Vier Tage im Hotel, ein Tag fürs Studium

Für Mitarbeiter und Auszubildende ist der Öschberghof ein Schlaraffenland", sagt Stephanie Dreher. Nach ihrem Abitur hat sie von 2012 bis 2015 eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau mit Zusatzqualifikation Küchen- und Servicemanagement gemacht im Öschberghof am Rande von Donaueschingen, eingebettet in die Hügellandschaft der Baar in unmittelbarer Nähe zum Schwarzwald, dem Bodensee und der Schweiz. Stephanie Dreher wurde nach ihrer Ausbildung übernommen und arbeitet seit drei Jahren als Assistentin der Geschäftsführung. Zurzeit studiert sie berufsbegleitend an der IST-Hochschule in Düsseldorf Hotelmanagement. Sie hat die Variante des Vollzeitstudiums gewählt, demnach dauert das Studium drei Jahre, in denen sie voll bezahlt wird. Allerdings wäre auch die Wahl eines Teilzeitstudiums möglich gewesen, doch diese Form geht über einen Zeitraum von vier Jahren. "Ich erfahre während meines Studiums volle Unterstützung durch den Öschberghof und habe nach erfolgreichem Abschluss meines Studiums keine Verpflichtung, am Öschberghof zu bleiben, so wie es in vielen anderen Betrieben durchaus üblich ist. Zunächst hatte ich Bedenken, dass sich Studium und Arbeit nur schwer vereinbaren lassen und mir kaum noch Freizeit bleibt, da ich meine Urlaubstage für meine Präsenztage an der Hochschule verwenden muss. Doch durch Abbau von Überstunden ist das überhaupt kein Problem, Arbeit und Studium lassen sich sehr gut vereinbaren, es bleibt sogar noch Freizeit übrig", berichtet die junge Frau.

 

Auch während ihrer Ausbildung habe sie nur Positives erlebt. "Ich wurde übertariflich bezahlt, und in den Berufsschulzeiten musste ich nicht arbeiten. Wenn allerdings während dieser Zeiten Not am Mann war, blieb es mir freigestellt, ob ich arbeiten möchte oder nicht. Entschied ich mich dazu, zu arbeiten, wurde ich für diese Arbeit zusätzlich entlohnt wie eine Aushilfe. Auch die Wochenenden in den Berufsschulwochen hatte ich frei. Diese positiven Erfahrungen während meiner Ausbildung sind der Grund dafür, warum ich nach meiner Ausbildung am Öschberghof geblieben bin. Die Arbeitszeiten werden von einer Stempeluhr erfasst, und wenn die Arbeitsstunden erfüllt sind, wird man nach Hause geschickt. Sollte es doch mal zu Überstunden kommen, werden diese nach Absprache in Freizeit abgegolten oder ausbezahlt."

 Aufgrund der Arbeitszeiten und der Arbeitsbedingungen, wie Arbeiten an Sonn- und Feiertagen oder wenn andere Urlaub oder Feierabend machen, gilt die Ausbildung und Arbeit im Gastgewerbe als äußerst unattraktiv. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung fehlen 100 000 Beschäftigte. Ungefähr die Hälfte aller Ausbildungsverträge wird bereits vor Beendigung der Ausbildung aufgelöst. Von den Jugendlichen, die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen, verlassen aber in etwa 50 Prozent die Branche innerhalb der folgenden fünf Jahre. Da in den großen Ballungszentren zu wenige Kinder geboren werden und somit kaum potentielle Auszubildende zur Verfügung stehen, greift der Öschberghof auf Fach- und Hilfskräfte aus dem Ausland, wie beispielsweise China, zurück.

 Der Öschberghof ist ein Resort, das als Mitglied der Fair Job Hotels ein Garant für faire Arbeitsbedingungen und für die individuelle Förderung der Mitarbeiter und Auszubildenden ist. Der Öschberghof beschäftigt 330 Mitarbeiter, davon sind 55 Auszubildende. Mirko Bartl, Prokurist und Hotelmanager, bemängelt vor allem die schwache Tarifbindung in der Gastronomie, die die Unbeliebtheit der Branche zusätzlich verstärkt. Bartl betont außerdem, wie wichtig es ist, das duale Ausbildungssystem und die Arbeitszeiten attraktiver zu gestalten, da die Ausbildung elementar für die Weiterführung eines Betriebes ist.

