Wo Hörer ihre Heimat finden

Ich habe mich schon immer im Bereich Volks- und Blasmusik bewegt", sagt Werner Aumüller. Der 52-jährige Moderator des Bayerischen Rundfunks studierte zunächst Trompete und arbeitete als Musiklehrer an seinem privaten Musikinstitut. 1998 war er freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk, seit 2001 ist er Musikredakteur in Nürnberg im Studio Franken. Ein Studienfreund hatte damals eine Stelle dort und war zuständig für Volksmusik. Als dieser zum Hessischen Rundfunk wechselte, übernahm Aumüller die Stelle.

"Musik unterrichten oder Musiklehrer sein, das ist ein wunderbarer Beruf, aber für mich zumindest nicht für die Ewigkeit. Dann habe ich den Sprung gewagt", berichtet der Journalist. "Die Stimme ist ein ganz wichtiger Bestandteil meiner Tätigkeit beim BR. Mir wurde immer gesagt, dass ich eine sehr angenehme Stimme habe. Normalerweise bekommt man eine Stimmschulung, bevor man das erste Mal auf Sendung geht." Bei ihm war das anders. "Da hat eines Tages ein Kollege aus Oberfranken angerufen und mir mitgeteilt, dass er einen Autounfall hatte und es nicht mehr in die Sendung schafft. Dann war für mich als zuständiger Redakteur klar, entweder rufe ich alle Moderatoren der Reihe nach an oder ich setze mich selbst hin. Ich habe ein bisschen improvisiert."

Selten taucht er in Fernsehsendungen auf: Beispielsweise bei "BR Unterwegs", wo der Intendant des Senders im Freistaat unterwegs ist und sich Fragen des Publikums stellt, da kommen auch Fragen zu Volks- und Blasmusik vor. So werden die Redakteure eingeladen, um Stellung zu nehmen. "Unsere Aufgabe bei BR Heimat, der neuen Digitalwelle im Bayerischen Rundfunk, ist es, medial das abzubilden, was in Bayern in Sachen Volks- und Blasmusik, Volkstanz und ganz allgemein in der Volkskultur passiert und geschieht." Ein historischer Einschnitt in der Geschichte des Senders passierte laut Aumüller vor vier Jahren. Bayern 1 und Bayern 3 durchliefen eine Programmreform, das jüngere Zielpublikum sollte mehr angesprochen werden, die Volks- und Blasmusik in Bayern 1 wanderte ab. Eine eigene neue Welle, BR Heimat, wurde auf den digitalen Weg gebracht. Diese Welle, auf DAB+ verortet, beschäftigt sich ganztägig mit Volks- und Blasmusik, bayerischen Themen und Fragen bayerischer Kultur. So können die Hörer ihre Heimat auf vielerlei Weise finden. Werner Aumüller trifft man jeden zweiten Samstag mittags im "Treffpunkt Blasmusik" oder in der Abendschiene "Fränkisch vor 7" an. In der Redaktion in Nürnberg arbeiten sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie bilden die Redaktion BR Heimat, Studio Franken. Zwei freie Mitarbeiter stellen Musiklaufpläne zusammen, die gehen an die Moderatoren. Die Moderatoren wiederum formen entweder selbst ein Thema, oder die Redaktion gibt ein Thema vor.

Unter der Woche um 18 Uhr kommen die Volksmusikgruppen zum Zug, während am Samstag die örtlichen Blaskapellen zu hören sind. "Wenn es um Symphonische Blasmusik geht, wie es beispielsweise die Blasorchester aus Werneck, Grafenrheinfeld, Kürnach oder Unterpleichfeld pflegen, also große Blasorchester, für die gibt es eine extra Sendezeit und zwar samstags um 17 Uhr."

Braucht die Blasmusik neue Veranstaltungsformen? "Manche Musikanten beklagen, dass die Auftritte insgesamt immer weniger werden; und wenn dann mal gespielt wird, ist es Sache des Veranstalters, die Musikanten auch zu versorgen. Da wird dann auch schon mal über kleinere Gruppen nachgedacht", sagt Aumüller. Auf der anderen Seite etablieren sich große Festivals, wie das "Woodstock der Blasmusik" in der oberösterreichischen Gemeinde Ort im Innkreis oder das "Blasius" im schwäbischen Fremdingen.

"Musik & Xang - live aus ..." ist ein weiteres Format. Das Team geht viermal im Jahr in jeden Regierungsbezirk, also nach Unter-, Mittel- und Oberfranken und in die nördliche Oberpfalz. Hier sucht es sich Partner, wo zwei Stunden Musik und Wort aufgenommen werden können. "Am 28. September sind wir in Waigolshausen im Landkreis Schweinfurt, das zentrale Thema dort ist die Nachwuchsarbeit, die geleistet wird."

Im Aufnahmestudio in Nürnberg wird auch Musik produziert. Wenn eine Gruppe in den Augen der Redaktion gut genug spielt, wird sie eingeladen, und man produziert Musik, die dann in den Sendungen gespielt werden kann. So ist in 70 Jahren ein großes Volks- und Blasmusikarchiv angewachsen.

Auch ein Moderator hat schlechte Tage, davon bekommen die Hörer kaum etwas mit. "Natürlich gibt es auch schon mal Tage, an denen man vielleicht nicht so gut drauf ist. Da muss man sich intensiv auf die Sendung vorbereiten. Ich schreibe mir ein Manuskript und würde es dann, wie ich es im Sprechunterricht gelernt habe, mit einem Korken im Mund ein paar Mal mir selbst vorsprechen. Diese Übung wirkt oft Wunder." Nicht immer läuft alles perfekt. Aumüller erzählt, dass bei einer Livesendung aus der Wallfahrtskirche der Jugendbildungsstätte Volkersberg in der Rhön die Sendung um 19.05 Uhr starten sollte. Es war in der Passionswoche, der Bischof von Würzburg war Gast. "Um 19.02 Uhr geht auf einmal das Licht aus. Unser Toningenieur kommt in die Kirche gerannt, springt zum Verteilerkasten. Mir ist das Herz stehengeblieben. Kein Strom ist das Schlimmste, was bei einer Sendung passieren kann. Da fährt in kürzester Zeit der Übertragungswagen mit allen Gerätschaften runter." Aus heiterem Himmel setzte der Strom wieder ein. "Genau um 19.04 Uhr und 45 Sekunden geht das Licht wieder an. Da schwitzt man wirklich Blut und Wasser." Zur Sicherheit gibt es ein Notprogramm, ein Havarieprogramm, wie Aumüller sagt, das so lange gesendet wird, bis alles wieder läuft.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2019, Nr. 179, S. 26 - Daniel Eichmann

zurück