Die andere Krise

Es ist Freitag. Nur vereinzelt laufen ein paar Personen über den Platz der Alten Synagoge in Freiburg im Breisgau. Noch vor wenigen Monaten war dieser Platz fast jede Woche überfüllt mit Menschen, die demonstrierten. Sie waren Teil der "Fridays for Future"-Bewegung. Das Coronavirus hält die Bevölkerung in Atem, große Versammlungen sind verboten. Noemi Mundhaas, Studentin und Umweltaktivistin aus Konstanz, die sich viel mit der Stadtverwaltung und Politikern unterhält, erklärt, dass sie diese Corona-Krise auch als Möglichkeit sehen. "Wir planen, unseren Klimavortrag aufzunehmen und an Lehrer und Schulen zu schicken, damit die ihn dann, zusammen mit den Lehrmaterialien, an die Schüler schicken. Zusätzlich wollen wir auch kleinere Aufklärungsvideos verschicken. Zum Beispiel planen wir Online-Streiks oder Petitionen. Damit kann man auch schon viel erreichen." Tatsächlich gab es schon genau solche Netztstreiks. Am 13. März wurden zum Beispiel unter dem Hashtag #NetzstreikFürsKlima! Tausende von Bildern hochgeladen, in denen die Protestierenden ihre Schilder in die Kamera hielten.

",Fridays for Future' steht auch für Generationengerechtigkeit, und diesmal geht es darum, die älteren Generationen zu schützen", meint Noemi. Sie habe die Hoffnung, dass durch die Corona-Krise die Aussagen der Wissenschaftler in der Politik ernster genommen würden und dass die Klimakrise endlich mal als richtige Krise wahrgenommen werde. Denn jetzt gebe es die Möglichkeit, mehr Geld und Unterstützung in klimaneutrale und klimaschützende Firmen zu stecken und so unsere Wirtschaft zu verändern.

Frida Mühlhoff, ein sechzehnjähriges Mädchen mit Brille und freundlichem Lächeln, engagiert sich in Konstanz in der Orga-Gruppe von "Fridays for Future" und organisiert normalerweise die Demos. "Weil das ja momentan nicht geht, machen wir stattdessen viele andere Sachen. Wir haben den Maltesern unsere Hilfe angeboten, so dass wir zum Beispiel mit alten Leuten telefonieren oder so, damit die nicht einsam sind." Auch planen sie öffentliche Seminare und sogenannte "Wir bilden Zukunft"-Livestreams, in denen sie aufklären und informieren wollen. "Den Leuten muss klarwerden, dass der Urzustand keine Lösung ist, sondern jetzt die Bausteine für eine Gesellschaft, die das Pariser Abkommen einhalten kann und wird, gelegt werden müssen, zum Beispiel durch Investitionen und Hilfe für die richtigen Firmen. Die Investitionen könnten ja auch an Bedingungen gebunden sein."

Bei einem Videotreffen der Orga-Gruppe in Konstanz haben sich schnell etwa 20 junge Menschen, von elf bis 25 Jahre alt, dazugeschaltet. Die Atmosphäre ist professionell. Eins der größten Themen ist die Idee für eine Fußspuren-Demo. Wobei die Demonstranten einzeln kommen und mit Kreide etwas auf den Boden malen würden, zum Beispiel Fußspuren oder auch ihre Sprüche und Schilder.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Helen Hahndorf

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