Das klappt doch schon ganz gut

Kwiggle aus Hannover stellt das kleinste Faltfahrrad auf der Welt her


Wer sein Rad mit der Bahn transportiert, weiß: Die Fahrradabteile sind oft überfüllt, im ICE wird eine Gebühr fällig. Dem entgegenwirken möchte die vor vier Jahren gegründete Kwiggle Bike GmbH aus Hannover. Spezialisiert hat sie sich auf ein Faltrad „im Handgepäckformat“. Kwiggle setzt sich zusammen aus dem ersten Buchstaben des Vornamens von Unternehmensgründer Karsten Bettin und „to wiggle“, das sich mit „wackeln“ übersetzen lässt. Das kleinste Faltrad der Welt ist zusammengefaltet 55 mal 40 mal 25 Zentimeter klein. Es sei das einzige Fahrrad der Welt, das auch zur Rushhour in Bus und Bahn mitgeführt werden dürfe, sagt Pressesprecher Dietmar Kupisch.

Die Räder messen nur 12 Zoll. Der Sattel ist nicht durch eine Stange mit dem unteren Rahmen verbunden, wodurch er beim Treten der Pedale nach links und rechts mitschwingt. So wird eine stehend-sitzende Fahrposition möglich. Diese Art des Fahrens erfordert  Übung, hat aber Vorteile. Eine Kundin beschreibt, dass der untere Rücken überwiegend entlastet werde; zudem würden weder Nacken noch Schulter angestrengt, und die Armhaltung sei entspannt. Laut Kupisch liegt beim „Kwiggeln“ der Körperschwerpunkt näher am Pedalendruckpunkt. So spare man Oberschenkelkraft und bringe mehr Körpergewicht auf die Pedale.  Man erreiche mit dem Rad 25 Stundenkilometer.

Laut der Kundin dauert das Ein- und Ausfalten jeweils 30 bis 40 Sekunden. Einen Nachteil habe das Kwiggle: Das Fahren auf unbefestigten Böden oder Kopfsteinpflastern gestalte sich aufgrund der kleinen Reifen schwierig.

 Der große Durchbruch kam erst nach der Pandemie, denn das Kwiggle richtet sich besonders an Pendler. Laut Kupisch betrug der Jahresumsatz 2020 rund 1,1 Millionen Euro, im vergangenen Jahr lag er bei 3,5 Millionen Euro. „Zurzeit sind wir 14 Mitarbeiter“, sagt er. Diese seien für die Endmontage zuständig. Die Produktion der Bauteile finde zu 80 Prozent in Deutschland statt. In Italien fertige ein Unternehmen ein außergewöhnliches Bauteil, es sei auf die Einarm-Hinterradschwinge spezialisiert.

Seit Mai 2022 ist das Rad auch in Australien erhältlich und damit auf allen Kontinenten. Auf dem außereuropäischen Markt Fuß zu fassen sei schwierig, sagt Kupisch. Für besonders geeignet hält er das Produkt in Regionen, wo Millionen Menschen zur Arbeit pendeln, zum Beispiel Tokio und  New York. 70 Prozent der Verkäufe finden aber immer noch in Deutschland statt.

 Der Preis für ein Kwiggle beginnt bei 1428 Euro. Mit sechs Gängen kostet es zwischen 2051 und 2259 Euro. Je kompakter ein Faltrad ist, desto mehr Rahmenteile sind nötig. Das Kwiggle wäre billiger, wenn es mit weniger Bauteilen auskäme, aber auch sperriger. Gefertigt wird das Faltrad aus  korrosionsstabilem Edelstahl. Es wiegt zwischen 9,5 und 10,5 Kilogramm.

 Vor dem Kwiggle trug das britische Klapprad Brompton den Titel „kompaktestes Faltrad der Welt“. Es sei größer, spiele aber qualitativ in einer ähnlichen Klasse, ebenso wie das Birdy von Riese & Müller, sagt Kupisch. Das Handgepäckformat des Kwiggle biete Möglichkeiten wie das Verstauen unter den Sitzen und in Schließfächern. Piloten könnten es ins Cockpit mitnehmen.

Ein Projektbeitrag von: ,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2024, Nr. 142, S. 24 - Luise Gaßmann, Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen

zurück