Techies vs Corona

Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen, doch der Eindruck täuscht: im Inneren der Stadtbibliothek Freiburg sind sehr wohl Leute, ein Notfallteam sorgt vor Ort für Betriebssicherheit. Auch wenn die Bibliothek geschlossen ist, kommt ihr 3D-Drucker zum Einsatz, und zwar für ein Projekt der "Techies vs Corona". Das ist ein Verein, der behelfsmäßige Gesichtsvisiere herstellt. Dabei werden mit Hilfe von Ehrenamtlichen die Visiere hergestellt, die dann per Velokurier zu Praxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen transportiert werden. Die Visiere bestehen aus einer transparenten PET-Folie, einem Gestell, das per 3D-Drucker produziert wird, und einem handelsüblichen Textilgummiband als Halterung.

Die Produktion ist aufgeteilt auf rund 120 Leute, alles Freiwillige, die Teile der Visiere eigenständig herstellen und diese an einem zentralen Punkt sammeln. Dort übernimmt anschließend ein anderes Team und baut die Visiere zusammen, danach werden diese von Fahrradkurieren abgeholt und zu ihrem Zielort gebracht. Den Transport dorthin übernehmen Fahrradkuriere des Mountainbike Freiburg e.V. und der Freiburger Kurier Kumpel e.V. Das ist, wie der Projektleiter und Ingenieur Matthias Breitwieser anmerkt, "eine tolle Ergänzung". In Zeiten der Kontaktvermeidung führt das natürlich zu logistischen Problemen, "aber inzwischen funktioniert es ganz gut", meint der 32-Jährige.

Inzwischen wurden mehr als 600 Visiere hergestellt und ausgeliefert, an alle möglichen medizinischen Einrichtungen - "von der selbständigen Hebamme über die Fieberambulanz, Zahnärzte bis hin zu Anästhesisten", berichtet der Wissenschaftler.

Die Idee für das Projekt stammt von einem tschechischen 3D-Drucker-Hersteller, der die Datei für den 3D-Drucker als Open-Source-Quelle im Internet öffentlich zur Verfügung stellte. Daraufhin gründete der Rostocker Frederik Schmatz mit seiner Website "Maker vs Virus" eine bundesweite Initiative, und darauf wiederum folgte die Gründung der "Techies vs Corona" als Freiburger Ableger. "Wir sind kein Hersteller von Schutzausrüstungen und werden das nie sein - wir überbrücken mit den Behelfsvisieren nur den derzeitigen Mangel an Ausrüstung", sagt Severin Vierrath vom Institut für Mikrosystemtechnik der Uni Freiburg (Imtek), der das Projekt mit seinem Kollegen Matthias Breitwieser organisiert.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Paula Becker

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