Farhad Vladi vermittelt seit 50 Jahren den Verkauf von Inseln. Die Preisspanne ist gewaltig. Manches Eiland ist erstaunlich günstig zu haben.
Viele Menschen zieht es in die Natur, um dem Alltag zu entfliehen. So ging es auch Farhad Vladi. Nachdem er sein Abitur in Hamburg absolviert hatte, studierte er Volkswirtschaft und schloss mit Diplom ab. Damals träumte er davon, sich eine Insel zu kaufen. „Muss schön sein, von all dem Ärger hier in der Zivilisation wegzukommen, meine Ruhe zu haben und das Leben zu genießen“, dachte er.
1966 stieß er auf einen Zeitungsartikel, in dem ein Journalist über einen Inselverkauf für 5000 DM berichtete. Zwar hatte der Journalist einen Fehler gemacht und eigentlich über eine Vermietungsinsel geschrieben; doch der Kauf einer Insel ließ Vladi keine Ruhe mehr. „Ich habe weitergesucht und weitergesucht und dann festgestellt, dass die Seychellen auf unserem Erdboden die schönsten Inseln sind, weil es die einzigen Granitinseln auf der Welt mitten im Ozean sind“, erzählt er. Schließlich fand er eine tolle Insel, die zum Verkauf stand, allerdings 1 Million DM kosten sollte.
Anstatt aufzugeben, schickte Vladi seine gesammelten Infos mit Bildern in Hamburg herum. Er nahm an, dass sich reiche Leute finden würden, die Interesse an einem Inselkauf hätten. Er sollte recht behalten, denn es kauften drei Personen zusammen die Insel, und er erhielt eine Provision von 30.000 DM. „Da bin ich natürlich durch die Decke gegangen“, erinnert er sich. Durch Mundpropaganda wurden immer mehr Inselinteressenten auf ihn aufmerksam. „Damals gab es kein Internet, kein Google Earth.“
1971 wurde Vladi Private Islands gegründet. Neben der Vermittlung von Inseln auf der ganzen Welt bietet das Unternehmen auch Immobilienverwaltung und -bewertung, Gutachten und Einschätzungen des Marktes an. Vladi hat außerdem seitdem Inseln an rund 44.000 Gäste vermietet.
In Halifax in Kanada werden 1200 Objekte verwaltet, Verkauf und Vermietung laufen über den Standort in Hamburg. Vladi beschäftigt 25 Mitarbeiter. Bis heute habe er 3000 Inseln vermittelt, sagt der Unternehmer. Man sei „Weltrekordhalter im Inselverkauf“ und habe in den vergangenen 50 Jahren 12.000 Akten über Privatinseln angelegt. Weiterhin laufe der Verkauf vor allem über Mundpropaganda. „Das ist eine kleine Welt, das spricht sich ganz schnell herum.“
Laut Vladi vermittelt man durchschnittlich 20 bis 30 Inseln im Jahr. „Die Maklerprovisionen richten sich nach den Gepflogenheiten im jeweiligen Land“, berichtet er. „Zum Beispiel betragen sie in Schottland 2 Prozent, in Deutschland 5 Prozent, in Kanada 4 Prozent. Wir liegen da prozentual nicht niedriger oder höher als lokale Broker.“
Die günstigsten Inseln befinden sich in Finnland und Kanada und kosten rund 50.000 Euro. „Wer sich ein gutes Auto leisten kann, kann sich auch eine Insel leisten. Die Unterhaltung der Inseln, Grundsteuer und Versicherung sind genauso teuer wie ein Auto“, sagt Vladi.
Die teuren Inseln liegen meistens in Gebieten, wo Inseln knapp sind, und sind sehr gut erschlossen. Beispielsweise haben sie einen Hafen, Häuser und Strände. Sie kosten etwa 30 Millionen Euro. Zwei Inseln in der Lagune von Venedig kämen auf den Markt, erzählt Vladi. Auf einer befindet sich ein Weingut, das 10.000 Liter Rotwein herstellt; ihr Preis liegt zwischen 25 und 30 Millionen Euro. „Hauptsächlich verkaufen wir aber zwischen 250.000 und 2,5 Millionen Euro“, sagt Vladi. Mit Inseln in dieser Preisspanne verdiene man 90 Prozent des Umsatzes.
Alle seine Kunden seien sehr naturverbunden und überdurchschnittlich intelligent, glaubt Vladi. „Das hört sich arrogant an, aber das meine ich nicht so. Auf der Insel sind sie für sich, und da gibt es nur einen Souverän, und der Souverän ist die Natur.“ Das Unregelmäßige sei auf einer Insel das Regelmäßige; das bringe seinen Kunden viel Spaß. „Wenn ich mir die Kunden anschaue, denen ich eine Insel verkauft habe, kommt keiner hier mit quietschendem Ferrari vorgefahren, egal wie reich er ist, sondern genau das Gegenteil.“
Ihm sei die Natur ebenfalls sehr wichtig, sagt Vladi. Wenn jemand eine Insel kaufen wolle, um dort zu parzellieren, griffen er und seine Mitarbeiter ein. „Das finde ich überhaupt nicht gut, weil dadurch die Natur kaputtgeht. Dann versuchen wir, das zu unterbinden.“
Der Klimawandel beeinflusst auch Vladis Geschäft. So bedrohen die steigenden Meerestemperaturen die Korallenriffe. Außerdem sagt er: „Der Meeresspiegel muss um 2,5 Meter steigen, damit unser erster Kunde nasse Füße kriegt.“
Vladi kann von ungewöhnlichen Erlebnissen berichten. Einmal bekam er den Auftrag, eine Privatinsel mit einer Farm vor Ibiza zu verkaufen, die acht Bauern gehörte. Als Interessenten fand Vladi einen deutschen Fürsten. Man verabredete sich in Ibizas Hauptstadt beim Notar. Jedoch blieben die Farmer vor der Tür und berichteten Vladi, sie hätten keine angemessene Kleidung für den Termin. So ging Vladi mit ihnen in ein Kaufhaus und erwarb acht Anzüge. Anschließend stand dem Vertrag nichts mehr im Weg.
Vladi besitzt ebenfalls eine Insel; er hat sie vor 35 Jahren erworben. Seine Familie und er lieben diese Insel, die vor Neuseeland liegt, sagt Vladi.