Wenn mit einer Packung Butterkekse versucht wird, Insekten zu verscheuchen, während andere am Lagerfeuer sitzen, dann ist es Camping.
Es ist ein langer Weg auf den Campingplatz Weihersee in Ebrach, einem Dorf zwischen Würzburg und Bamberg. Montags in der Früh treffen sich sechs ferienreife Schüler am Hauptbahnhof in Aschaffenburg, unausgeschlafen, aber voller Vorfreude. Das Gepäck, das aussieht, als würden zehn Leute reisen, wird mühselig in den Zug nach Bamberg geschafft. Jedem fallen Dinge ein, die er vergessen hat: Tee, Süßigkeiten, Öl...
Nach zwei Stunden Zugfahrt nach Bamberg, einer Stunde im Bus bis auf den Marktplatz Ebrach und einer halben Stunde Fußweg in der brennenden Sonne wird das Ziel erreicht. Die Idylle des abgelegenen Zeltplatzes zieht alle in ihren Bann. Ein Weg führt über eine Wiese an einem Bach entlang. Fern von alltäglichen Pflichten beginnt der Aufenthalt in einer anderen Welt. Besitzer Roland S. Lederer zeigt stolz seinen Platz, der die nächsten sechs Tage ihr Zuhause sein wird. Ein gepflegter Platz mit eigenem Jugendplatz. "Wir hatten übermäßig viel Platz nur für uns, und der Besitzer war auch super nett", wird Janina auf der Heimreise schwärmen.
Bei der Besichtigung des Dorfes am nächsten Tag herrscht Verwunderung über die Frage, von was die 1800 Seelen, die hier zu Hause sind, leben. Bis auf eine Bäckerei ist jeder Laden entweder wegen Urlaub oder für immer geschlossen; das einzig Lebendige ist eine Justizvollzugsanstalt. Zuerst wurde das pompöse Gebäude mit seinen vielen Ornamenten für ein Schloss gehalten. Von den Jugendlichen wird Ebrach als "bauernhaft, urig, tot und von der Welt abgekapselt" beschrieben. All das verleiht dem kleinen Ort die mystische Atmosphäre eines verlassenen Dorfes, genau wie man es aus Horrorfilmen kennt.
Um zu einem Supermarkt zu gelangen, muss man mit dem Bus vier Dörfer weiterfahren, wo dann doch nur ein winziger Kiosk zu finden ist. Der Rückweg wird per Anhalter angetreten, da aus irgendeinem Grund kein Bus in die andere Richtung fährt. Also heißt es Daumen hoch und abwarten.
Fei, der schwarzhaarige Küchenkünstler, kümmert sich in der Zwischenzeit um das Essen. Die Duftfahne von Tortellini mit Buttersoße zieht zu den anderen rüber. Diese erholen sich vom erschöpfenden Nichtstun in den ausgefransten Campingstühlen bei einer Runde Black Storys, einem Spiel, bei dem man mysteriöse Mordgeschichten auflösen muss. Von wegen Dosenfraß und Fertigessen, von wegen Camping-Klischee. Der Plan sieht Nudeln und Reis, Gemüse und Obst, Kartoffelpuffer und Milchreis vor.
In anderen Bereichen gibt es durchaus Luft nach oben. Lars und Fei vermissen ein "weiches Bett", Musikerin Mai-Linh hätte gerne "ein richtiges Badezimmer", und Janina sehnt sich danach, "an einem Tisch zu essen und auf Stühlen zu sitzen". Doch was wäre Camping, wenn man nichts von alledem vermissen würde? Wenn man nicht genervt wäre von juckenden Mückenstichen, von der Anwesenheit Millionen fliegender Insekten und einem ungewöhnlich langen Weg zu den Duschen?
Camping hat positive Wirkung. Einfach mal eine Pause machen vom Druck, etwas für die Schule lernen zu müssen und von der von Abgasen verpesteten Luft in der Stadt. Letzteres macht sich während eines Ausflugs ins nahe Bamberg bemerkbar. "Oh Gott, was ist das denn für eine Luft?", ruft Mai-Linh, als sie nach der einstündigen Fahrt aus dem Bus ausgestiegen ist. Auch der Metal-Fan Lars ist die reine Landluft mittlerweile gewöhnt: "Können wir wieder zurück? Hier stinkt es."
Trotzdem ruft die malerische Stadt Begeisterung hervor. Vor allem eine am Wasser liegende Straße mit bunten Häuschen, liebevoll angemalt, zieht die Blicke auf sich. Jedes ist mit einem kleinen Garten ausgestattet, in dem Rosen und Blumen in allen Farben des Regenbogens blühen, wie in einem Märchen.
Am meisten in Erinnerung geblieben sind allen jedoch die Abende am Lagerfeuer, die jeden Tag für den perfekten Ausklang gesorgt haben. Quakende Frösche, die Stimmen der besten Freunde, gemischt mit dem Geruch von brennendem Holz, gutem Regionalbier und karamellisierten Marshmallows. "Ich würde es gerne noch einmal machen, aber diesmal an einem Ort, an dem man etwas unternehmen kann, wie Paddeln, und an dem andere junge Leute sind", sagt Lars. Benjamin, der auch im Urlaub stets elegante Leinenhemden trägt, schwärmt: "Es war einer der schönsten Urlaube für mich."