Einen Eintrag in den Elefand

Wir waren auf Safari im Norden des Landes, fernab von jeglicher Zivilisation", schildert André Merz den Urlaub, den er mit seiner Freundin Romina in Südafrika verbracht hat. Während die beiden in ihrer Lodge die Tage genossen, ahnten sie nicht, dass sich die Rückkehr nach Deutschland schwierig gestalten sollte. Die Anfang des Jahres geplante Reise, die das Pärchen aus dem unterfränkischen Schonungen am 9. März angetreten hatte, verlief zu Beginn normal. Nach dem Hinflug über Istanbul nach Johannesburg freuten sich die beiden auf die südafrikanische Wildnis. Neun Tage später wurde der Rückflug nach Deutschland wegen Corona gecancelt. Der kritische Zustand des südafrikanischen Gesundheitssystems und die Gefahr einer Verbreitung aufgrund mangelnder Hygienemaßnahmen in ärmeren Bevölkerungsschichten waren die Hauptgründe für die drastischen Eindämmungsmaßnahmen der Regierung. "Bei unserer Ankunft gab es noch keinen registrierten Corona-Fall dort, doch im Laufe der ersten Woche ist die Zahl der Infizierten relativ schnell angestiegen", berichtet der Diplomingenieur für Energie- und Umwelttechnik. Binnen weniger Tage gab es Hunderte Infizierte. Die ernste Lage hatte einen am 23. März angekündigten Lockdown zur Folge, der vier Tage später in Kraft trat.

Zudem kündigte der türkische Präsident Erdogan an, dass keine Flüge mehr von der Türkei nach Deutschland und umgekehrt stattfinden sollten und Einreisende sich in eine vierzehntägige Quarantäne begeben müssten. "Ab da war für uns klar, dass es Probleme mit dem Rückflug geben würde. Vom Reiseveranstalter gab es weder Infos über den abgesagten Flug noch über mögliche Alternativen, so dass wir schließlich auf uns allein gestellt waren." Anrufe und E-Mails blieben unbeantwortet. Am Schalter des Johannesburger Flughafens gab es dann die Gewissheit, dass sie gar nicht mitfliegen durften: Sie hatten sich zuvor nicht mindestens zwei Wochen in einem risikofreien Gebiet aufgehalten, denn Deutschland zählte aus Sicht der türkischen Behörden bereits zu den Risikogebieten. "Alternative Flugtickets zu anderen europäischen Zielen kosteten 2000 bis 3000 Euro, und selbst dann hätte es keine Gewissheit gegeben, ob wir wegen der vielen geschlossenen Grenzen wieder zurück nach Deutschland gekommen wären", sagt der 38-Jährige. "Wir entschlossen uns, einen Inlandsflug nach Kapstadt zu buchen, weil dort die Wahrscheinlichkeit, einen Direktflug nach Deutschland zu bekommen, viel größer war." Dort mieteten sie sich ein Apartment und ließen sich in die elektronische Erfassungsliste von Deutschen im Ausland, kurz Elefand, eintragen. Parallel fanden sie nach langem Suchen eine Airline, die noch Flüge nach Deutschland anbot. Ihr Flug wurde aber am Vortag des geplanten Abflugtermins storniert.

Bei einem Stadtrundgang verirrten sie sich in ein nicht von Touristen frequentiertes Viertel. "Man hat uns zugerufen ,Corona is coming!', manchmal wurden wir auch angebettelt. Dann hustete Romina einmal kräftig, und wir hatten wieder unsere Ruhe. Unser Glück war letztendlich, dass just nach einem Telefonat mit dem deutschen Generalkonsulat Kapstadt das Portal für die Buchung der Rückholtickets freigeschaltet wurde und wir uns zwei der ersten dreihundert Tickets sichern konnten." Familien, Kranke und Ältere wurden nicht bevorzugt. "Es verlief ganz nach dem Motto: ,Wer zuerst kommt, mahlt zuerst'", sagt Merz. Für den Fall, dass Leute den Rückflug nicht antreten konnten, wurden Flüge offenbar überbucht. Erleichtert trat das Paar am Tag vor dem Lockdown um 19 Uhr den ersehnten Rückflug nach Frankfurt an. "Es war ein weiterer Rückflug geplant, der konnte wegen des Lockdowns nicht stattfinden. Als unser Flieger startete, wurden am Flughafen hinter uns die Tore geschlossen." In Frankfurt wurde die Lage in der Maschine vom Personal des Gesundheitsamtes erfasst. "Es wurde beschlossen, dass Gruppen von jeweils vierzig Personen zur Passkontrolle gehen sollten, aber alle wollten nur noch aus dem Flugzeug heraus. Durch das entstandene Gedränge konnte dann natürlich kein Sicherheitsabstand mehr eingehalten werden. Nach der Passkontrolle gab es dennoch keine weiteren Untersuchungen oder Hinweise." In Südafrika, so sagt André Merz, "waren die Menschen dort deutlich vorsichtiger".

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - David Bieber

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