Wie die Tiere zu internationalen Turnieren kommen
Wir sind weltweit führend auf unserem Gebiet“, sagt Martin Atock, Geschäftsführer der Peden Bloodstock GmbH aus Rheurdt am Niederrhein. Das Unternehmen gibt es seit 1947; es organisiert mit fünf Mitarbeitern in Deutschland und fünf in England auf der ganzen Welt den Transport von Pferden. Eine lückenlose Planung sei wichtig, damit keine unnötigen Probleme und Wartezeiten entstünden, sagt Isabelle Atock, „Horse Shipping Agent“ bei Peden Bloodstock. Die Planung umfasse die monatelange Ausarbeitung eines Konzepts und Besprechungen mit Partnern, Behörden und Subunternehmen.
„Wichtig sind gute, sichere und schnelle Routen ohne lange Wartezeiten, eine artgerechte Behandlung, Unterbringung, Temperatur und ausreichend Futter“, sagt Kerstin Reiß, Assistentin von Ingrid Klimke. Klimke ist Dressur- und Vielseitigkeitsreiterin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin. Auch die Betreuung durch einen Pferdepfleger oder Tierarzt während des Flugs müsse gewährleistet sein.
Die Überprüfung von Impfungen und der Transportfähigkeit der Pferde ist ein wichtiger Punkt, um Komplikationen zu vermeiden. „Für die Beurteilung der Transportfähigkeit gelten die gleichen Grundsätze wie bei der sonst üblichen täglichen Gesundheitskontrolle“, erklärt Henrike Lagershausen, Leiterin der Abteilung Veterinärmedizin der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. „Auf folgende Punkte sollte man besonders achten: Das Pferd macht einen gesunden, munteren Eindruck, hat eine normale Körperhaltung und gleichmäßige Belastung der Gliedmaßen. Das Pferd zeigt den üblichen Appetit und hat keine sichtbaren Verletzungen oder Schwellungen.“
Bei der Flugbuchung müssen Quarantänen veranlasst werden, wenn Pferde aus Ländern einreisen, in denen ein Virus grassiert. Vor dem Transport werden Laboruntersuchungen, Impfungen und Behandlungen vorgenommen. „Flugausfälle können nicht beeinflusst werden, weswegen es gut ist, wenn der Abflughafen genug Boxen zum Einstallen hat“, sagt Isabelle Atock. Diese würden auch genutzt, um den Vierbeinern noch einmal einen Ort zur Entspannung zu geben. „Der meistgewählte Flughafen ist der in Lüttich, der sich auf Pferde spezialisiert hat“, sagt Atock. Dort stiegen die Flugzeuge weniger steil auf.
Den Flug verbrächten die Pferde in Containern, in denen sie ein ähnliches Standgefühl hätten wie in Anhängern. Jährlich transportiere man etwa 1000 bis 2000 Tiere nur mit dem Flugzeug. Für das ganze Jahr liege die Zahl der transportierten Pferde im höheren vierstelligen Bereich. Manchmal wird eine größere Anzahl von Tieren transportiert und ein ganzes Flugzeug gechartert. So hat man 2016 zu den Olympischen Spielen alle Pferde aller Mannschaften nach Rio de Janeiro geflogen, auch das dazugehörige Equipment, das rund 160.000 Kilogramm wog. Insgesamt waren es 310 Pferde. Martin Atock organisierte, dass die Pferde in Rio nachts zu den Ställen gebracht wurden, um keinen Stress durch den Verkehr erleben zu müssen.
„Die Mitarbeiter müssen auch bei komplizierten Pferden genug Einfühlungsvermögen haben“, sagt Assistentin Kerstin Reiß. „Beim Transport von Lebewesen kann es immer zu unerwarteten Komplikationen kommen. In seltenen Fällen werden Tiere etwas sediert, wenn sie sich zu sehr aufregen.“ Auch die Container könne man etwas umbauen, um es ängstlichen Tieren angenehmer zu machen. „Da Championatspferde immer mehr Platz haben, also zwei pro Container anstatt drei, lassen sie sich in der Regel gut verladen und stehen entspannt“, sagt Atock. „Dies war für uns einer der Gründe, warum wir uns für Peden Bloodstock entschieden haben“, berichtet Reiß.
Besonders gefragt seien Transporte in die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Saudi-Arabien und Kanada, berichtet Atock. Der Preis für Transporte innerhalb Deutschlands sei drei- bis vierstellig, mit dem Flugzeug vier- bis fünfstellig. Der Jahresumsatz liege im mittleren siebenstelligen Bereich. Seinen Marktanteil im Bereich der Logistik für Reitsport- und Großveranstaltungen schätzt das Unternehmen auf rund 60 Prozent.
„Erstaunlicherweise ist der Flugtransport in der Regel überhaupt kein Problem. Die Pferde stehen sehr gut im Flugzeug, die Erschütterung ist geringer als beim Straßentransport, und die Pferde müssen weniger ausgleichen“, sagt Medizinerin Lagershausen. Pferde, die schon im Fohlenalter in Begleitung der Mutterstute das Verladen gelernt hätten, zeigten meistens keine Schwierigkeiten beim Betreten des Transporters.