Ohne Salatbar

Montag Morgen im Rewe-Markt Großwallstadt. Einkaufswägen werden befüllt oder an der Kasse wieder ausgeladen, Waren von Mitarbeitern in die Regale geräumt. Im Eingangsbereich riecht es nach frischem Obst und Gemüse. Ein ganz normaler Tag im Supermarkt - aber halt. Alle Anwesenden tragen Schutzmasken, an den Kassen sind Spuckschutzscheiben montiert, und auf dem Boden an der Metzgertheke und im Kassenbereich sind Abstandsmarkierungen aufgeklebt.

"Auflagen gibt es leider jede Woche immer neue", erklärt Marktleiter Övünc Bekar, der seit drei Jahren mit dem Rewe Großwallstadt selbständig ist. Was mit einer Abstandsregelung von 1,5 Metern begann, wurde durch Schließung der Salatbar und der Kunden-Kaffeemaschine weiter ausgeweitet. Seit Monaten herrscht allgemeine Maskenpflicht. Nicht, dass sich jemand beschweren würde, die Kunden halten sich fast alle an die Regeln - indem Masken zwar nicht kostenlos zur Verfügung gestellt, aber vor Ort zum Verkauf angeboten werden, wird der Verstoß gegen die Maskenpflicht minimiert. Wenn sich die Kunden in seltenen Fällen nicht an den gebotenen Abstand halten, werden sie von den Mitarbeitern freundlich darauf hingewiesen.

Die Ära der Hamsterkäufer ist zum Glück so gut wie vorbei. Wer sich trotzdem nicht an die ausgeschilderten Mengenregelungen hält, wird an der Kasse darauf aufmerksam gemacht. Zeigt ein Kunde weiterhin keine Einsicht und beginnt, die Stimme zu erheben, "darf er oder sie gerne in einem anderen Markt einkaufen", sagt Bekar.

Das Kaufverhalten der Kunden habe sich seit dem Ausbruch des Virus in Deutschland verändert - aber nicht auf die Art und Weise wie vermutet, berichtet der Marktleiter: Kunden kaufen nicht einfach mehr ein als sonst, sondern mehr frische Waren. Diejenigen, die durch Covid-19 zu Hause bleiben müssen, haben oft mehr Zeit, selbst frisch zu kochen, und kaufen wesentlich weniger Fertigprodukte. Bisher waren die Regale der Obst- und Gemüseabteilung stets gut gefüllt, allerdings bemerkt man bei manchen Produkten, wie zum Beispiel Blumenkohl oder Spargel, einen deutlichen Preisanstieg. Dieser kann einerseits durch den Mangel an Erntehelfern, andererseits durch die harten Beschränkungen in den Exportländern erklärt werden.

Außer dem Spuckschutz sorgt auch Desinfektionsmittel für die Sicherheit der Mitarbeiter, und das zahlt sich aus: Vor einer Infektion hat keiner große Angst, "zur Arbeit gehen alle noch immer sehr gerne", meint der Marktleiter. Außer denjenigen, die zur Risikogruppe zählen. Diese Kollegen müssen nämlich zu Hause bleiben. Aber niemand müsse seinen Jahresurlaub dafür nehmen. Das bedeutet natürlich ein höheres Arbeitspensum für alle anderen dort Beschäftigten. Längere Öffnungszeiten oder Überstunden für Mitarbeiter gebe es jedoch nicht, denn "den größten Teil haben wir abgefangen als Chef und Chefin", sagt Bekar, der gemeinsam mit seiner Frau die Stunden übernommen hat.

Und was ist mit den Kunden, die zur Risikogruppe gehören? Sie nutzen den Online-Shop, bestellen per Telefonat, E-Mail oder Whatsapp die gewünschten Lebensmittel. Bis die Beschränkungen erneut geändert werden, bleibe bei ihm alles so wie jetzt: Keine Security vor dem Geschäft, kein Fiebermessen vor dem Betreten und auch keine gesonderten Öffnungszeiten für die Risikogruppen sind vorgesehen, legt Bekar dar. Bei ihnen auf dem Land sei die Welt noch einigermaßen in Ordnung.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH - Joline Göbel

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