Willkommen in meinem Zimmer beziehungsweise eher meinem Büro." Laura Dietrich zeigt auf ihren Schreibtisch. "Tut mir leid, dass es hier so unordentlich aussieht, aber ich hatte heute schon ziemlich viel für die Schule zu tun." Die 16-Jährige geht auf das Marie-Curie-Gymnasium in Hohen Neuendorf und hat seit Wochen Homeschooling. Auf ihrem Schreibtisch liegen neben Papieren ihr Laptop, ihr iPad und das Handy als Hilfsmittel. Im vergangenen Jahr wurde ihre Schule digitalisiert. Die Lehrer fragen vor Stundenbeginn nach der Anwesenheit der Schüler über die Classroom-App. Die Unterrichtszeiten werden eingehalten, nach 75 Minuten ist die Abgabe der Aufgaben. Der Tag beginnt um 7.50 Uhr und endet um 15 Uhr, manchmal auch später.
Sie lässt sich träge auf ihren Stuhl fallen. Ihr grauer Hund trottet ins Zimmer und legt sich neben Laura. "Auf Dauer ist so ein Alltag wirklich anstrengend", erklärt sie uns frustriert. Zu Beginn haben sich die Schüler gefreut, da die Unterrichtszeiten kürzer sind, viele dachten, dass die Aufgaben nicht so umfangreich sind. Doch die Rechnung ist nicht aufgegangen. Durch die Aufgabenabgabe fühlen sich die Schüler unter Druck gesetzt und probieren, möglichst schnell zu arbeiten. Außerdem vermissen sie das Treffen mit den Freunden. "Vor allem wenn man keine Geschwister hat und die Eltern einen Beruf ausüben, bei dem Homeoffice nicht möglich ist, kann es sehr schnell langweilig werden." Natürlich ist auch der Alltag der Lehrer eingeschränkt und anstrengend. Aufreibend waren vor allem zu Beginn sehr lange Tage. Bis spät abends trudelten immer wieder Dienstmails und Fragen von Schülern oder Eltern ein. Auch die Zeit, die für die Absprache mit Kollegen benötigt wird, muss beachtet werden. "Ursprünglich hatte ich gedacht, dass ich während des laufenden Unterrichts noch andere Texte kontrollieren könnte. Das war aber überhaupt nicht möglich", sagt Englisch- und Deutschlehrerin Heidrun Willenbrock. Während des Unterrichts geht die Zeit für die Anwesenheitskontrolle, die Berichtigung vieler Aufsätze und die Beantwortung von Fragen der Schüler drauf. Auch die Lehrer stehen unter starkem Zeitdruck während des Unterrichts. Auch Frau Willenbrock fehlen der Blick in die Gesichter ihrer Schüler, die Gespräche nebenbei sowie der Smalltalk mit den Kollegen.