Bunte Blumenwiesen, das Summen von Bienen und flatternde Schmetterlinge - doch um einen Bauerngarten handelt es sich nicht. Alte Alleen und Vogelgezwitscher - aber hier wird kein Waldspaziergang beschrieben. Im historischen Kurpark in Bad Pyrmont im niedersächsischen Weserbergland liegt der süßliche Duft von Azaleen in der Luft, auf der nahen Wiese summen Honigbienen. Palmen verbreiten Urlaubsstimmung. Besucher erfreuen sich an der farbenfrohen Bepflanzung und lauschen dem Plätschern der Springbrunnen. Gärtner in grünen Arbeitshosen sind damit beschäftigt, die Pflanzen zu pflegen und die Wege sauber zu halten. "Hier im Kurpark schätze ich vor allem die Vielfalt an Gartenmotiven, die auf recht kleinem Raum geschaffen worden sind", sagt Michael Mäkler. Der Leiter der Kurparkgärtnerei steht vor den Bepflanzungsplänen, die an der Wand in seinem Büro hängen.
Der 1969 geborene Gärtnermeister und Zierpflanzengärtner ist seit 21 Jahren für den Park verantwortlich. Bereits als Kind ist er in der elterlichen Gärtnerei intensiv mit dem Beruf des Gärtners in Kontakt gekommen. Er beschreibt sich als naturverbunden. Auf den an der Wand hängenden Lageplänen erläutert Mäkler die Entwicklung des historischen Kurparks. Bereits 1667 wurden die ersten barocken Alleen angepflanzt. In den folgenden Epochen wurde der Park ständig vergrößert und zeigt Elemente eines englischen Landschaftsparks. Bekannt wurde er durch den Palmengarten, in dem 1913 die ersten Palmen aufgestellt wurden. Heute hat der Park eine Fläche von 17 Hektar.
Ein Team aus 14 Gärtnern unterschiedlicher Fachrichtungen ist für die Parkpflege zuständig. Jeweils zwei Mitarbeiter arbeiten fest zusammen und sind für ein Pflegerevier verantwortlich. "So können wir mit spezialisierten Kompetenzen sehr differenziert pflegen", erläutert Mäkler. Vor 13 Jahren erfolgte die schrittweise Umstellung auf eine naturnahe und nachhaltige Pflege, die die biologische Vielfalt fördern soll. Es werden weder Pflanzenschutzmittel noch wassergefährdende Stoffe verwendet und überwiegend organischer Dünger und regionaler Humus genutzt. "Dadurch schützen wir nicht nur die Natur, sondern fördern auch die Gesundheit unserer Besucher", erklärt Mäkler. Bei der Bepflanzung werden heimische Arten sowie eine Vielfalt von Nektar- und fruchttragenden Pflanzen bevorzugt.
Auf den Rasenflächen wachsen neben robusten Gräsern auch Wildpflanzen. So haben sich zur Freude der Gärtner bereits neue Pflanzengemeinschaften wie der Thymian angesiedelt, der diversen Insekten als Nahrung dient. Wildblumenwiesen oder spezielle Bereiche unter Bäumen, die nur einmal im Jahr gemäht werden, schaffen ebenfalls Lebensraum für Insekten. "Obwohl es keine wissenschaftliche Begleitung der naturnahen Pflegemaßnahmen gibt, haben wir schon Erfolge beobachten können. So gibt es kaum Probleme mit Blattläusen. Sie werden gut von ihren natürlichen Gegenspielern wie der Larve des Marienkäfers in Schach gehalten. Die Besucher reagieren durchweg positiv. Gerade seit bekannt ist, wie stark die Insekten in unserer Natur gefährdet sind, gibt es hier eine positive Verstärkung." Stolz ist das Team auf die Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt.
Es gibt eine enge Kooperation mit der Imkerei Reese und dem Nabu Bad Pyrmont. Dessen erste Vorsitzende Steffi Maltzahn kommt mit ihren Wanderschuhen von einem Außentermin zurück in ihr Büro. Die 54-jährige Wildnispädagogin und Gärtnerin ist ebenfalls in einer Gärtnerei aufgewachsen, auch ihr Urgroßvater war Gärtner. Seit 2008 ist sie aktiv im Nabu. Sie hat viel Freude daran, "Menschen mit dem Naturschutz zu begeistern und diesen zu verbreiten". Zwischen Sachbüchern, Ordnern und Saatgutmischungen erzählt sie von der Arbeit in der Region. Auf neun Hektar Fläche gibt es Projekte wie Streuobstwiesen, Brachflächen und Nistkästen, die vor allem auch im Kurpark zu finden sind. Die Kinder der Naturschutzjugend im Nabu, Naju, kontrollieren mit Steffi Maltzahn und ihrem Team mit einer langen Leiter die Nistkästen. Ein neues Projekt, das auch Michael Mäkler begeistert, ist die Gestaltung eines Hummelpfades im Bergkurpark. Der Bereich gehört ebenfalls mit zum Kurpark, ist jedoch ohne Eintritt zugänglich, hier gibt es schon einige Projekte mit dem Nabu wie die Streuobstwiese. "Der Hummelpfad soll realen Lebensraum für Hummeln schaffen, aber auch Wanderer anregen, Beispiele zu Hause umzusetzen", erklärt Steffi Maltzahn. "Großes Lob von Seiten des Nabu für das nachhaltige Pflegekonzept. Sehr durchdacht, gelungen und umweltfreundlich. Das bohrt wirklich dicke Bretter für den Naturschutz."
An einem geschützten Platz am Rand des Kurparks summt es rund um die Bienenkästen der Imkerin Marion Reese. Vor 15 Jahren bekam sie ein eigenes Bienenvolk geschenkt, da es in ihrer Familie bereits Imkerei gab. 2017 kaufte Marion Reese die Bienen eines Imkers aus dem Umfeld und gründete eine Nebenerwerbsimkerei. Hauptberuflich arbeitet sie als Gesundheitsberaterin im Bioladen Ökologica in Bad Pyrmont. 2018 ließ sie ihre Imkerei auf Biozertifizierung umstellen und nahm dafür an vielen Lehrgängen und Fortbildungen teil, "um möglichst artgerecht zu arbeiten". Damit nur wenige Bienen bei ihrer Arbeit gequetscht werden, trägt die Imkerin keine Handschuhe. Ihr einziger Schutz ist die Imkerjacke mit Hut und Schleier, "denn Stiche im Gesicht sind sehr schmerzhaft". Die Bienen werden überwiegend positiv von den Besuchern aufgenommen. "Viele sitzen gerne auf der Bank und beobachten die Bienen", freut sich Marion Reese. Sie selbst beeindrucken das Sozialverhalten und die hochentwickelten Sinne der Bienen.