In vielen Wasserhähnen auf der Welt befinden sich Strahlregler von Neoperl. Die kleinen Produkte helfen sehr ausgeklügelt beim Wassersparen.
Schon morgens beim Aufstehen ist die Chance groß, dass man das erste Mal Kontakt mit Neoperl hat: wenn man den Wasserhahn aufdreht. Das wissen die meisten Leute gar nicht“, sagt Bianca Federer, Head of Global Marketing des schweizerischen Unternehmens. Produkte von Neoperl befinden sich im Innern der Armatur und sind fast überall anzutreffen, wo Trinkwasser in einem Gebäude fließt.
Die Neoperl Group AG, die ihre Wurzeln auch in Deutschland und eine Niederlassung in Müllheim im Markgräflerland hat, ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Strahlregler; sie sind das Hauptprodukt des Unternehmens. Es gebe kompetente Mitbewerber insbesondere in Italien und China, die mit Innovationen rund um das Produkt Strahlregler aufwarteten. Allerdings sei Neoperl vermutlich das global am breitesten aufgestellte Unternehmen mit dem umfangreichsten Sortiment. Strahlregler sind kleine siebartige Düsen, die an Auslaufarmaturen von Badewannen und Waschtischen sowie in Küchenarmaturen zu finden sind. Sie formen den Wasserstrahl, reduzieren Armaturengeräusche und erfüllen nationale Normen.
Ist in den Strahlregler ein Mengenregler integriert, dann hilft das beim Wasser- und Energiesparen. Der Mengenregler lässt so viel Wasser wie nötig, aber so wenig wie möglich durch den Auslauf. In einer von Neoperl in Auftrag gegebenen Ökobilanzstudie der Technischen Universität Berlin heißt es: „Ist der kleine Mengenregler zehn Jahre im Einsatz, macht er den Ressourcenverbrauch aus dem Herstellungsprozess um mindestens das 26.000-Fache wett.“ So lohne sich der Einsatz schon nach wenigen Tagen.
„Das Formen, Regeln und Sichern des Trinkwassers ist das Geschäftsmodell unseres Unternehmens“, sagt Fabian Wildfang, Technikvorstand (CTO) von Neoperl. „Neben den Strahlreglern stellen wir unter anderem Schläuche, Filter, Mengenregler und Rückflussverhinderer her und sind somit ein Komplettanbieter für neutrale Komponenten rund um die Armatur.“ Im Onlineshop kostet ein Haushaltsset mit vier Wassersparern rund 20 Euro.
Den Kunden folge man in neue Märkte, erklärt Marketingprojektleiterin Ajuni Bur. Dies hat zu Standorten in 17 Ländern geführt, darunter die USA, China, Indien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Brasilien. Die Präsenz vor Ort ermöglicht es, Produkte auf länderspezifische Erfordernisse anzupassen. So erfordern gesetzliche Vorgaben und unterschiedliche Wasserqualitäten, zum Beispiel Sedimentanteile im Trinkwasser, spezifische Lösungen. Im asiatischen Raum ist das Wasser in der Regel wenig kalkhaltig, Europa und Südamerika haben sehr hartes Wasser. Es gibt Regionen mit Hochdruck- und Niederdruckversorgung, aber auch Länder, die durch das Schwerkraftprinzip mit Trinkwasser versorgt werden, beispielsweise Brasilien und Großbritannien.
„An jedem Standort steht das gleiche Equipment, die gleichen Prozesse laufen ab, damit am Ende das gleiche Produkt entsteht. So können Ausfälle oder Schwankungen der Produktion weltweit kompensiert werden“, berichtet Federer. Dies habe sich in der Corona-Zeit, als Lieferketten unterbrochen waren, ausgezahlt.
Das Unternehmen beschäftigt rund 1800 Mitarbeiter und beliefert etwa 6700 Kunden in mehr als 80 Ländern. Den größten Anteil am Umsatz haben rund 3000 Industriekunden; zu ihnen gehört der Großteil der internationalen Armaturenhersteller. Im Jahr 2022 belief sich der Gesamtumsatz von Neoperl auf 350 Millionen Euro. Die Produktionsmenge des Strahlreglers beläuft sich auf etwa 200 Millionen Stück im Jahr. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz etwas gesunken. Das liegt auch an der starken Abhängigkeit der Kunden von der Baubranche.
2003 hat Neoperl die Metallsiebe durch Kunststoffsiebe ersetzt. Sie sind günstiger und leistungsstärker und machen den Wasserstrahl weicher, sodass er weniger spritzt. Dies basiert auf einem einfachen Trick: Der Strahl wird zunächst beschleunigt und dann durch verschiedene Kunststoffsiebe abgebremst, dabei aufgespalten und wieder vereint. Zeitgleich wird Luft beigemischt, sodass der Strahl an Volumen gewinnt und dennoch weniger Wasser verbraucht. Nach Aussage des Unternehmens werden gut 1000 Varianten des Strahlreglers angeboten.
Ein Feature sind die unterschiedlichen Strahlbilder, die den Wasserstrahl formen. Die vier am meisten verbreiteten Strahldesigns heißen Pure, Comfort, Design und Rain. „80 Prozent des Wassers kann durch Luft ersetzt werden. Dies lässt den Wasserstrahl trotz geringeren Wasserflusses für den Endverbraucher weich und voluminös erscheinen“, sagt Wildfang. Der Wasserverbrauch könne bis zu 40 Prozent reduziert werden.
Rund vierzig Ingenieure und Techniker tüfteln an den Produkten. Es werden auch Schalltests zur Lautstärkenregulierung des Wasserstrahls durchgeführt. Ein Produkt wird in globalem Standard entwickelt; dann wird geprüft, wie es sich auf die lokalen Märkte anpassen lässt. Dies ist notwendig, da die Hygienestandards unterschiedlich sind. Oft werde das Wasser in Schwellen- und Entwicklungsländern auch auf Hausdächern in offenen Behältern gelagert, die nicht vor Verschmutzung gesichert seien, sagt Wildfang. Höhere Verschmutzungsgrade erfordern eine geringere Filterleistung des Strahlreglers, da dieser ansonsten sehr schnell verstopfen würde.
Für die Reputation sei nichts schlimmer, als dass gefälschte Produkte unter dem Namen Neoperl vertrieben würden, gegebenenfalls sogar mit gesundheitsschädlichen Materialien, sagt Burk. Gerade im sensiblen Trinkwasserbereich sei dies heikel. Regelmäßig versuchten vor allem asiatische Hersteller, Produkte aus Europa zu kopieren. Deshalb sucht man auf Messen gezielt nach Plagiaten.