Bis zum Krieg lief alles gut. Der syrische Flüchtling Amir Haddid lebt seit 16 Monaten in Deutschland. Er ist Zimmermann, doch da, wo er herkommt, war es nicht mehr möglich, diesen Beruf auszuüben. Amir stammt aus der Provinz um Homs in Westsyrien. "Ich lebte mit meiner Familie in einem kleinen Haus. Als der Krieg begann, zog ein Teil meiner Familie weg. Ich blieb mit meinem Bruder und meiner Frau. Als der Krieg immer heftiger wurde, entschlossen auch wir uns dazu, das Land zu verlassen. Zum Glück hatten meine Frau und ich uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht für Kinder entschieden. Die wären uns sehr zur Last gefallen", sagt der recht schmächtige Syrer und zeigt dabei auf ein mitgebrachtes Foto seiner Familie.
Die Eltern Amirs haben im Sommer 2015 Zuflucht in der Stadt Oldenburg im Nordwesten Deutschlands gefunden. "Mein Vater arbeitete dort in einer Tischlerei. Ich bekam damals viele Nachrichten, wie schön es denn in Deutschland sei. Als die Flucht dann unausweichlich war, zogen wir los in Richtung Türkei."Amir Haddid erinnert sich ungern an diese Zeit, weil dies für ihn beschwerlich und belastend war. "Wir kamen bis zur türkisch-syrischen Grenze mit einem Auto unseres Freundes, der ebenfalls auf der Flucht war. Dort trennten sich unsere Wege. Dort nahmen wir einen Bus, der uns nach Istanbul brachte. Wir blieben dort drei Monate in einer winzigen Wohnung und arbeiteten in kleinen Geschäften. Meine Frau arbeitete in einem kleinen Café und ich in einem Restaurant. Außerdem trugen wir beide Zeitungen aus. Weiter ging es über die Balkanroute über Österreich nach Deutschland.
"Wir wurden in einem Bus mit anderen Flüchtlingen nach Norddeutschland gebracht. In Oldenburg konnten wir leider nicht unterkommen, deshalb brachte man uns in die 30 Kilometer von Oldenburg entfernte Stadt Friesoythe." Ein besonderer Moment war für ihn, als er nach dieser langen Zeit seine Eltern in Oldenburg wiedergesehen hat. "Das war einer der schönsten Momente meines Lebens."
Als der 28-Jährige in Friesoythe ankam, wurde seiner Frau, die in Syrien als Näherin gearbeitet hat, jetzt aber nicht berufstätig ist, und ihm eine Wohnung in einem Flüchtlingsheim angeboten. Dort konnten sie schnell neue Kontakte knüpfen. "Anfangs war es schwierig für uns. Wir mussten uns in einer unbekannten Stadt mit einer neuen Kultur einleben. Auch die neue Sprache zu erlernen war ziemlich schwierig. Aber es wurde immer besser", berichtet der 28-Jährige stolz. Trotz Startschwierigkeiten kam er immer besser in dem neuen Umfeld zurecht.
"Friesoythe kümmert sich sehr um den Verbleib und Umgang von Flüchtigen. Deshalb fiel es mir auch nicht schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. Ich arbeite im Moment in einem Zimmereibetrieb." Aufgrund seiner inzwischen guten Deutschkenntnisse stellte dies kein Problem dar. "Jeden Montag und Mittwoch kommt eine Deutschlehrerin zu uns nach Hause. Sie gibt dann für das gesamte Wohnheim Deutschunterricht. Vor allem entwickeln sich meine Deutschkenntnisse durch den wöchentlichen Besuch im Internationalen Café. Jeden Freitagnachmittag treffen wir uns im Franziskushaus, dem Gemeindehaus der katholischen Kirchengemeinde, mit anderen Flüchtlingen und Asylbewerbern zu Kaffee und Kuchen. Wir versuchen, hauptsächlich Deutsch zu sprechen. Manche können schon sehr gut Deutsch sprechen. Andere tun sich aber auch sehr schwer. Trotzdem geben die meisten das Beste und nutzen diese hilfreiche Chance", schildert er erfreut.
Sein Wunsch ist es, für immer in Deutschland zu bleiben, denn der inzwischen anerkannte Asylbewerber hat hier eine neue Heimat gefunden. Sein nächstes Lebensziel hat er sich gesteckt. Er ist auf der Suche nach einer eigenen Wohnung, denn er möchte endlich eine eigene Familie gründen. Mit einem Schmunzeln berichtet er: "Das lässt nicht mehr lange auf sich warten.