Bus und Schiff zugleich: In Hamburg zieht ein besonderes Fahrzeug Touristen an
Schon im alten deutschen Märchen „Von dem Schiff, das zu Wasser und zu Lande fuhr“ ist von einem kuriosen Amphibienfahrzeug die Rede. Fred Franken und Jan Peter Mahlstedt, Geschäftsführer der Hafencity Riverbus GmbH, haben 2016 in Hamburg nach eigenen Angaben den ersten Amphibienbus Deutschlands zu Wasser gelassen. Nun dreht der Riverbus vier- bis achtmal am Tag seine Runden.
Die Tour beginnt am Brooktorkai. Man fährt an der Elbphilharmonie vorbei. In Entenwerder geht es auf die „Slip-Anlage“. So nennt Touristenführer Oliver Dierks die Rampe, auf der der Bus zu einem Boot wird. „Wir schwimmen!“, ruft Dierks. Mit 4 bis 5 Knoten fährt der Riverbus durch den Binnenhafen. Er hat einen Tiefgang von 1,24 Metern, darunter sind 6 Meter Elbe.
Vor 25 Jahren sah Fred Franken in Singapur einen Riverbus. „Als ehemaliger Seemann hat mich diese Kombination aus Bus und Schiff sofort fasziniert.“ In Budapest bauten Franken und Mahlstedt für 480.000 Euro die erste Variante des Riverbusses. Damals habe es nur drei weitere Hersteller für touristisch nutzbare Amphibienfahrzeuge gegeben.
Der Riverbus hat drei Verbrennungsmotoren, die in wasserdichten Wannen liegen, erklärt Dierks auf der Tour. An Land kann er höchstens 65 Stundenkilometer fahren. Es gibt 36 Sitzplätze für Passagiere. Sie müssen sich gleichmäßig im Bus verteilen, damit der Bus gerade im Wasser liegt.
Im Märchen wurde die Königstochter nicht allein durch den Bau des Fahrzeugs gewonnen, es mussten Hindernisse überwunden werden. Laut Franken wird ein Amphibienfahrzeug in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung nicht genannt. Man musste Regularien für Schiffe und Busse erfüllen; der komplizierte Genehmigungsvorgang dauerte vier Jahre.
Nun fahren zwei Riverbusse in Hamburg. Jedes Jahr transportiert man 40.000 bis 45.000 Gäste. Erwachsene zahlen 35 Euro, Kinder 25 Euro. Das Unternehmen beschäftige 12 Mitarbeiter, sagt Franken. Die monatlichen Kosten je Fahrzeug betrügen 18.000 bis 20.000 Euro, die Mitarbeiterkosten 450.000 Euro im Jahr. Der Jahresumsatz liege bei 1,2 Millionen Euro. In Deutschland gibt es nur mit der Splashtour Lübeck ein ähnliches Angebot.
„Erst war mir etwas mulmig zumute, aber der Moment des Eintauchens ins Wasser war ein echtes Erlebnis“, erzählt Inge Uhde aus München nach der Fahrt. 2021 gab es Probleme bei der Ausfahrt auf der Rampe. Durch Starkregen wurde ein Seil in die Elbe gespült. Es wickelte sich um die Hinterachse des Fahrzeugs und behinderte den Vortrieb. Die Passagiere konnten durch das kniehohe Wasser waten und das Fahrzeug verlassen. „Sicherheit hat bei uns oberste Priorität“, versichert Franken. „Wir sind alle gestandene Nautiker und Seeleute.“ Der Fahrer muss einen Busführerschein, einen Personenbeförderungsschein und ein Kapitänspatent als Hafen- und Binnenschiffer haben.
Im Märchen erhält der Held als Lohn für sein Amphibienfahrzeug die Königstochter. Franken ist „zufrieden damit, dass mein Traum eines damals in Deutschland einzigartigen Rundfahrtkonzepts funktioniert hat und sich meine Erwartungen an die Rentabilität übererfüllt haben“.