Chinesen können alles

Außer Hochdeutsch: Häring aus Bubsheim


In Bubsheim, einer kleinen Gemeinde im Landkreis Tuttlingen in Baden-Württemberg, ist die Anton Häring KG ansässig. Das Unternehmen  gehört zu den global führenden Herstellern von Präzisionsteilen und Baugruppen und ist vorrangig Zulieferer der Automobilindustrie. Häring-Technik stecke „in fast jedem Fahrzeug“, sagt Marketingleiterin Ramona Leibold. In der Autoindustrie haben Präzisionsteile eine große Bedeutung. Bauteile und Baugruppen, die Häring produziert, sind beispielsweise Einspritz-, Sensor-, Getriebe-, Brems-, Nockenwellen- und Lenkungstechnologien. Man erzielte 2023 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 380 Millionen Euro und beschäftigt mehr als 4000 Mitarbeiter auf der Welt.

Anton Häring gründete 1961 den Betrieb in der Scheune der Eltern mit gerade einmal 21 Jahren. Anfangs fertigte man mithilfe von zwei Abstechautomaten Normteile wie Schrauben und Muttern. Zu Beginn der Siebzigerjahre expandierte das Unternehmen stark. 2002 eröffnete man einen Standort in Polen und 2010 in China. Es folgten Niederlassungen in den USA und zuletzt in Tunesien. Allein in Bubsheim arbeiten mehr als 850 Mitarbeiter.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, hat man seit 2005 Akademien eröffnet.  2023 wurden in Bubsheim  123 Auszubildende in 23 Berufen und Studiengängen ausgebildet. Die Akademie verfügt über    ein Innovationslabor, in dem Azubis und Studierende Prozesse und Technologien entwickeln. In den Akademien lernt man zunächst Deutsch, da dies die globale Sprache im Unternehmen ist. „In unserem Werk in Taicang gibt es mindestens 150 chinesische Mitarbeiter, die perfektes Schwäbisch sprechen“, scherzt Geschäftsleiterin Miriam Häring. Das globale System der Akademien sei eine große Stärke und ein Alleinstellungsmerkmal.

Den Standort Bubsheim wolle man nicht erweitern, da Deutschland wegen hoher Energiepreise und viel bürokratischen Aufwands nicht wettbewerbsfähig sei. „Bubsheim ist ohnehin hauptsächlich ein Entwicklungsstandort, der als Leitwerk für die globalen Produktionsstandorte fungiert“, sagt Häring. Doch werden am Stammsitz nach Angaben des Unternehmens jeden Tag mehr als 500.000 Drehteile produziert.

Wegen des Wandels in der Autoindustrie muss sich das Unternehmen auf neue Antriebstechnologien einstellen, vor allem auf die Elektromobilität und auf auf Wasserstoff basierende Systeme. „Dabei dennoch im Bereich der Produktion von Präzisions­teilen für Verbrennungsmotoren ein Wachstum zu verzeichnen ist ein Kraftakt; das eine zu tun und dabei das andere nicht zu lassen“, sagt Häring. 

Seit 2012 ist Diplom-Ingenieur Thomas Leibinger Bürgermeister von Bubsheim. Er schätzt die Kooperation mit den Unternehmen vor Ort als essenzielle  Symbiose ein, die es der Gemeinde erst ermögliche, grundlegende Aufgaben wie die Bereitstellung von Bildung und anderer Infrastruktur zu erfüllen. „Eine Gemeinde muss interessante Rahmenbedingungen schaffen, damit sie für Unternehmen attraktiv ist“, sagt Leibinger. Dazu gehöre, für junge Familien attraktiv zu sein.

Die Einwohnerzahl von Bubsheim hat sich in den vergangenen 30 Jahren auf gut 1400 verdoppelt. Eine wichtige Ursache sind die  Arbeitskräfte, die sich dort mit ihren Familien niederlassen und Bubsheim zu einer der jüngsten Kommunen in Baden-Württemberg machen. Häring hat dafür ein rund 80 Häuser umfassendes Neubaugebiet errichtet. 

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2024, Nr. 57, S.22 - Nils Jakob, Rees Gymnasium Spaichingen

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