Vor dem Fressen tönt das Horn

Der grüne Kachelofen im abgelegenen Haus oberhalb von Bauma, einer Gemeinde im Zürcher Oberland, ist eingefeuert, der Holzboden knarrt. Neben Daniel Furrer liegt Bora und ist todmüde vom anstrengenden Tag im Wald. Der leidenschaftliche Jäger und seine Dachsbracke widmeten sich heute der Waldpflege. "Wie der Name sagt: Eine Bracke brackiert", sagt Furrer. Bora wird freigelassen und sucht den Waldboden ab, bis sie eine Spur findet. Dann muss sie laut bellen und den Fährtenlaut von sich geben. "Diese Fährtenlaute stehen sogar im Gesetz. Ein Hund, der nicht bellt, darf nicht jagen." Die Jäger können so wahrnehmen, wo sich das Reh befindet. Um auf die Jagd gehen zu können, hat Furrer mit Bora, die er seit sechs Jahren besitzt, viel Zeit in ihre Ausbildung investiert und Prüfungen abgelegt.

Der Inhaber einer kleinen Schreinerei direkt neben seinem Wohnhaus hat schon zwei Würfe gezüchtet. Um Alpenländische Dachsbracken züchten zu können, muss man sich an Vorschriften halten. Der Schweizer Niederlaufhundeclub und der zuständige Zuchtwart sind in diesem Fall das Kontrollorgan und überprüfen vor einer Zucht grundlegende Dinge, zum Beispiel die Stammbäume. So findet man den perfekten Rüden für die Zucht. Ebenfalls wird darauf geachtet, dass keine Inzucht entsteht. Wenn das alles geklärt ist, muss man den richtigen Zeitpunkt für die Deckung erwischen. "Mir ist es wichtig, dass Bora nie im Stress ist. So machen wir meistens Ferien und treffen den Rüden fürs erste Kennenlernen schon im Vorfeld", erzählt der 53-Jährige. "Der eine Rüde stammte aus Dresden und der andere aus Kärnten." Nach der Deckung muss alles bereitgestellt werden. Zum Beispiel die selbstangefertigte Wurfbox, die im ehemaligen Kinderzimmer steht. Furrer hat eine erwachsene Tochter und einen Pflegesohn. "Die Umrandung ist speziell gebaut, damit die Babys nicht von ihrer Mutter erdrückt werden." Nach ungefähr 63 Tagen Tragezeit, wenn die bis zu elf Welpen da sind, steht im Hause Furrer alles kopfüber. "Es ist wie mit kleinen Kindern. Wir haben ein Babyphon installiert", schmunzelt Furrer. Jeden Tag werden die Hunde gewogen, und man muss schauen, dass alle gleich viel Milch bekommen. "Da gibt es ganz Freche, welche den anderen alles wegtrinken." Um sie auseinanderhalten zu können, trägt jedes ein andersfarbiges Halsband. Ohne die Hilfe seiner Frau Elsbeth wäre alles nicht möglich. Ab der zweiten Woche kommen die Welpen in den Zwinger und ins Freie. Nach drei Wochen wird zugefüttert. Das ist am Anfang eine große Sauerei, doch hier beginnt die Prägung. Die Welpen lernen das erste Mal, was "nein" heißt und dass jedes sein eigenes Geschirr hat.

"Für mich ist sehr wichtig, dass der Hund im Wald zu mir zurückkommt." Furrer beginnt schon früh mit der Erziehung. Vor jeder Mahlzeit bläst der ambitionierte Blechbläser der Harmonie Bauma in sein Jagdhorn. Die Welpen kennen den Ton und wissen genau: Bei diesem Geräusch müssen sie zum Herrchen kommen. Zum Spielen bekommen sie Ballone, die beim Zerplatzen einen Knall geben wie später ein Gewehr, und sie kriegen ein Rehfell, um den Geruch des Wildes aufzunehmen. Auch mit Autos, Liften und anderen Hunden müssen sie vertraut werden. Nicht zu vergessen die Umwelt: auf Kies laufen, am Bach, auf der Wiese oder im Wald spielen. "Jeder Züchter züchtet anders und mit seinen eigenen Ideen. Meiner Meinung nach ist die Welpenprägung am wichtigsten und entscheidet über das ganze Leben eines Hundes."

Nach zehn Wochen können die Welpen abgegeben werden, aber nur an Jäger, denn alle Hunde haben durch ihre Gene den Drang zur Jagd. Furrer schaut sich Interessenten genau an, ihren Charakter, ihre Eignung zum Hundehalter. "Einmal kam ein Junggeselle, der schon mit einem Hund in einer Wohnung lebt und aufgrund seiner Arbeit als Bankangestellter tagsüber weg ist. Da musste ich mir sagen: ja aber hallo? Das geht doch nicht!"

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Silja Furrer

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