Wenn ich mir vorstelle, jemand würde auf einer Party zu einem männlichen Kollegen sagen: ,Ja das ist so, weil du ein Mann bist' - das gibt es einfach nicht!" Pola Beck, 1982 in Berlin geboren, hat vor neun Jahren ihr Regiestudium an der Potsdamer Filmhochschule Konrad Wolf beendet und arbeitet als Regisseurin. Immer wieder begegnen ihr Statements wie: "Ja, du bist halt eine Frau, du hast es eben schwerer." Die Studie "Gender und Film - Rahmenbedingungen und Ursachen der Geschlechterverteilung von Filmschaffenden in Schlüsselpositionen in Deutschland" zeigt, dass 74 Prozent Männer, 5 Prozent gemischte Teams und 21 Prozent Frauen in Filmen Regie führen. Auf Filmhochschulen sind die Zahlen relativ ausgeglichen: 56 Prozent Männer und 44 Prozent Frauen studieren. Von den Frauen sind später nur die Hälfte berufstätig, bei den Männern hingegen 72 Prozent.
Vier Frauen und sechs Männer studierten mit Pola Beck in einer Klasse. Mit dem Film "Am Himmel der Tag" schloss sie ihr Studium ab und versuchte, sich als Regisseurin zu positionieren. In den ersten zwei Jahren fiel ihr auf, dass sich ihre männlichen Kollegen schneller etablierten und deutlich mehr Angebote bekamen als sie. "In vielen Köpfen ist immer noch verankert, dass Frauen zu empfindsam für diesen Job sind. Zu wenig belastbar, zu wenig durchsetzungsfähig, dass sie hysterisch werden, dass sie nicht so eine starke Vision haben wie ein Mann, der durch alle Wände geht." Die Studie zeigt, dass Männer eher mit erfolgsrelevanten Attributen wie Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen in Verbindung gebracht werden.
2016 vergab der Deutsche Filmförderfonds 49,8 Millionen Euro Fördermittel, 41 Millionen Euro davon gingen an Männer, 8,8 Millionen Euro an Frauen. Den Frauen werden keine starken Management-Qualitäten zugesprochen. "Dann hab ich ein Kind bekommen und hab ständig Angst gehabt, das zu sagen." Die Angst war berechtigt, Paula Beck bekam mit, wie in Projekten Frauen ausgeschlossen wurden, da sie Mütter waren. Die Produzenten wollten kein Risiko eingehen, hielten Frauen für nicht belastbar und zweifelten an der Vereinbarkeit von Familie und Filmbusiness. Hier beginnt der Teufelskreis. Irgendwann kommen Frauen an den Punkt, an dem sie sich selbst unsicher sind, ob sie all dem standhalten können. Männern werden diese Fragen nicht gestellt, obwohl sie genauso Väter werden. Pola Beck findet, dass sich Frauen mehr gegenseitig unterstützen sollten, wie es die Männer schon lange tun. Sie ist Mitglied des "Filmfrauen Salon", einer privat organisierten Interessengruppe. Regisseurinnen treffen sich regelmäßig zum Kochen und tauschen sich dabei aus. Immer wieder kommen neue dazu.
Auch die Organisation "Pro Quote Film", in der Pola Beck schon lange Mitglied ist, setzt sich für eine 50/50- Quote bei Regisseuren ein. Gemeinsam bauen sie ein Netzwerk von Frauen und Männern auf, die sich im Austausch mit Politikern und Förderern für die Gleichberechtigung einsetzen. "Ich finde diese Bewegung, dass Frauen mehr hinter die Kamera und mehr Chancen bekommen müssen, super wichtig, aber nicht auf Kosten der Männer." Pola Becks Idealvorstellung vom Filmemachen ist ein gemischtes Team, so sei die Arbeit inspirierend.
Pola Beck rät Regisseurinnen: "Zweifelt nicht so an euch! Oder wenn, lasst es nicht raushängen. Ihr könnt ja zweifeln, aber macht es zu Hause. Wenn ihr den Job wollt, sagt erst mal ja! Denn wenn die Produzenten merken, ihr wollt dieses Projekt machen, dann schafft ihr das auch."