Die guten sind inspiriert, die bösen Figuren ausgedacht

Die Kinder stürmen herein, während die Lehrerinnen versuchen, für Ordnung zu sorgen. In der Bibliothek der Deutschen Schule zu Porto wurden die Tische an die Seite gestellt, damit sich die Schüler auf den Boden setzen können. Vor den Kindern steht die langjährige Bildungsministerin und beliebte Kinderbuchautorin Maria Isabel Girão de Melo Veiga Vilar, die unter dem Namen Isabel Alçada schreibt.

Sie wurde am 29. Mai 1950 in Lissabon geboren und hat dort am Lycée Français Charles Lepierre ihren Schulabschluss gemacht. Ihre zweisprachige Ausbildung schätze sie, da sie ihren Horizont erweitert habe. Von der deutschen Sprache habe sie jedoch wenig gelernt, was sie als begeisterte Thomas-Mann-Leserin bereut: "Die Buddenbrooks ist einer meiner Lieblingsromane. Dieses Buch ist etwas Außerordentliches. Ich bin sogar in der Altstadt von Lübeck gewesen, um mir die Schauplätze der Geschichte selbst anzuschauen."

An der Faculdade de Letras der Universität Lissabon studierte sie ab 1973 zunächst Philosophie, danach kurz Psychologie und entschied sich dann, ihren Master in Erziehungswissenschaft an der Universität Boston zu machen. Ihre Karriere nahm aber einen anderen Weg, nämlich den politischen. Von 2006 bis 2009 war sie Beauftragte des Nationalen Leseplans, den sie selbst zum ersten Mal in Portugal eingeführt hatte. 2009 erhielt sie den Posten der Bildungsministerin: "Die Berufung kam, und ich nahm sie an. Ich wollte einfach helfen. Mein Ziel war eine Reform der Bildung in Portugal." Heutzutage arbeitet sie in der Politik als Bildungsberaterin für den portugiesischen Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa.

Nun dürfen die Kinder Fragen stellen. Auf die Frage, wie sie angefangen habe zu schreiben, antwortet sie lächelnd: "Mein Vater hatte eine tolle Erfindungsgabe und hat mir und meinen Schwestern phantastische Märchen erzählt, die er sich immer selbst ausgedacht hat. Ich habe dann auch angefangen, weil meine Schwester lange Zeit krank war. Meine Mutter wollte, dass ich ihr etwas erzähle. Aber sie sollte schlafen, also mussten die Lichter ausgeschalten sein. Das heißt, ich konnte im Dunkel nicht lesen. Was habe ich also gemacht? Ich habe meine Phantasie verwendet." Die Gelegenheit, selbst ein Buch zu schreiben, kam, als sie ihre erste Lehrerstelle an der Schule EB 2/3 Fernando Pessoa bekam, wo sie Portugiesisch und Geschichte unterrichtete. "Ich habe meine Schüler in der fünften und sechsten Klasse gefragt, welche Bücher sie schon gelesen hatten. Und wisst ihr, was sie geantwortet haben? Keine! Könnt ihr das glauben?"

Zur gleichen Zeit lernte sie ihre Schreibpartnerin kennen, Ana Maria Magalhães. Beide seien an ihrem ersten Schultag als Lehrerinnen nervös gewesen und seitdem beste Freundinnen. "Nach so vielen Jahren können wir fast telepathisch kommunizieren. Unsere Imagination ist stets in Verbindung, wir haben eine gemeinsame Phantasiewelt zusammengebaut." Der Schreibprozess bestehe darin, eine Idee, die normalerweise auf eigenen Erfahrungen basiert, gemeinsam zu besprechen, die Schauplätze der Geschichte zu besuchen, einen Handlungsentwurf zu verfassen und oft auch Recherchen zu machen. "Die guten Figuren sind üblicherweise von Verwandten oder Schülern inspiriert, aber die Gegenfiguren, die Bösen, diese müssen wir uns ausdenken. Wir sprechen manchmal mit der Polizei und erkunden, was es für Kriminelle gibt, wie sie handeln und was sie bezwecken." Die Kapitel teile man nicht zwischen den Autorinnen auf, sondern sie würden am Tisch zusammensitzen und jeden Absatz, jedes Wort und Komma besprechen. "Manchmal, wenn unsere Männer nicht da sind, treffen wir uns und schreiben das ganze Wochenende lang." Laut Alçada müssten Jugendbücher auf jeden Fall drei wichtige Aspekte beinhalten: Sie müssten auf altersgemäßem Niveau klar geschrieben sein, so dass sich die Jugendlichen die Handlung genau vorstellen können, sie müssten Spannung und Geheimnisse enthalten und ein glückliches Ende haben. Die Bücher sollen aber vor allem unterhalten, damit Kinder das Lesen genießen. Alle weiteren Fragen, wie die der Sozialkritik in Kinderbüchern, spielten für Alçada keine Rolle.

Diese Elemente kann man in der Serie "Uma Aventura", "Ein Abenteuer", finden, bei der eine Gruppe von fünf Freunden und zwei Hunde Geheimnisse aufdecken. Inzwischen gehören sechzig Bücher zu dieser Reihe, die auch verfilmt wurde. "Fünf Freunde" von Enid Blyton besitzt eine ähnliche Struktur und war damals eine große Inspiration für die Autorinnen. Isabel Alçada kann inzwischen auf 119 Werke zurückblicken, darunter eine Reihe historischer Romane. Jeder Jugendliche kennt in Portugal diese Bücher. Einladungen von Schulen nimmt sie gerne an. "Ich finde es sehr wichtig, Kontakt zu Kindern zu haben. Man darf nie vergessen, wie Kinder sind, wie sie reagieren, wie sie sich verhalten. Weder als Lehrerin noch als Schriftstellerin."

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Sara Alves

zurück