Ein gewisses Risiko ist immer vorhanden. Angst müssen wir aber auf keinen Fall haben, da wir uns mit Schutzausrüstung wie speziellen Masken und Handschuhen schützen, regelmäßig unsere Hände desinfizieren und auf besondere Hygiene beim Putzen unserer Autos sowie in unseren Einsatzräumen achten", erklärt der ehrenamtliche Verpflegungshelfer Lukas Müller. In schweren Sicherheitsschuhen, einer blauen Hose mit Reflexstreifen und der rot-orangenen Einsatzjacke beginnt der tägliche Dienst im Ehrenamt. Zurzeit gehört die Atemschutzmaske ebenso zur Grundausrüstung, sonst sind es nur die sterilen Handschuhe.
Zusammen mit 30 anderen ehrenamtlichen Helfern des Katastrophenschutzes des Malteser Hilfsdienst e.V. kümmert sich der 20-Jährige in Kaiserslautern und Umkreis um die Versorgung der Menschen in Quarantäne. Täglich werden mit einem Transporter der Hilfsorganisation Menschen mit Essen und Hilfsgütern versorgt, wenn sie sich in Quarantäne nicht selbst versorgen können. Betroffen sind viele Studenten und Familien verschiedener Nationalitäten wie Iraner oder Menschen arabischer Herkunft. "Wir vom Katastrophenschutz kümmern uns um die Personen in Quarantäne, indem wir ihnen notwendige Produkte liefern, unter anderem auch Essen. Die Betroffenen werden bei der Ordnungsbehörde gemeldet. Diese schickt uns eine Liste mit allen zu versorgenden Personen. Wir werden informiert, welche Art von Mahlzeit sie möchten, zum Beispiel vegetarisch, vegan oder Mahlzeiten, welche halal produziert werden, und ob sie Kleidung oder Haushaltsgegenstände wie einen Wasserkocher benötigen. Dadurch können wir einen genauen Plan für den nächsten Tag erstellen." So benötigt einer der zu Versorgenden jeden Tag viele Avocados, da er das meiste andere Essen nicht verträgt. Ein anderer braucht einen ganz neuen Satz an Kleidung. "Von Unterwäsche bis zum warmen Pullover und dicken Socken ist alles dabei." Lukas berichtet, dass sich immer wieder etwas ändern kann oder neue Personen dazukommen. "Häufig liefern wir auch Desinfektionsmittel, das dringend gebraucht wird, um Hände oder Flächen im Haushalt zu desinfizieren." Für das Frühstück und das Abendessen seiner "Kunden" kauft er selbst ein. "Viele schauen uns an und fragen, weshalb wir so viel einkaufen gehen. Den einen Einkaufskorb, den jeder bekommen könnte, gibt es tatsächlich nicht, da die Wünsche sich stark unterscheiden. Ob vegan oder mit Fleisch, ob viel frisches Obst und Gemüse oder Tiefkühlkost und Dosenravioli, da ist alles dabei." Manchmal werden die Malteser im Supermarkt angesprochen, das freut jeden Helfer. "Schön ist es immer wieder, wenn einen Menschen ansprechen, sich für unseren Dienst bedanken und uns weiterhin viel Kraft oder Gesundheit wünschen. Diese kleinen Komplimente motivieren immer wieder."
Das Mittagessen wird von der Mensa der Universität in Kaiserslautern bereitgestellt, er und seine Kollegen holen es ab und liefern es direkt aus. "Wir bekommen es in Styroporschalen, wie man sie aus dem Restaurant kennt, wenn man sich den Rest mit nach Hause nehmen möchte. Das Essen wird von der Mensa warmgehalten, bis wir es abholen und in unsere speziellen Essensthermophoren räumen. Gekennzeichnet sind die Schalen meistens mit einem X für vegetarisch oder halal, so dass wir bereits beim Einräumen sortieren können."
Alle Beteiligten befolgen Schutzmaßnahmen, um eine mögliche Übertragung des Virus zu verhindern. Die Betroffenen dürfen beispielsweise die Wohnungstür erst öffnen, um das Essen in Empfang zu nehmen, wenn die Helfer außer Reichweite sind. Ihre Tür dürfen sie nur öffnen, wenn sie vorher wie ihre Helfer einen Mundschutz angezogen haben. Ab dem Kinn bis knapp über die Nase verdeckt der Mundschutz der Klasse FFP3 auch bei Lukas einen Teil seines Gesichts. Mit zwei Gummibändern und einer formbaren Schiene auf Höhe der Nase lässt sich die Maske so an das Gesicht anpassen, dass sie überall fest an der Haut anliegt. Lukas erklärt: "Im Allgemeinen kann man das Risiko der Corona-Infektion durch häufiges und gründliches Händewaschen senken sowie durch Niesen und Husten in die Ellenbeuge. Einen Mindestabstand von 1,50 Meter sollte zurzeit jeder einhalten und soziale Kontakte bis aufs Nötigste minimieren." Er selbst hat drastischere Maßnahmen ergriffen, indem er für die nächste Zeit vorerst allein wohnt und mit Freunden und Familie nur noch über das Internet oder telefonisch Kontakt hält. Sich in Bars mit Freunden treffen oder auf Freizeitaktivitäten mit der Malteser Jugend müsse er verzichten. "Da ich neben dem Ehrenamt noch hauptberuflich im Rettungsdienst arbeite, ist die Gefahr, dass ich mich infiziere, höher als bei anderen Menschen. Das ist natürlich eine große Einschränkung, allerdings keine von Dauer, weswegen das für mich kein Problem darstellt."
Er ist sich der Gefahren bewusst, die er täglich mehrfach eingeht: "Ich bin mir zu jeder Zeit des Risikos bewusst, trotzdem fühle ich mich dazu verpflichtet, Menschen in ihrer aktuellen Notlage zu helfen." Ohne die Hilfe könnten sich viele nach einer Zeit nicht mehr versorgen. Lukas denkt dabei vor allem an eine Familie: "Sie darf ihr Haus schon seit mehr als einer Woche nicht mehr verlassen. In einem Haushalt von fünf Personen wird nun einmal das Essen schnell knapp."
Seine "Kunden" kennt Lukas mittlerweile gut, denn alle potentiell Infizierten müssen, so vom Gesundheitsamt beschlossen, 14 Tage in häuslicher Quarantäne verweilen. Innerhalb der zwei Wochen werden mindestens drei Tests auf Covid-19 durchgeführt. Sind diese negativ, wird die Quarantäne komplett aufgehoben. Positiv getestete Personen müssen so lange in Quarantäne bleiben, bis alle drei Corona-Tests negativ ausfallen und sie somit als geheilt gelten. Lukas appelliert eindringlich an andere: "Uns Helfern, Sanitätern und allen betroffenen Berufsgruppen, aber auch der ganzen Gesellschaft kann man helfen, wenn man die eben genannten Punkte konsequent befolgt, getreu dem aktuellen Motto: Wir bleiben für euch hier. Bleibt bitte für uns zu Hause! Das ist ein großer Schritt im Kampf gegen das Virus."