Am Sonntagvormittag herrscht in der Weiersbachhalle Mayen eine konzentrierte Atmosphäre. Die Turnhalle hallt bei jedem Aufprall der Pfeile auf die aufgebauten Zielscheiben. Die Mitglieder des Bogenschützenvereins trainieren in ihrem Winterquartier. "Ich fand das Bogenschießen schon immer super interessant, so durch Film und Fernsehen", erinnert sich Lars Blomberg. Mittlerweile betreibt der Trainer des Vereins aus Mayen in Rheinland-Pfalz seit zehn Jahren Bogensport und hat nebenberuflich sein eigenes Fachgeschäft eröffnet, in dem er seine Kunden mit gutem Equipment rund ums Bogenschießen versorgt und fachgerecht berät. Der mehrfache deutsche Meister ist neben seiner Vereinsarbeit Mitglied im Nationalkader und errang selbst auch internationale Titel mit verschiedenen Bogenarten.
"Bogenschießen hat für mich eine absolute Faszination. Je nachdem, mit welchem Bogen man schießt, ist es ein reines Körpergefühl, und wenn das Körpergefühl nicht zu einhundert Prozent passt, wird der Schuss nicht gut", erklärt der 47-Jährige. Der Bogensport sei zurzeit im Aufschwung, jetzt fange man auch an, die Deutschen Meisterschaften im Fernsehen zu übertragen. Das liege daran, dass es jeder betreiben könne, da es einfach und unkompliziert sei. "Es macht einfach nur Spaß, und es geht um den Teamgeist, den man erleben kann." Während er dies sagt, deutet der Coach auf junge und ältere Mitglieder, Frauen und Männer, die gemeinsam an der Linie stehen und hochkonzentriert auf die Zielscheiben schießen. Das Besondere am Bogensport ist, dass kein übermäßig athletischer Körperaufbau erforderlich ist, da sich auch viel im Kopf abspielt. "Wenn man mit der ganzen Family loszieht, macht das einfach Freude", erklärt Lars Blomberg. "Draußen haben wir ein Gelände im Naturschutzgebiet, einer der schönsten deutschen Plätze. Der strahlt eine Wahnsinnsruhe aus. Da ist so gut wie nichts, kein Krach, keine Leute, und der Wind geht oben drüber weg", berichtet der hauptberufliche Soldat mit leuchtenden Augen über das Sommerquartier des Vereins. Die Vorfreude auf die nächste Sommersaison ist ihm anzusehen.
In der Halle wird auf achtzehn Meter geschossen. Im Außenbereich kommt es ganz auf den Bogentyp an. Mit den Compound-Bögen wird bei einer Distanz von fünfzig Metern auf die gelbe Mitte in Tassengröße geschossen. Unter Bogenschützen wird diese Mitte auch Gold genannt, da es das anzustrebende Ziel ist. Daraus leitet sich auch der Bogenschützengruß "Alles ins Gold" ab. Die Teilnehmer von Olympia schießen mit dem olympischen Recurve-Bogen sogar auf eine Distanz von siebzig Metern.
"Es gibt das klassische Scheibenschießen und das Feldbogenschießen, das ähnelt dem Scheibenschießen, findet jedoch draußen im Gelände statt. Dabei ist die Hälfte der Ziele bekannt, die andere Hälfte unbekannt. Das gilt als die ganz hohe Schule, weil man dabei wirklich mit Strahlensatz die Entfernung berechnen muss", sagt der begeisterte Bogenschütze. Einen weiteren Schwierigkeitsgrad beim Feldbogenschießen stellen die Höhenunterschiede im Gelände dar, denn die Parabel des Pfeilflugs ist berghoch ganz anders, als wenn nur geradeaus geschossen wird. In dieser Disziplin sind die Deutschen Welt- und Europameister.
Abgesehen von einer besseren Körperhaltung, wird auch insbesondere die Konzentrationsfähigkeit gestärkt. "Ich mache viele Kurse mit überarbeiteten Menschen, die ihren Stress durch das Bogenschießen abschütteln, weil sie sich nur damit beschäftigen müssen, sonst funktioniert es nicht", sagt der Trainer aus der Vulkaneifel. "Bogenschießen heißt nicht: Bogen nehmen und auf eine Zielscheibe schießen. Man muss sich das wie eine Pyramide vorstellen, die Basis besteht aus Gleichgewichts-, Kraftübungen und Koordinationstraining. Dann kommen die einzelnen Elemente des Schussablaufs dazu. Ganz oben ist der Schuss auf die Scheibe", berichtet Blomberg von seinen Trainingseinheiten. Je nach Talent bedarf es etwa vier bis fünf neunzigminütiger Trainingseinheiten, bis ein Anfänger allein an die Schießlinie kann. Für die Schießsicherheit während des Trainings ist immer ein Schießleiter anwesend, so dass alle Schützen stets unter helfender Aufsicht sind.
Anders als es oft in Filmen vermittelt wird, gilt ein Bogen nicht als Waffe. Der Experte erklärt: "Ein Bogen ist ein Sportgerät und keine Waffe, bei einer Waffe muss die Energie zu speichern sein, und bei einem Bogen lässt sich die Energie nicht speichern. Man darf Bögen zu Hause haben, aber man ist immer dafür verantwortlich, dass sich keiner verletzt."