 Alexander Aisenbrey, Geschäftsführer des Öschberghofes in Donaueschingen, ist erster Vorsitzender des Vereins "Fair Job Hotels e.V.", der vor drei Jahren in Düsseldorf gegründet wurde. Dieser Verein besteht aus 16 Gründungsmitgliedern aus dem Bereich der Spitzenhotellerie und hat sich zum Ziel gesetzt, für faire Jobs, attraktive Perspektiven für Mitarbeiter und Auszubildende und dadurch für ein besseres Image der Hotellerie als Arbeitgeber zu sorgen. Die Schauspielerin Iris Berben, der Sänger Udo Lindenberg, der Sternekoch Christian Rach und Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng fungieren als Botschafterinnen und Botschafter der Fair Job Hotels. "Der Verein zählt inzwischen rund 72 Hotels und zehn Industrieunternehmen zu seinen Partnern. Ziel ist es, die Zahl von 100 Hotels zu überschreiten. Seitdem die Initiative der Fair Job Hotels ins Leben gerufen wurde, sind die Bewerbungen von Fachkräften allein am Öschberghof um etwa 30 Prozent angestiegen", sagt der Hotelmanager.

 

Als Bildungspartner steht dem Verein der Fair Job Hotels die IST-Hochschule für Management in Düsseldorf zur Seite. Sie unterstützt mit hotelspezifischen Studiengängen und Weiterbildungen die Förderung und Entwicklung der Mitarbeiter. "Die IST-Hochschule stellt eine attraktive Alternative zum dualen Ausbildungssystem dar und ermöglicht in einem dualen Studiengang innerhalb von 3,5 Jahren den Erwerb des Bachelors im Hotelmanagement. Bei diesem Studiengang arbeiten die Studenten vier Tage die Woche im Betrieb, erhalten einen Tag zum Lernen und haben zwei Tage frei und werden mit einem Auszubildendengehalt vergütet", berichtet Bartl.

 Sofie Engel ist Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr als Hotelfachfrau im Breidenbacher Hof, A Capella Hotel Düsseldorf, einem Partnerhotel der Fair Job Hotels. Der Breidenbacher Hof ist ein 5-Sterne-Hotel, gelegen in der Nähe des Düsseldorfer Stadtzentrums. Sofie Engel hat ihre Ausbildung im Jahr 2016 begonnen und zum gegenwärtigen Zeitpunkt fast alle Abteilungen durchlaufen. Bei der Wahl ihres Ausbildungsplatzes war die Vergütung nicht das ausschlaggebende Kriterium. "Die Vergütung spielt natürlich für die eigene Existenz immer eine Rolle, war mir aber bei der Berufswahl nicht das Wichtigste. Ich war vor allem auf der Suche nach einer Tätigkeit, die abwechslungsreich ist und mich mit Stolz und Glück erfüllt. Bei meiner Entscheidung für diesen Beruf war mir auch bewusst, dass sowohl die Arbeit an Wochenenden als auch Früh- und Spätschichten dazugehören", sagt Engel. Begeistert ist die Auszubildende von den Benefits und der individuellen Betreuung und Förderung während ihrer Ausbildungszeit. Die Auszubildenden des Breidenbacher Hofes bekommen ein vergünstigtes Firmenticket für die öffentlichen Verkehrsmittel, haben kostenfreie Verpflegung während ihrer Dienste, und die Uniformen werden ihnen gestellt. Zudem werden Gesundheitstage angeboten, an denen sie sich kostenfrei durchchecken und beraten lassen können. "Im A Capella BreidenbacherHof wird zudem selbständiges Arbeiten großgeschrieben. Als Azubi ist man von Anfang an ein vollwertiges Teammitglied und wird auch dahin gehend gefördert, selbständig und sicher seine Aufgaben zu meistern - mit direktem Feedback des Teams und des Abteilungsleiters. Bis zu dreimal im Monat finden interne Trainings statt, die sämtliche Themen des täglichen Betriebes, aber auch branchenrelevante Neuerungen und Trends abdecken", berichtet Engel. Nach Beendigung ihrer Ausbildung würde Engel am liebsten in der Abteilung Front Office arbeiten. "Ich würde jedem, der mit Herz und Seele Gastgeber und der in der Lage ist, sich auf andere Menschen einzulassen, ein gewisses Maß an Belastbarkeit mitbringt und im Team arbeiten kann, die Ausbildung im Hotelfach empfehlen", konstatiert sie.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine GmbH - Julika Rehm

zurück